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Toshiba AT200 „Excite“: Test zum dünnsten Android-Tablet


22.04.2012, 10:30 Uhr

toshiba-at200-excite

Bereits auf der IFA Anfang September 2011 zeigte Toshiba sein optisch äußerst reizvolles Tablet Toshiba AT200, das zeitweise auch unter dem Namen „Excite“ kursierte. Seit Anfang Februar ist das Tablet endlich auch auf dem deutschen Markt erhältlich. In unserem Kurztest klären wir, ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat.

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Optik, Haptik und Verarbeitung

Beim Auspacken des Toshiba AT200 stellt sich unwillkürlich ein „Wow“-Effekt ein: Das 10,1-Zoll-Gerät ist mit 7,7 mm extrem dünn, merklich dünner sogar als mein eigenes Smartphone, das Samsung Galaxy S2. Dazu ist es mit 558 Gramm sehr leicht – leichter als das Samsung Galaxy Tab 10.1 und die iPads jeder Generation. Wer angesichts dieser Eigenschaften ein Plastikfest erwartet, irrt. Denn die verarbeiteten Materialien wissen ebenfalls zu überzeugen: Die Rückseite des Toshiba AT200 besteht aus gebürstetem Aluminium, das jedoch behandelt worden zu sein scheint, da es sich deutlich weniger kalt anfühlt, als man bei einer Metallrückseite erwarten würde. Unten links auf der Rückseite prangt stolz das silberfarbene Logo von Toshiba.

toshiba-at200-back

Der seitliche Rahmen ist in drei Streifen geteilt. Die äußeren metallenen Streifen fassen einen dunklen Plastikstreifen ein, in dem sich – horizontal gehalten – rechts auch die Power-Taste, die Lautstärkewippe sowie eine Sperre zum Verhindern von Änderungen der Bildschirmausrichtung befinden. An der Unterseite wird der Plastikstreifen durch die Stereo-Lautsprecher unterbrochen. In der Mitte befindet sich der Anschluss für das (proprietäre) Ladekabel. Links gibt es noch diverse externe Anschlüsse, doch dazu später mehr.

toshiba at200 excite seite

Die Hardware-Buttons für Power und Lautstärke sind leider nicht ganz optimal gestaltet, zum Drücken ist einiges an Mühe erforderlich. Zudem war die Lautstärke-herunter-Taste in unserem (vorher schon in Verwendung gewesenen) Testmuster offenbar defekt. So musste man zum Verringern der Lautstärke stets erst Lautstärke-hoch drücken, damit der On-Screen-Dialog der Lautstärkeregelung erschien und darüber dann die Lautstärke herunter regeln – unkomfortabel, aber hoffentlich nur ein Manko des Testgerätes. Denn nach einer Recherche im Netz fanden sich keine weiteren derartigen Fälle, sodass wir von einem Problem mit unserem spezifischen Gerät ausgehen und der Fehler nicht in die Wertung einfließt.

Die Vorderseite sieht aus, wie wohl die meisten Tablet-Fronten dieser Tage – mit einem markanten Unterschied: Die Frontkamera wird nicht verschämt versteckt, sondern befindet sich zentral auf der Stirnseite des Tablets und wird optisch noch durch einen spiegelnden Kreis drumherum herausgehoben. Das mag nicht jedermanns Ästethikempfinden entsprechen, erleichtert aber ungemein, die korrekte Halteposition für das Tablet zu finden.

Display

toshiba at200 display

Das Toshiba AT200 verfügt über ein Display mit 10,1 Zoll-Diagonale und IPS-Panel. Dieses weiß durch subjektiv gute Farb-, Kontrast und Helligkeitswerte bei einer hohen Blickwinkeltreue zu überzeigen. Im direkten Vergleich, etwa mit dem Display des HP Touchpad oder gar des ASUS Transformer Prime, kommt das von Toshiba verbaute Panel an aktuelle Modelle allerdings nicht ganz heran.

toshiba at200 display closeup

Die Auflösung von 1280 x 800 war Standard in Tablets des letzten Jahres. Man kann bei der daraus resultierenden Pixeldichte von 150 ppi freilich Bildpunkte sehen, wenn man nah an das Tablet herankommt. Auch ist in dunklen Flächen (hier im Foto etwa beim Icon von Death Rally) und bei ausgeschaltetem Bildschirm das Muster der Display-Matrix zu sehen.

Die automatische Helligkeitsregelung kam uns im Test stets etwas zu dunkel vor. Möglich, dass der Hersteller an dieser Schraube gedreht hat, um den Akku etwas zu schonen. Der ist nämlich eher schmal bemessen, dazu später mehr.

Anschlüsse und Konnektivität

toshiba at200 anschluesse

Das Toshiba AT200 gibt es ausschließlich in einer WLAN-Version. Wer sein Tablet unterwegs für Aufgaben nutzen möchte, die Online-Verbindungen erfordern, ist also auf externe Lösungen wie Tethering per Smartphone angewiesen. Das AT200 kommt in zwei Versionen daher: Das AT200-101 mit 16 GB internem Speicher, das AT200-100 mit 32 GB Speicher. Der Speicher des Excite lässt sich aber mit einer MicroSD-Karte erweitern – auch wenn sich das Einstecken einer solchen Karte in unserem Test als etwas hakelig erwies.

Die WLAN-Verbindung war im Testzeitraum stets stabil und schnell. Hingegen erwies sich die GPS-Funktion als Achillesverse: Das Gerät bekam kaum Kontakt zu den GPS-Satelliten, ein Fix kam gar nicht erst zustande. Vermutlich ist das Problem gleich gelagert wie beim ASUS Transformer Prime, das aufgrund der Gerätematerialien (durchgehend Metall) gleichsam arge GPS-Problem hat. Wer vorhatte, sein AT200 als Navigationsgerät einzusetzen, sollte also von diesem Plan ablassen.

Des weiteren sind ein HDMI-Ausgang, ein Micro-USB-Anschluss und eine Kopfhörer-/Headset-Buchse vorhanden – solider Standard.

Ein Wort zu den Lautsprechern: Diese klingen etwas schwachbrüstig, was aber angesichts der dünnen Bauform auch nicht anders zu erwarten war. Wer guten, satten Klang will, muss den Ton per Bluetooth oder Kopfhörerausgang weitergeben. Für das Spielen auf dem Sofa reicht der Klang in – immerhin – Stereo aber aus (ja, das ist als Seitenhieb auf das Transformer Pad Prime zu verstehen).

Kamera-Leistung des Toshiba AT200

toshiba at200 camera back

Nach wie vor sind wir in der androidnext-Redaktion der Meinung, dass ein Tablet nicht zwingend eine Rück-Kamera braucht. Dennoch gibt es einige Modelle, die auch auf diesem Nebenschauplatz zu glänzen wissen – genannt seien das Samsung Galaxy Tab 10.1v, das Transformer Prime und das iPad 3. In diese illustre Meute reiht sich das Excite nicht ein. Die 5 MP-Rückkamera des Toshiba AT200 ist eher als das dritte Rad am Feature-Wagen zu bezeichnen: Selbst bei guten Lichtverhältnissen produziert sie ein starkes Rauschen in dunklen Bildbereichen. Farben werden recht knallig, dabei aber ohne große Verfälschungen wiedergegeben.

Testfoto

Videos nimmt das Toshiba AT200 in 1080p auf. Abgesehen von der Bildstabilität bei schnellen Schwenks sind die Ergebnisse passabel, wie man in unserem aus dem Bürofenster gefilmten Testvideo sehen kann.


    YouTube-Logo

Die Rausch-Problematik ist ebenfalls bei der 3 MP-Frontkamera gegeben, allerdings in geringerem Ausmaß. Für Videotelefonie – ein wohl häufigerer Einsatzfall für Tablets als Sightseeing-Schnappschüsse – ist sie gut geeignet.

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Die Software im Toshiba AT200

Das Toshiba AT200 wird mit Android 3.2 „Honeycomb“ ausgeliefert. Ein vorinstalliertes Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ wäre natürlich schöner gewesen, aber ein Honeycomb auf dessen letztem Entwicklungsstand ist ICS immerhin deutlich näher als Android 2.3 Gingerbread auf dem Smartphone. Soll heißen: Fast alle ICS-Apps laufen auch gut unter Honeycomb, gegenüber einem nativen ICS fehlt es Android 3.2 ein wenig an (gefühlter) Performance und einigen Komfort-Features wie etwa dem Wegwischen von Benachrichtigungen oder dem aufgebohrten App-Drawer. Ein weiterer Minuspunkt ist auch das Fehlen der nativen Unterstützung vieler Datei- und Containerformate, die in Android 4.0 hinzukamen. Dennoch lässt sich mit Honeycomb im Großen und Ganzen fast genauso gut arbeiten auf dem Sofa sitzen wie mit ICS.

Neben dem naturbelassenen Betriebssystem liefert Toshiba noch ein kleines Softwarepaket mit. Erwähnenswert sind der DLNA-fähige Media Player mit dem nüchternen Namen „Media Player“, ein Office-Paket von Thinkfree, die Wischtastatur Swype in der Tablet-Variante, Virenschutz von McAfee und die Remote-Desktops-Software Splashtop HD, mit der man unter anderem Games vom PC auf das Tablet streamen kann. Die PrinterShare-App zum Remote-Drucken, eine Online-Hilfe von Toshiba und ein paar kleinere Apps komplettieren das Paket. Insgesamt also ein gutes Software-Paket ohne Bloatware, die die Systemleistung herunterziehen würde.

Akku-Ausdauer

toshiba at200 excite-side

Leider ist nirgendwo im Netz ein Angabe zur Akkukapazität des Toshiba AT200 zu finden, weswegen wir uns auf unseren subjektiven Eindruck verlassen mussten. Und der ist eher unterdurchschnittlich – nach einer etwa zweistündigen Gaming-Session war ein fast voll geladener Akku bereits auf unter die Hälfte seiner Kapazität gesaugt. Nach einem Wochenende moderater Nutzung musste das Gerät neu geladen werden. Angesichts des extrem dünnen Formfaktors ist das kein Wunder, denn Platz für einen gigantischen Akku ist in dem Gehäuse nicht. Mir persönlich macht das dann auch nichts aus, denn ich bevorzuge die kompakten Maße und das geringe Gewicht, solange ich das Gerät nicht öfter als einmal täglich laden muss.

Performance

toshiba excite at200 front

Das Toshiba AT200 stellt gewissermaßen ein Unikum dar: Als einziges der High-End-Tablets der Generation 2011/Honeycomb ist darin kein Tegra 2-SoC verbaut, sondern ein TI OMAP 4430. Getaktet ist die Dual Core-CPU auf 1,2 GHz. Das stellt das AT200 – zumindest Hardware-seitig – auf eine Stufe mit den Smartphones LG Optimus 3D und Motorola RAZR sowie den Tablets Amazon Kindle Fire und Blackberry PlayBook.

In der Praxis wird das Android-Betriebssystem auf dem Excite angemessen schnell beschleunigt. Zwar wird dabei nicht in jeder Situation die von Android 4.0 gewohnte Flüssigkeit erreicht, für den Alltag reicht die Performance aber aus. Toshiba hat auch ein Update auf ICS in Auftrag gestellt. Ob und wann das nun wirklich erscheint, wissen wir aber nicht genau. Versprechungen haben aber sowieso keinen Einfluss auf unsere Gerätetests – was zählt, ist der Status Quo.

In Spielen zeigte sich das Toshiba AT200 relativ flott, wenn auch die Leistungsdaten nicht an das Niveau aktueller Chips vom Schlage eines Snapdragon S4 oder Tegra 3 heranreichen. Jeder ausprobierte Titel ließ sich aber spielen. Probleme gab es in GTA 3: In den höchsten Einstellungen lief das Spiel zwar noch flüssig — die Kamera wackelte jedoch heftig. In mittleren bis hohen Grafikeinstellungen lief das Spiel aber wieder ohne Probleme. Stets flüssig und optisch sehr hübsch anzuschauen waren Death Rally und Anomaly: Warzone Earth. Auch mit Fruit Ninja, Sprinkle und Cut the Rope gab es überhaupt keine Probleme. Etwas auffällig war lediglich, dass das Gerät, wohl aufgrund der ultraflachen Bauweise und der Alu-Rückwand, im 3D-Betrieb relativ heiß wurde – allerdings nur auf der vom Landscape-Modus aus gesehen linken unteren Seite.

Die Benchmarks-Scores liegen etwas unter dem Galaxy Nexus und dem Samsung Galaxy S2, jedoch über denen der meisten Tegra 2-Geräte. Hier die Ergebnisse aus jeweils drei Testläufen verbreiteter Benchmarks:

  • Quadrant:1538, 1504, 1476
  • AnTuTu: 5117, 5325, 5504
  • CF-Bench: 5649, 5440, 5613

Persönliches Fazit zum Toshiba AT200

toshiba

Manchmal lohnt es sich, innezuhalten und die wahnsinnige Geschwindigkeit Revue passieren zu lassen, mit der die mobile Branche sich quasi jährlich neu erfindet. Am AT200 kann man das gut festmachen: Zum Zeitpunkt der ersten Vorstellung des Geräts vor einem Zweidritteljahr wäre das Tablet toll und in manchen Belangen auf einer Stufe mit dem Klassenprimus Samsung Galaxy Tab 10.1 gewesen. Heute ist es – im Angesicht von iPad 3, Transformer Prime und der sich am Horizont abzeichnenden neuen Generation an Quad Core-/FullHD-Tablets – nur noch ein gut verarbeitetes Tablet, dessen Macken und nur mittelmäßige Leistungswerte deutlich schwerer ins Gewicht fallen.

Mir persönlich hat das AT200 dennoch gut gefallen. Man könnte sagen: Die Chemie zwischen uns stimmte, denn ich konnte mit den kleinen Fehlern des Gerätes leben – Kamera und GPS sind mir in einem Tablet egal, das Display genügt mir und ich habe lieber einen flachen Formfaktor als eine dicke Flunder mit Riesenakku in der Hand. Games liefen gut, Surfen, Mailen und Videochat funktionierten – was will ich mehr? Okay, Ice Cream Sandwich wäre schon super gewesen. Subjektiv würde ich dem Gerät trotzdem eher eine Wertung von 3,8 als 3,5 geben. Unser Wertungssystem richtet sich allerdings an der aktuellen Oberklasse aus und gegen ein Transformer Prime kommt das Toshiba AT200 in keiner Hinsicht an – von den Lautsprechern mal abgesehen.

Mit einem Straßenpreis von aktuell deutlich unter 400 Euro ist das Toshiba AT200 „Excite“ recht günstig. Wer ähnliche Präferenzen wie ich hat, darf dem AT200 also eine Chance geben. Wer mehr von einem Tablet verlangt, schaue sich nach einem Transformer Prime um oder schnuppere lieber bei der Konkurrenz aus den Häusern Acer oder Samsung hinein.

Wertung zum Toshiba AT200

Verarbeitung und Haptik: 5/5
Display: 3/5
Hardware und Performance: 3/5
Konnektivität: 4/5
Software: 3/5
Kamera: 3/5
Multimedia: 3/5
Alltagstauglichkeit: 4/5

Gesamt: 3,5/5

Pro

  • Leicht
  • Toll verarbeitet
  • Recht günstiger Preis

Kontra

  • Kein Android 4.0
  • GPS funktioniert kaum
  • Schlechte Rückkamera

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  • Anonymous

    Hmmm,komisch das ihr die Verarbeitung lobt, da genauso diese in vielen anderen Tests und Bewertungen kritisiert wird…

    Eine Frage zum Display, ist das bei euch im Dunkeln gleichmäsig ausgeleuchtet? Viele schreiben nämlich das man deutlich sieht wo am Rand die LED`s sind…
    Und noch eine Frage zum Display, wirft das nicht Wellen wenn man von hinten oder von der Seite drückt?

  • Refilix

    Das mit der Verarbeitung haben damals auch viele beim Tranformer 1 gesagt. Und mitlerweile weis ich das es offenbar Montagsproduktionen gibt. Bei dem einen schliesst das Display mit dem Rahmen nicht ab, bei dem anderen wackelt ein Knaopf etc. Ich glaube es ist gut glück ob man ein Gerät bekommt was in Ordnung ist.

  • http://www.androidnext.de/news/toshiba-at300-tegra-3-europa/ Toshiba AT300: Tegra 3-Tablet kommt nach Europa

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