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Samsung Galaxy S3 mini im Test: Mini-Flaggschiff oder Mogelpackung?


20.12.2012, 13:40 Uhr

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Das Samsung Galaxy S3 mini ist da. Augenscheinlicher Vorteil des Geräts: Aufgrund des schmaleren Formfaktors ist das Smartphone mit 4-Zoll-Display auch für kleinere Hände geeignet. Was das Mini-S3 mit dem Codenamen GT-I8190 aber wirklich auf dem Kasten hat und wo es seinem großen Namen nicht gerecht wird, klärt unser Testbericht.

Rechtzeitig zur umsatzstarken Weihnachtssaison hat Samsung noch einmal ein Smartphone in den Handel gebracht, das ein potenzieller Umsatzknüller werden könnte: Das Samsung Galaxy S3 mini wird als verkleinerte Variante des diesjährigen Flaggschiffs Samsung Galaxy S3 (Test) vermarktet — und zwar mit Vehemenz. Ob Radio, Fernsehen oder Internet, derzeit kommt man kaum am dem Mini-S3 vorbei. In unserem Testbericht wollen wir beleuchten, ob dem S3 mini die Schuhe nicht zu groß sind, die ihm seine koreanischen Erschaffer qua Namensgebung und Werbebotschaft haben angedeihen lassen.

Unser Dank für die Teststellung gebührt den Mädels und Jungens von getgoods. Kiitos!

Optik, Haptik und Verarbeitung

Die nahe Verwandtschaft zum S3 sieht man dem S3 mini natürlich deutlich an: In der Grundform ist das Gehäuse, wie das des Vorbilds, markant abgerundet, unten allerdings mit einer stärkeren Kurve als oben. In Bezug auf die Maße könnte man das S3 mini als „kleinen, dicken Bruder“ des S3 bezeichnen, mit Maßen von 12,2 x 6,3 x 1 cm ist es nämlich nicht nur schmaler und kürzer, sondern auch um etwa 1 mm tiefer. Mit 112 Gramm ist das S3 mini dann auch 21 Gramm leichter als das S3.

Das Display des S3 mini ist in Relation zum gesamten Gehäuse nicht so stark an den oberen Rand gedrängt wie beim Samsung Galaxy S3, sieht also etwas symmetrischer aus. Optisch durchaus ansehnlich ist das Frontglas aus Gorilla Glass 2. Genau wie beim Samsung Galaxy S3 wölbt es sich konvex an allen Geräteseiten leicht nach unten, was sich in der Bedienung des Touchscreens angenehm anfühlt. Die Unterbrechungen für den horizontalen Hörergrill oben und den Home-Button bewirken je nach Lichteinfall einen leichten dreidimensionalen Effekt — schick. Abgesehen von Frontkamera, Helligkeits-, Näherungssensor und Firmenschriftzug ist an der Front nichts weiter zu sehen. Gerade im Gehäuse der weißen Farbversion fallen die dunklen Sensoröffnungen natürlich auf.

Der Samsung-typische „echte“ Home-Button ist, wie schon beim Galaxy S3, wieder nicht vertikal mittig platziert, sondern etwas oberhalb des Mittelpunkts. Er entspricht erneut keiner geometrischen Grundform, sondern ist am ehesten als horizontal und vertikal asymmetrisch-abgerundetes Trapez zu beschreiben. Wie auch schon beim S3 drängt sich der Gedanke auf, dass Samsung beim Galaxy S3 mini panisch versucht hat, jede Ähnlichkeit zu gewissen Geschmacksmustern gewisser Produkte von gewissen Herstellern zu vermeiden.

Neben dem Home-Button befindet sich links die kapazitive Menütaste, rechts der Zurück-Button — diesmal auf gleicher Höhe. Mit dieser Tastenkonfiguration hält sich Samsung wieder einmal nicht an die Designempfehlungen von Google, die den Menü-Button seit Android 4.0 eigentlich abschaffen wollen. Sei es drum — in vielen Apps ist dieser nach wie vor praktisch und wird wohl häufiger verwendet werden als die Multitasking-Funktion, die sich auf dem S3 mini wie eh und je durch einen Langdruck auf „Home“ aufrufen lässt. Die kapazitiven Buttons sind etwas ungleichmäßig beleuchtet und schimmern, zumindest in der von uns getesteten weißen Version, ein wenig durch den Displayrahmen. Wen das ästhetisch anficht, sollte auf das S3 mini verzichten; wir fanden das aber nicht weiter schlimm.

Seitlich besitzt das S3 mini einen geschwungenen Rahmen aus silbernem Kunststoff. Darin sind auf der rechten Seite der Powerbutton eingebettet, links die Lautstärkewippen. Tasten beherrscht Samsung: Sowohl die Lautstärkewippe als auch der Power-Button besitzen einen angenehmen Druckpunkt und sind sowohl für Rechts-als auch Linkshänder perfekt positioniert.

Auf der Rückseite des Smartphones herrscht Glossy-Plastik-Tristesse. Über Samsungs Designphilosophie für die Galaxy-Geräte 2012, in die sich das Galaxy S3 mini nahtlos einfügt, haben wir uns zwar bereits erschöpfend echauffiert, hier aber noch einmal die Eckpunkte, die in der Form samt und sonders auch auf das S3 mini zutreffen: Ein Gehäuse aus Polycarbonat (lies: Plastik) mag die Geräte leichter machen und nicht so kalt wie Aluminium werden lassen, in der von Samsung dargereichten Form weiß das SGS3 mini aber wirklich nicht zu begeistern: Fingerfett zeigt auf der Rückseite ständig seine hässliche Fratze, im Sommer dürfte das S3 mini beim Telefonieren aufgrund von Handschweiß gerne aus der Hand rutschen, im Winter genauso, sofern man Stoffhandschuhe trägt.

Eine Frage sei gestattet: Warum, Samsung, warum integriert ihr keine geriffelte Oberfläche wie beim Galaxy S2 oder Galaxy Nexus? Warum keine Quasi-Gummierung wie beim Nexus 10 oder eine anderweitig angerauhte Oberfläche? Es gibt genug Alternativen zu glossy Plastik, nahezu jeder Hersteller hat das in diesem Jahr begriffen. Da es sich beim S3 mini jedoch um kein Oberklassegerät handelt, ist dieses Defizit im Saldo nicht ganz so eklatant. Im Alltag ist das Handling des S3 mini aufgrund der geringeren Größe sogar etwas besser als das des S3 — dank der kleineren Bauform erreicht man relativ verrenkungsarm auch einhändig jede Ecke des Displays. Trotzdem traurig, dass sich die derzeitigen Android-Flaggschiffe von Samsung in der Hand schlechter anfühlen als 100 Euro-Geräte aus China.

Neben der oben mittig platzierten Kamera, dem Speakergrill links daneben und der Foto-LED darunter hat Samsung es sich nicht nehmen lassen, noch einmal den eigenen Firmennamen auf die Rückseite aufzudrucken. Rückwärtig oben ist der 3,5 mm-Klinkenausgang eingelassen, auf der unteren Seite der obligatorische micro-USB Anschluss zum Laden und Verbinden des Geräts sowie das Mikrofon. Es fehlt nicht nur ein austattungsmäßiges Luxusgut wie ein dedizierter Kamerabutton, sondern auch die mittlerweile bei vielen anderen Geräten in der Mittelklasse angekommene Benachrichtigungs-LED — schade.

Im Saldo ist das S3 mini optisch und haptisch mittelmäßig. Das Polycarbonat mag gute Eigenschaften besitzen, was die Rigidität, Sendeleistung und das Gerätegewicht angeht, das ändert aber nichts an den negativen „weichen“ Eigenschaften. Man nimmt das S3 mini als weniger wertig wahr, verglichen zu anderen Geräten auch in dieser Preisklasse. Beispielhaft seien hier das geringfügig teurere RAZR i von Motorola sowie das HTC One S genannt, die uns in dieser Hinsicht beide deutlich stärker überzeugen konnten.

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Das Display im Samsung Galaxy S3 mini

Der Bildschirm eines Smartphones ist dessen wohl wichtigste Komponente. Am Display entscheidet sich die „Außenwirkung“ eines Gerätes. Im Galaxy S3 mini ist ein Super AMOLED-Display ohne etwaige Namens-Suffixe verbaut. Auf einer Diagonale von 4 Zoll besitzt das Display eine Auflösung von 800 x 480 Pixel. Das entspricht einer Pixeldichte von 233 ppi. Außerdem ist eine PenTile-Matrix verbaut, die aufgrund der ungleichmäßig verteilten Subpixel für einen subtilen Franseneffekt sorgt. Effektiv ist das Bild somit nicht ultrascharf, aber in den meisten Situationen dennoch gut ablesbar.

Am ehesten merkt man die geringere Displaydichte und PenTile-Matrix bei Bildern mit schrägen Kanten, etwa in Spielen, wo ein deutlicher Treppcheneffekt sichtbar ist, auf Webseiten mit kleinem Text, und bei hellen Buchstaben auf dunklem Untergrund. Im Test hatten wir beispielsweise im Twitter-Client Falcon Pro gelegentlich Schwierigkeiten, den recht klein angezeigten Nutzernamen — hellblau auf dunkelgrau — in einem Tweet zu entziffern, auch die Datumsanzeige bei heruntergezogener Benachrichtigungsleiste wirkt leicht ausgefranst. Auch wenn hier wohl eher der Entwickler gefragt ist, die Usability seiner App zu verbessern, muss man doch festhalten, dass das Display im S3 mini dem gegenwärtigen Trend zu Displays mit hohen Pixeldichten über 300 ppi nicht standhält.

Wie generell bei Displays mit AMOLED-Technik sind auch auf dem S3 mini sehr satte Farben und das tiefstmögtliche Schwarz zu sehen. Wer dieses „tiefe“ Farbbild gegenüber realistischeren, blassen Farbtönen von LC-basierten Bildschirmen bevorzugt, wird zufrieden sein mit dem S3 mini. Die Ablesbarkeit auch aus spitzen seitlichen Blickwinkeln ist sehr gut, wiewohl dann ein deutlicher Blaustich sichtbar wird. Die Schwächen des AMOLED-Displays liegen, wie gewohnt, bei der Weißdarstellung — diese erinnert eher an ein helles Grau, insbesondere, wenn man das S3 mini direkt mit einem guten LC-Display wie dem des Nexus 4 oder HTC One X vergleicht.

Die maximale Helligkeit des S3 mini-Displays ist zwar nicht sehr hoch, dennoch ist die Ablesbarkeit im Freien noch gut, denn Samsung hat das Gorilla Glass 2-Displayglas gut entspiegelt. Außerdem sorgt die per Benachrichtigungsleiste justierbare Bildschirmhelligkeit für mehr Komfort. Kurios: Eine automatische Helligkeitsanpassung gibt es nicht — da dieser Mechanismus aber ohnehin bei keinem uns bekannten Gerät befriedigende Ergebnisse liefert, wurde er im Test auch nicht vermisst.

In Großen und Ganzen ist das Display Samsung-Standardkost mit etwas überzogenem Haltbarkeitsdatum: Exakt diese Technologie, Bildschirmauflösung und Pixeldichte haben wir schon beim Samsung Galaxy S1 und einigen anderen Geräten gesehen. Das Display mag insbesondere bei bewegten Inhalten wie Videos und Games noch etwas hermachen, in der Textdarstellung reicht es aber bei Weitem nicht mehr an die Leistung von Smartphones der Spitzenklasse heran. Neben dem großen Bruder Galaxy S3 wirkt das Display dann auch deutlich schlechter: unschärfer, weniger farbintensiv. Und man muss es — auch wenn es formfaktorbedingt kein Wertungskriterium darstellt — deutlich aussprechen: Aufgrund der geringeren Größe wirkt es auch deutlich weniger eindrucksvoll.

Die Kamera des S3 Mini

Samsung stattet sein Mini-S3 mit einer 5 MP-Kamera aus, ein LED-Blitz ist auch vorhanden. Die Bildauflösung sagt in der Regel herzlich wenig aus, auf die Fotoqualität kommt es an. Und auch hier brilliert das S3 mini nicht. Insgesamt wirken die mit dem S3 geschossenen Fotos detailarm, in dunklen Flächen verrauscht und von diffusen Farbverzerrungen gezeichnet. Vor allem sind Bilder in sich farblich uneinheitlich. Fotografiert man eine weiße Wand bei Tageslicht, ist das Bild zu den Rändern hin deutlich dunkler, gelegentlich ist auch der vom Samsung Galaxy S2 bekannte „Pink Spot“ zu sehen.

Die automatische Anpassung der Fotoszenerie ist recht aggressiv, wirkt dabei aber erratisch — es ist zumeist empfehlenswert, händisch den so genannten Szenenmodus und Weißabgleich einzustellen. Ähnlich wie beim Nexus 10 „verschluckt“ sich der Autofokus manchmal und stellt ein scharfes Bild wieder unscharf, wodurch die ohnehin eher gemächliche Auslöseverzögerung weiter verlangsamt wird. Immerhin besitzt das Samsung Galaxy S3 mini wie das große Galaxy S3 einen Serienbild-Modus, bei dem man innerhalb weniger Sekunden bis zu 20 Fotos auf einmal aufnimmt und (optional) das oder die besten der Bilder per „Best Shot“-Funktion zum Speichern auswählen kann.

Hier einige Beispielfotos:

Auch eine Frontkamera hat Samsung verbaut. Da diese jedoch nur in VGA (640 x 480 Pixel bzw. 0,3 MP) auflöst, sind die Ergebnisse kaum der Rede wert — selbst für die geringen Anforderungen von Videotelefonie ist das Bild sehr grob und „matschig“.

Es fehlt ein Kamerabutton, jedoch ist in den Lockscreen-Einstellungen eine Option versteckt, dank der man die Kamera-App durch Gedrückthalten des Standard-Lockscreens und gleichzeitigem Drehen des Geräts in den Landscape-Modus starten kann.

Videos werden in maximal 720p und mit Mono-Sound aufgenommen. Die Farb- und Szenenkorrektur ist bei der Aufnahme nicht ganz so aggressiv wie beim Fotografieren. Angenehm ist, dass auch während des Filmens mit zusätzlichen Tasten Fotos aufgenommen werden sowie Aufnahmen pausiert werden können. Die Tonqualität ist in Innenräumen annehmbar. Eine Bildstabilisierung fehlt allerdings, sodass die Aufnahmen sehr ruckelig werden. Es empfiehlt sich unbedingt, das Smartphone mit beiden Händen zu halten.


Die Foto-App ist funktional und bietet, wie von Samsung gewohnt, eine Möglichkeit, Schnellzugriffe zu bearbeiten, um die wichtigsten Funktionen zügig auf dem Screen bereitzustellen. Eine Funktion zur Aufnahme von HDR-Modus ist nicht vorhanden, mit einer entsprechenden Option können immerhin Panorama-Fotos aus mehreren Einzelfotos aufgenommen und zusammengefügt werden.

Im Freien und bei guten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse der Kamera des Galaxy S3 mini brauchbar. Für Makro-, Nacht- oder Porträtaufnahmen ist das S3 mini hingegen deutlich weniger geeignet. Auch hier kann das Gerät also bei weitem nicht mit seinem hervorragenden großen Bruder mithalten, sondern bewegt sich eher auf dem Niveau des ersten Samsung Galaxy S oder jüngerer Mittelklassemodelle wie dem Galaxy Ace 2.

Die Software des Galaxy S3 Mini

Samsung stattet das Galaxy S3 mini vom Start weg mit Android 4.1.2 „Jelly Bean“ aus. Angesichts der überwiegend kosmetischen Änderungen, die Google mit Android 4.2 auf den Markt brachte und der Tatsache, dass viele davon wohl sowieso der TouchWiz UX zum Opfer fallen würden, ist es verschmerzbar, nicht die nominell aktuellste Android-Version auf dem Gerät zu haben.

Samsung hat zahlreiche Anpassungen an der Jelly Bean-Basis vorgenommen. Im Großen und Ganzen orientieren sich diese an der Version, die aktuell auf dem S3 läuft, allerdings mit einigen Vakanzen:

Was fehlt, ist der Sprachassistent S Voice. Aus unserer Sicht ist das kein Verlust, denn erstens funktioniert dieser auf dem Galaxy S3 nicht sonderlich zuverlässig, zweitens ist mit Google Now seit Jelly Bean ein wesentlich fähigerer Suchassistent an Bord und nativ in Android integriert. Auch auf das vom Note 2 bekannte und auf dem S3 mit Android 4.1.2 nachgerüstete Splitscreen-Feature ist nicht an Bord; was angesichts des kleinen Bildschirms aber auch nicht sinnvoll gewesen wäre. Auch die S Note-App fehlt.

Ansonsten bespielt Samsung das S3 mini neben den Google-Standard-Apps wie Mail, Maps und Google+ auch mit Eigenentwicklungen, etwa dem Kalender S Planner oder dem MP3-Player. In der Regel wären hier die Google-Pendants vorzuziehen gewesen, denn Samsung schafft es nach wie vor nicht, seine Apps an die Holo-Designrichtlinien anzupassen. Immerhin gibt es dank der Offenheit von Android genügend App-Alternativen für jeden Einsatzbereich im Play Store.

Leider ist auch wieder „Bloatware“ wie die überwiegend unnützen Hubs sowie der technisch veraltete App-Empfehlungsdienst S Suggest an Bord. Immerhin verschont uns Samsung mit den anderswo gesehenen Apps zum Buchen von Hotels, Taxis oder Bestellen von Fast Food. In den „Samsung Apps“ findet man der Erfahrung nach mitunter manche App-Perle kostenlos, die anderswo Geld gekostet hätte. Besser als das Google-Pendant weiß die Uhren-App zu gefallen: So besitzt der Wecker einen intelligenten Alarm, der schon kurz vor der eigentlichen Weckszeit mit einer ruhigen Melodie anfängt zu wecken.

App-Drawer und Lockscreen sind vom Galaxy S3 bekannt. Diese sind nach wie vor elegant und recht gut an die eigenen Vorstellungen anpassbar, wiewohl man auch mit einem Alternativ-Launcher wie Nova oder Apex noch mehr auf dem Homescreen anstellen kann — so sind beispielsweise auch scrollende Hintergrundbilder möglich.

Beim Browsen im Netz setzt Samsung auf einen modifizierten Stock-Browser. Dieser ist sehr performant, Zoomen und Scrollen geht damit endlich extrem flüssig. Allerdings erbt die profan „Internet“ genannte App auch wieder die unnötigen separaten Helligkeitseinstellungen seines großen Bruders. Immerhin hat Samsung die Tab-Verwaltung überarbeitet — diese läuft jetzt angenehm flüssig. Als mögliche Alternative steht natürlich im Play Store auch der Chrome-Browser bereit, der sich im Test allerdings als ebenso benutzbar, aber einen Tick weniger performant erwies.

Das Farbbild der UI auf dem Galaxy S3 mini ist insgesamt weiterhin dominiert von Schwarz- und Blautönen, die Icons sind wie gehabt knallbunt – kann man machen, es wäre aber auch mal wieder Zeit für ein designtechnisches Update der Galaxy-UI.

Nach wie vor gut gefallen uns die Quick-Settings-Schalter in der Benachrichtigungsleiste. Ja, sie nehmen viel Platz von den — seit Jelly Bean sogar erweiterbaren — Benachrichtigungen, aber die Samsung-Methode wirkt dennoch durchdachter als die von Google vorgestellte: Kurzer Druck auf einen Schalter (Toggle), um ein bestimmtes Feature zu aktivieren oder deaktivieren, langer Druck um in das entsprechende Optionsmenü zu kommen. Die von Samsung zum Launch des S3 großspurig angekündigten Gesten und Sensor-Steuerungsoptionen wie Direct Call (in einer SMS das Smartphone an das Ohr halten ruft den Kontakt sofort an) bringen überwiegend keinen Mehrwert, man kann sie aber nach eigenem Gusto einzeln an- und abschalten.

Software-seitig präsentiert sich das S3 mini auf einem guten Stand, wiewohl man mit Drittanbieter-Apps und einem alternativen Launcher deutlich mehr aus dem Gerät herausholen kann.

Performance

Im Inneren des Samsung Galaxy S3 mini tickt keine CPU von Samsung, sondern ein preiswerter Chip von ST-Ericsson: Der NovaThor U8420 ist auf 1 GHz getaktet, besitzt zwei ARMv9-Kerne und eine Mali 400 MP-GPU. Anderswo wurde dieser SoC unseres Wissens noch nicht verwendet, laut einer Presseerklärung von ST-Ericsson ist auf dem SoC direkt auch ein Modem-Chip verbaut. Unterstützt wird die CPU von 1 GB RAM. Auf dem Homescreen zeigt sich das S3 mini dann auch ausreichend flüssig, sicher nicht zuletzt dank Android 4.1 und der gut optimierten Samsung-Software. Ruckler gibt es nur äußerst selten, allerdings bemerkt man als Umsteiger vom großen S3 häufig kleine Verzögerungen beim Starten von Apps.

Im Benchmark-Parcours ist das S3 mini etwa auf dem Niveau der Tegra 2-und Snapdragon S3-SoCs von 2011 einzuordnen. Bei weitem also nicht das Beste vom Besten — was die reine Rechenleistung angeht, ist das S3 mini höchstens als untere Mittelklasse zu bezeichnen.

samsung galaxy s3 mini benchmarks

  • AnTuTu 3.0.3: 6712
  • CF-Bench 1.2: Overall 4645 (Native 7923, Java 2460)
  • GLBenchmark 2.5.1 (Offscreen):
    2.5 Egypt HD 688 Frames / 6 FPS
    2.1 Egypt Classic 1739 Frames / 15 FPS

In Spielen ist das S3 mini aber doch recht performant: 3D-Games wie Dead Trigger, Need For Speed: Most Wanted und Granny Smith liefen stets spielbar, abgesehen von ganz leichten Nachladerucklern in Dead Trigger. Einzig GTA 3 war nur mit massiv heruntergestellten Einstellungen spielbar, GTA Vice City ließ sich gar nicht installieren. In diversen 2D-Games machte das Gerät keine Probleme.

Auch wenn es im Alltag durchaus benutzbar ist, bleibt festzuhalten, dass das Samsung Galaxy S3 mini nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist, was die Leistung angeht. Angesichts des großen Namens ist das eine Enttäuschung — selbst das vermeintlich veraltete Galaxy S2 ist potenter.

Konnektivität und Speicher

Auch hier bietet das Samsung Galaxy S3 mini Standardkost der unteren Mittelklasse. Von 8 GB internem Speicher sind rund 4,5 GB nutzbar, Daten können aber auch auf eine externe micro SD-Speicherkarte ausgelagert werden. In unserem Test funktionierte das allerdings nicht mit der 64 GB SDXC-Karte von SanDisk, bei 32 GB ist also Schluss.

WLAN bis zum n-Standard und HSDPA bis 14,4 MBit/s sind nichts zum Angeben, immerhin ist Bluetooth 4.0 an Bord. In unserem Exemplar befand sich kein NFC-Chip, weswegen die sinnvollen Funktionen Android Beam und S Beam wegfallen, mit denen man beim regulären Galaxy S3 schnell Daten von Gerät zu Gerät versenden konnte. Aus unserer Sicht sehr schade.

Das GPS hat uns gute Dienste in zahlreichen Ingress-Sessions geleistet, es findet schnell einen Fix, dank zusätzlicher GLONASS-Unterstützung stehen noch mehr potenzielle Satelliten zur Geräteortung zur Verfügung. Weniger gut, sondern eher lästig waren die gelegentlichen Verbindungsabbrüche im 3G-Netz, die erst durch einen Geräteneustart behoben werden konnten. Auch das WLAN scheint sich regelmäßig neu verbinden zu müssen — zumindest wird eine entsprechende Meldung, dass sich mit dem WLAN neu verbunden wurde, häufig angezeigt, wenn man das Gerät aus dem Standby aufweckt. Hier wird Samsung hoffentlich treiberseitig nachrüsten.

Erwähnenswert ist noch, dass das S3 mini zwar die meisten gängigen Sensoren (Lagesensor, Kompass und so weiter) besitzt, jedoch kein Gyroskop. Aufgrund dessen sind AR-Anwendungen wie der Kompassmodus in Google Street View sehr ruckelig und wenig genau.

Ein Hinweis für Umrüster: Das Galaxy S3 mini erfordert eine reguläre SIM-Karte im alten Format. Wer vorher ein Gerät mit Micro-SIM besaß, muss sich also eine neue, größere Karte besorgen.

Telefonie

Im Testzeitraum kam es selten (zweimal in 2 Wochen) zu abgebrochenen Anrufen, ob es sich hierbei allerdings um einen Fehler im S3 mini handelte oder lediglich um suboptimale Empfangsbedingungen, ist schwer zu ermitteln. Da es nur ein Mikrofon besitzt, sind die Möglichkeiten zur Rauschunterdrückung bei dem Teilnehmer, der das S3 mini verwendet, begrenzt. Dennoch klang das S3 mini im Test verhältnismäßig gut, auch beim Gesprächsteilnehmer am anderen Ende kam die Stimme des S3 mini-Benutzers klar an. Die Freisprechfunktion gab in einem Test keinen Anlass zum Tadel.

Multimedia

Die wichtigen verbreiteten Video- und Audio-Formate und Dateicontainer spielt das Galaxy S3 mini über die Galerie-App ab. Ausnahmen waren DivX-Videos, weniger verbreitete Codecs wie Ogg (Video und Audio) sowie der High End-Audio-Codec DTS — für diese benötigt man wohl eine der zahlreichen Player-Apps von Drittanbietern, die im Play Store zur Verfügung stehen.

Der Mono-Speaker des S3 mini bietet einen überraschend klaren Klang. Dieser mag zwar nicht besonders basslastig sein, erzeugt aber auch in hohen Lautstärken kein nerviges Klirren. Samsung hat auch einen Software-Equalizer integriert, mit dem man den Klang in der Musik-App an eigene Präferenzen anpassen kann.

Da das Display, wie oben erwähnt, nur in 800 x 480 auflöst, wird 720p-Videomaterial herunterskaliert und wirkt entsprechend unscharf. Wer also passioniert Filme, Serien und andere Videos auf seinem Gerät schaut, sollte deswegen eher zu einem Smartphone mit größerem und vor allem 720p-tauglichem Display greifen, für gelegentliche YouTube-Clips reicht die Auflösung aber. In Sachen Musik macht das S3 mini schon eine bessere Figur, denn der Klang ist, ob mit oder ohne Kopfhörer, gut. Dank der einfachen Erweiterungsmöglichkeit per SD-Karte (oder Nutzung von Google Play Music per Cloud-Streaming) sowie dank des handlichen Formats erhält man einen guten Ersatz für seinen iPod.

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Alltagstauglichkeit

Das S3 mini richtet sich unzweifelhaft an Kunden, denen ein kompaktes Gerät wichtiger ist als technische Daten. Dass das S3 mini sich stets einhändig bedienen lässt und dann auch problemlos in jede Hosentasche gleitet ist ein Pluspunkt. Im Alltag wird das recht aktuelle Betriebssystem ausreichend flink von der leider nur durchschnittlichen Hardware beschleunigt – andersherum wäre es es allerdings und zugegeben schlimmer. Zumindest im Berliner Winter war das Display auch bei diesig-grauem Tageslicht meist gut ablesbar, in der prallen Sommersonne dürfte der Bildschirm dann aber gelegentlich trotzdem Probleme haben.

Der 1.500 mAh-Akku reichte im Test knapp für den Ganztagsbetrieb. Unser Nutzungsszenario war durchschnittlich bis überdurchschnittlich: Aktiviert waren Hintergrundsynchronisierung für Google+ und die üblichen Google Diensten, Maps mit Latitude, Twitter (Falcon Pro), Facebook und Auto-Upload von Fotos und Videos per Dropbox, zwei Stunden bei 3G, sonst WLAN. Ab 7:00 Uhr entlud der Akku, am Abend gegen 22:00 Uhr meldete das Gerät, dass er Akku bei 15 Prozent sei. Wer mehr unterwegs ist, viel spielt und/oder häufig fotografiert und Videos aufnimmt, sollte für Lademöglichkeiten zwischendurch sorgen. Damit ist die Akku-Lebensdauer unterdurchschnittlich, auch im Vergleich zu anderen Geräten der Mittelklasse.

Unser Fazit zum Samsung Galaxy S3 mini

Unsere Vorannahmen zum Samsung Galaxy S3 mini haben sich zum großen Teil bestätigt. Auch wenn es hart klingt, handelt es sich bei diesem Gerät um einen Etikettenschwindel. Denn das S3 mini ist, anders als es der Name und auch die Werbebotschaften suggerieren, eben kein verkleinertes Samsung Galaxy S3. Sicher, das Design und die Verarbeitung referenzieren das Smartphone-Flaggschiff der Koreaner aus diesem Jahr deutlich. Doch waren Haptik und Optik schon die einzigen nennenswerten Kritikpunkte am Vorbild.

Im Inneren steckt im Galaxy S3 mini hingegen Altbackenes: Abgesehen vom leicht vergrößerten Arbeitsspeicher ist das die identische Technik wie im Galaxy S Advance; der Codename I8190 zeigt das S3 mini sogar in direkter Nachfolge zum Galaxy Ace 2. Das ist kein S3 im Mini-Format, sondern eines von vielen Samsung-Mittelklasslern, mit ein bisschen Rouge und Makeup versehen – und damit eine schwer zu verwindende Enttäuschung. Sicher, das Samsung Galaxy S3 mini wird sich allein aufgrund seines Namens und der gigantischen Werbekampagne gut verkaufen, aber auf lange Sicht schadet sich Samsung, indem es den Premium-Anspruch der Galaxy S-Marke mit einem halbgaren Mittelklassegerät verwässert.

Für sich genommen ist das Galaxy S3 mini ein passables Allerwelts-Smartphone, dessen herausragende Eigenschaft wohl die fast aktuelle Android-Version und die gute Software-Performance sind. Aber auch unter der Prämisse, ein Mittelklassegerät vor sich zu haben, ist das Galaxy S3 mini lediglich als — Obacht — mittelmäßig zu bezeichnen. Nur folgerichtig, dass der Gerätepreis innerhalb eines Monats von 400 Euro UVP auf nunmehr 280 Euro Straßenpreis gesunken ist — denn das S3 mini muss sich mit der auch in diesem Preissegment starken Konkurrenz messen. Da ist zuvorderst natürlich das derzeit leider kaum verfügbare Nexus 4 für 300 Euro (8 GB) bis 350 Euro (16 GB) zu nennen, das abgesehen vom micro SD-Slot und dem Wechselakku in jedem Bereich überlegen ist, und zwar deutlich. Aber auch das ebenfalls in den meisten Belangen bessere Gesamtpaket Sony Xperia P (ca. 250 Euro) ist ein Gerät mit einem deutlich besseren Preis-Leistungsverhältnis.

Was bleibt, ist unser nach wie vor unerfüllter Wunsch nach einem Smartphone mit technischen Leistungsdaten auf High End-Niveau, das über einen kompakten Formfaktor verfügt. Das S3 mini kann dieses Versprechen nicht einlösen — bei Weitem nicht.

Unsere Wertung zum Samsung Galaxy S3 mini

  • Display: 3/5
  • Verarbeitung und Haptik: 3/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie: 3/5
  • Kamera: 2/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Alltagstauglichkeit: 3/5

Gesamt: 3/5

Pro

  • Kompakt
  • Aktuelle Android-Version
  • Guter Sound

Contra

  • Hat wenig zu tun mit dem Samsung Galaxy S3
  • Unterdurchschnittliche Kamera
  • Schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis

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Galerie zum Samsung Galaxy S3 mini

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