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rikomagic MK802 IV S im Test: Schneller HDMI-Stick mit Android und Macken


27.06.2013, 18:07 Uhr

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC  (10 von 10)

Immer häufiger läuft Android auch auf Geräten abseits der klassischen Geräteklassen Tablet und Smartphone. In den vergangenen Monaten tauchten beispielsweise immer häufiger Sticks und Dongles auf, die man an HDMI-fähige Endgeräte anschließen kann, egal ob TV-Gerät, Monitor oder gar einen Beamer. Mit dem rikomagic MK802 IV S haben wir uns einen dieser Sticks genauer angesehen.

Seit einigen Jahren sorgen günstige Minicomputer wie der Rasberry Pi für Aufsehen, die zumeist für spezielle Aufgaben wie als Media Center, Steuerungszentrale für Haustechnik oder Server eingesetzt werden. Da Android-Systeme von Haus aus auf Miniaturisierung und geringen Stromverbrauch ausgelegt sind, liegt es natürlich nahe, diese auch in Form von Sticks ohne eigenen Bildschirm auf den Markt zu bringen. Das hat sich auch rikomagic gedacht und präsentiert mit dem MK802 IV S sein neuestes Modell einer ganzen Reihe auf Android basierender Mini-PCs.

Die beiden Testsamples wurden uns freundlicherweise von der Firma Satkontor zur Verfügung gestellt, die den rikomagic MK802 IV S exklusiv in Deutschland vertreibt.

Wer rikomagic in die Suchmaschine seiner Wahl eingibt, wird zusätzlich auf technisch sehr ähnliche, wenn auch nicht identische Alternativen stoßen, die ebenfalls den Namen rikomagic tragen, zumeist aber direkt aus China bezogen werden müssen. Die Firma Satkontor hat sich im Verlaufe des Tests stets ansprechbar und hilfsbereit gezeigt. Außerdem gibt es ein deutschsprachiges Forum, wo versucht wird, bei Problemen zu helfen.

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC  (4 von 10)

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Anwendungsbeispiele für einen Android-Mini-PC

Die größten Vorteile eines Sticks gegenüber einem normalen Computers liegen natürlich in den geringen Abmessungen, die den Nutzer dazu einladen, das Gerät etwa als Ersatz für den Familien-PC mit in den Urlaub zu nehmen oder damit bei Freunden einen Film vorzuführen. Dank der HDMI-Schnittstelle sollte der Mini-PC mit jedem halbwegs aktuellen Fernseher und Monitor zusammenarbeiten und profitiert dabei von der großen Bildfläche. Im heimischen Netzwerk kann der Stick auch prima als Streaming-Client eingesetzt werden. Und durch die Möglichkeit, externe Tastaturen und Mäuse anzuschließen, öffnet sich sogar ein Fenster in Richtung Produktiveinsatz.

Lieferumfang, Anschlüsse und technische Eigenschaften

Die Verpackung des rikomagic MK802 IV S ist etwas fummelig, dafür aber nett gestaltet und zeigt Liebe zum Detail. Darin befindet sich der eigentliche Stick, ein USB-Netzteil (2A/5V) mit Anschlusskabel, ein USB-OTG-Adapter sowie ein HDMI-Verlängerungskabel. Damit hat man alles an der Hand, was man für den Betrieb des Mini-PC braucht. Eines der beiden Netzteile ist übrigens im Testbetrieb durchgebrannt und hat einen Kurzschluss verursacht, der eine Sicherung rausgehauen hat.

Beim Stick handelt es sich um einen kleinen, anthrazitfarbenen Kasten mit matter Oberfläche und einigen Lüftungsöffnungen, der einen soliden Eindruck macht. Die Maße betragen 88 x 32 x 16 mm, das Gewicht liegt unter 50 g. Vorhandene Anschlüsse sind jeweils einmal Mini USB für Strom, Mini HDMI, Standard-USB (Host), Mini USB (OTG) sowie ein Slot für microSD-Karten mit Kapazitäten bis zu 32 GB. Zudem gibt es eine blaue LED sowie einen versenkten Knopf für Systemupdates.

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC  (5 von 10)

Im Inneren arbeitet ein Quadcore-Rockchip-SoC, der laut CPU-Z und AnTuTu mit maximal 1,6 GHz taktet und von zukunftssicheren 2 GB RAM unterstützt wird. Für die Grafikberechnungen ist eine Mali 400-GPU zuständig. Im Gegensatz zu den China-Varianten, die maximal 8 GB Flashspeicher aufweisen, sind es beim MK802 IV S 16 GB. Gefunkt wird über WLAN nach 802.11b/g/n und Bluetooth 4.0. Bei Smartphones vorhandene Features wie ein Mobilfunkmodul, Sensoren jeglicher Art, eigene Lautsprecher, Akku, GPS etc. machen bei einem stationär betriebenen Android-Stick natürlich wenig Sinn und fehlen daher. Zu erwähnen ist noch, dass der Stick DLNA für einfaches Streaming im Netzwerk beherrscht und die USB-Ports durch aktive (!) Hubs problemlos vermehrt werden können.

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC  (8 von 10)

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Bilddarstellung

Nativ unterstützt der Stick nur die 720p-Auflösung, die ggf. auf 1080p hochskaliert wird. So zeigt sich um das eigentliche Bild herum je nach Fernseher und Einstellung – wenn überhaupt – nur ein schmaler schwarzer Rahmen. Die Bildschärfe geht in Ordnung und reicht für den üblichen Betrachtungsabstand eines TVs locker aus. Wir hatten mit der Darstellung auf drei verschiedenen Fernsehern keinerlei Probleme, dem Forum von rikomagic ist allerdings zu entnehmen, dass verschiedene Nutzer mit starkem Flackern kämpfen. Der Anbieter bemüht sich zurzeit um eine Lösung per Firmware-Update.

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC Sceenshot 3

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC Sceenshot 4

Android, Updates und Apps

Der Mini-PC wird mit der der zum Testzeitpunkt aktuellsten Android-Version 4.2.2 ausgeliefert. Am 24.06.2013 gab es auch schon das erste Update, das man sich über die rikomagic-Seite herunterladen und problemlos installieren kann. Im Laufe des Tests haben wir einen Haufen von Apps über den vorinstallierten Play Store installiert, die auch auf unseren Smartphones und Tablets zur Grundausstattung gehören. Es ist wirklich erfreulich, dass es bis auf wenige Ausnahmen kaum Apps zu geben scheint, die auf dem MK802 IV S nicht laufen. Ausgenommen von dieser Betrachtung sind natürlich alle Apps, die auf nicht vorhandene Hardwarefeatures wie NFC angewiesen sind.

Performance

Das Rockchip-SoC mit vier Kernen basiert zwar noch auf der ARM9-Archiketur, macht aber einen guten Job. Die Bedienung des Systems gelingt flüssig, Apps starten rasant, selbst bei sehr vielen parallel geöffneten Browersertabs geht dem Speicher nicht die Luft aus. Im AnTuTu Benchmark erreicht der rikomagic MK802 IV S mit rund 15.000 Punkten ein ordentliches Ergebnis (Nexus 4: 20.000 Punkte). Sehr anspruchsvolle Titel wie Asphalt 7 oder Nova 3 ruckeln zwar, werden dabei aber nicht unspielbar, und mit Games wie Max Payne und GTA III kommt richtig Spielspaß auf.

Konnektivität und WLAN-Probleme

Wir haben unsere Testsamples über eine günstige Funk-Maus-Tastatur-Kombi von Vivanco mit einem einzelnen Empfänger-Dongle gesteuert, die problemlos erkannt wurde und – einmal vom falschen Tastaturlayout abgesehen – tadellos funktioniert hat. Auch mit einem kabellosen Gamecontroller von Logitech und einem USB-Stick, der allerdings mit FAT32 formatiert sein muss, hatten wir keinerlei Schwierigkeiten. Das gilt leider überhaupt nicht für die WLAN-Funktionalität.

Da wir mit unserem ersten Testsample In Verbindung mit zwei von drei verschiedenen, handelsüblichen und weit verbreiteten Routern einen stark schwankenden und insgesamt nur sehr geringen Datendurchsatz verzeichnen mussten und auch alle Versuche, der Sache durch andere Routerkonfigurationen Herr zu werden, nicht zum Erfolg geführt haben, haben wir um ein zweites Gerät gebeten. Hier sind dann noch andere rätselhafte Phänomene wie ständige Authentifizierungsprobleme hinzugekommen.

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC Sceenshot 1

Insgesamt haben wir die WLAN-Performance als völlig erratisch erlebt, mal wurde gar keine Verbindung aufgebaut, mal war das Einbuchen ins WLAN vermeintlich erfolgreich, wurde aber mit einem ausgegrauten WLAN-Symbol quittiert, mal hat es für kurze Zeit für Datenraten von immerhin 2,5 MBit/s gereicht, bevor die Verbindung dann aus rätselhaften Gründen wieder zusammenbrach. Sticks und Router waren bei unseren Versuchen maximal fünf Meter entfernt, teilweise mit direkter Sichtverbindung, teilweise mit einer Innenwand dazwischen. Das Herunterladen größerer Apps geriet so zur Qual und an Streaming über das Netzwerk oder das Anschauen eines Youtube-Videos war nicht im Ansatz zu denken. Selbst das Surfen hat bei den typischen Datenraten von unter 600 kBit/s keinen Spaß mehr gemacht. Im Forum von rikomagic kann man nachlesen, dass wir mit diesen Problemen leider nicht allein sind. Man kann allerdings einen USB-LAN-Adapter einsetzen, wenn man kabelgebundenes LAN nutzen möchte bzw. muss.

rikomagic MK802 IV S Android Stick Mini PC Sceenshot 2

Fazit

Der rikomagic MK802 IV S hätte uns im Test voll überzeugt, wenn nur die massiven WLAN-Probleme nicht wären. Lieferumfang, Ausstattung, Tempo und Support stimmen, was aber nicht hilft, wenn eine so wichtige Basisfunktion wie WLAN bei zwei Testsamples und verschiedenen Routern, die sonst mit anderen Geräten niemals Probleme haben, einfach nicht vernünftig laufen will. Da man nicht vorher wissen kann, ob der eigene Router dem rikomagic MK802 IV S schmeckt oder nicht und wir eine hohe Wahrscheinlichkeit für massive WLAN-Probleme bei vielen Käufern befürchten, können wir den Mini-PC leider zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlen.

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