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Nexus 7 im Test: Gamechanger oder Wackelkandidat?


29.08.2012, 14:40 Uhr

nexus-7-frontal

Das Nexus 7 war das unbestrittene Highlight der vergangenen Google I/O. Das 7-Zoll-Tablet wurde von Google und ASUS in der Rekordzeit von nur vier Monaten entwickelt, besitzt von Anfang an die neueste Android-Iteration 4.1 Jelly Bean, fokussiert die Google Play-Dienste und ist mit Preisen ab 200 US-Dollar/Euro geradezu unverschämt günstig. Unser Test zeigt, was das Nexus 7 auf dem Kasten hat und ob der Preis wirklich so heiß ist, wie er auf den ersten Blick scheint.

Viel wurde gesagt und geschrieben über das Nexus 7. Das erste Tablet unter dem Nexus-Label, das somit den offiziellen Segen von Google erhält und gemeinsam mit ASUS, dem derzeit wohl besten Hersteller von Android-Tablets, entwickelt nicht weniger als ein Meilenstein darstellen soll. Ein Preisbrecher soll es sein, ein Vorzeigegerät, ein Argument für die Google Play-Dienste. Die ersten Gerüchte zum Nexus 7 sollen sogar Apple dazu getrieben haben, nach dessen Tod zum ersten Mal den Dissens zu Steve Jobs’ ablehnender, ja schmähender Meinung zum 7-Zoll-Formfaktor zu wagen und an einem eigenen Tablet in dieser Größe zu forschen. Die Bedeutung des Nexus 7 ist also gar nicht hoch genug einzuschätzen. Nur: Taugt das Gerät auch im Alltag etwas? In unserem Test werden wir genau das untersuchen.

Das Testgerät haben uns die BestBoyZ zur Verfügung gestellt. Danke, Jungs!

Optik, Haptik und Verarbeitung

Von der aufwändigen und hochwertigen Verpackung befreit, hat man das Nexus 7 also zum ersten Mal in der Hand und erblickt zunächst eine sehr minimalistische Front. Im ausgeschalteten Zustand ist die Vorderseite des Nexus 7 komplett schwarz, die kleine Frontkamera dient als Ausnahme und Anzeige der Geräteausrichtung: Wo das Loch ist, ist oben. Im Vergleich zu anderen Tablets wirkt das Nexus 7 mit seinen Maßen von 198,5 mm × 120 mm × 10,5 mm eher langgezogen – was in der Ausrichtung des Gerätes auf die Verwendung im Portrait-Modus und entsprechend breiteren Rändern oben und unten als an den Seiten begründet liegt. Mit 340 Gramm ist das Nexus 7 immer noch handlich.



Größenvergleich: Samsung Galaxy S3 (4,8 Zoll), Nexus 7 (7 Zoll) und Transformer Prime (10,1 Zoll)

Rechts oben, bereits in die Rückschale eingelassen und von der Front aus nicht sichtbar, liegen die Tasten für Lautstärke und Power, links ein Anschluss für eventuelle Dockingstations. Unten mittig befindet sich ein Micro USB-Anschluss, rechts daneben schließlich der 3,5 mm Klinkenanschluss für Headsets und Kopfhörer. Die Tasten sind zwar schmal, der Druckpunkt ist aber in Ordnung. Im Portrait-Modus können sowohl Rechts- als auch Linkshänder die Tasten gut erreichen.

Ein Blick auf die an den hinteren Rändern abgerundete Rückseite: Die mit regulären Mitteln nicht abnehmbare Abdeckung besteht aus Plastik. Da das im Falle des Nexus 7 matt ist und eine geriffelte Struktur besitzt, sich dadurch fast wie Gummi anfühlt, besteht hier kaum Gefahr, dass das Tablet an heißen Tagen mit schwitzigen Händen aus selbigen herabrutscht. Mittig in der oberen Hälfte prangt Googles Nexus-Schriftzug, unten und deutlich kleiner über der länglichen Lautsprecheröffnung, das ASUS-Logo. Die Abdeckung scheint recht stabil zu sein und liegt plan auf. Eine Spalte zwischen Vorder- und Rückseite ist kaum vorhanden, dort wird sich kein Schmutz festsetzen.

Verarbeitungstechnisch ist das Nexus 7 als recht gut einzustufen. Der einzige Mangel, den wir feststellen konnten, ist ein leichtes Knarzen, wenn man an der linken Seite zu stark auf das Display drückt.

Die Frage nach dem optimalen Formfaktor eines Tablets ist genauso abhängig von persönlichen Präferenzen wie bei Smartphones. Wenn man aber grundsätzlich nichts gegen den 7-Zoll-Formfaktor einzuwenden hat, ist das Nexus 7 in Sachen Haptik eine gute Wahl. Hochkant kann man es bequem in einer Hand halten, die etwas langgezogene Form sorgt dafür, dass man beim Querhalten mehr Fläche zum Festhalten hat. Das Nexus 7 ist überdies angenehm leicht. Im Gegensatz zu 10-Zollern, vor allem den Geräten aus dem Jahr 2011, ist das Nexus 7 somit ein Tablet, das man nicht nur auf dem Schoß oder Tisch verwenden, sondern auch gut in der Hand halten kann.

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Display

Nach dem Einschalten fällt auf, dass das Display deutlich zu dunkel eingestellt ist. Über das Deaktivieren der automatischen Helligkeit und manueller Nachjustierung ergibt sich jedoch ein positives Bild vom Nexus 7-Display. Der Bildschirm besitzt bei einer Auflösung von 1280 x 800 und einer Bildschirmdiagonale von 7 Zoll eine Pixeldichte von 215 ppi – scharf, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau des 3rd Gen-iPads (264 ppi) oder des Transformer Pad Infinity (224 ppi), aber zum Beispiel deutlich höher als bei zahlreichen 2011er-Geräten wie zum Beispiel dem Motorola XOOM (149 ppi).

Der Schwarzwert geht für ein LC-basiertes Display in Ordnung, das Farbprofil ist realistisch und nicht übertrieben gesättigt. Bei seitlicher Betrachtung bleibt das Display erstaunlich blickwinkelstabil und verliert lediglich – je nach Winkel – an Helligkeit. Der Effekt ist schwächer beim horizontalen Kippen im Portrait-Modus – sinnvoll, da ASUS und Google dies auch als bevorzugten Verwendungsmodus vorsehen, aber dazu später mehr. Auch wenn das Nexus 7 mangels 3G-Konnektivität wohl überwiegend in Innenräumen verwendet wird, bleibt das Display auch im Sonnenlicht noch ablesbar, wiewohl andere Displays heller sind.

Conclusio: Das Nexus 7 besitzt einen Bildschirm, auf den man gerne schaut und auch lange schauen kann. Da eine der Hauptfunktionen des Geräts die eines eBook-Readers ist, ist das auch angemessen.

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Kamera

Das Nexus 7 ist ein Tablet und per definitionem deswegen bereits kein Gerät, mit dem man häufig Fotos schießt und Videos dreht. Davon abgesehen gibt es auch schlicht kein Rückkameramodul im Nexus 7, was sicherlich einer Kosten-Nutzenrechnung durch Google und ASUS bei der Konzipierung des Gerätes zuzurechnen ist. Vermutlich wurde die Kamera als nicht allzu relevantes Feature erst in letzter Minute gestrichen – auf dem Mainboard ist sogar eine Aussparung für das Kameramodul vorhanden, wie ein Teardown der Hardware bei XDA ergab.

Das Fehlen der Rückkamera ist bei einem Gerät für zuhause – und vor allem in dieser Preisklasse nicht allzu schlimm. Die 1,3 MP-Frontkamera macht passable Bilder. Deren Hauptzweck ist Videochat, und dafür reicht sie vollkommen aus.

Anzumerken bleibt, dass das Nexus 7 keine eigene Kamera-App mitbringt. Wer gelegentlich Fotos oder Videos schießen will, kann diese Funktion aber mit einer App von MoDaCo aus dem Play Store nachrüsten.

Software

Das Nexus 7 kommt als Gerät von Googles Gnaden natürlich mit Stock-Android. Das bedeutet jetzt Android in der neuesten Version 4.1 „Jelly Bean“, in den nächsten Jahren neue Versionen als Update kurz nach dem Release direkt von Google; moddingfreundlich dank entsperrbarem Bootloader und mit jederzeit verfügbaren Factory Images – falls bei der Modifiziererei doch mal etwas schiefläuft. Vorbildlich!

Android in seiner aktuellsten und reinsten Form ist aus unserer Sicht über jeden Zweifel erhaben – elegant, minimalistisch und funktional sind alle Funktionen von Android logisch positioniert und flott verfügbar. Wer von einem Android-Gerät mit Herstelleroberfläche kommt, wird eventuell Komfortfunktionen, etwa die Schnelleinstellungs-Buttons von Samsung in der Benachrichtigungsleiste oder die Eye Candy-Widgets von HTCs Sense-Geräten, vermissen. Statt solcher „Kinkerlitzchen“ erhält man aber ein enorm wandelbares, mit Launcher, Widgets und Apps anpassbares System ohne den „Bloat“, die viele Android-Varianten mit sich herumschleppen.

Die Ausrichtung des Nexus 7 ist klar: Google will das Ökosystem rund um seinen Play Store stärken. Deshalb bekommt der Käufer nicht nur einen Gutschein in Höhe von 20 Euro für Musik (in Deutschland noch nicht gestartet), Filme, Apps und Games als Play Store-Einstiegsdroge, auch nach der Ersteinrichtung begrüßen den Nutzer Widgets, die einen schnellen Zugriff auf die entsprechenden Angebote von Kaufmedien sowie die eigenen bei Google bereits gespeicherten Medien bieten.

Das Gerät ist von Anfang an darauf ausgerichtet, eben kein klassisches Tablet zu sein, das im Landscape-Modus verwendet wird. Das Bedienungs-Paradigma des Nexus 7 ist das mühelos mögliche Halten des Tablets hochkant in einer Hand und die Bedienung mit der anderen freien. Auch quer kann das Nexus 7 dank der bereits erwähnten größeren Gehäusekanten problemlos gehalten werden. Das kam in unserem Test allerdings eher selten vor – im Grunde nur beim Betrachten von Videos und bei Spiele-Sessions.

Google hat mit Jelly Bean ein Hybrid-Layout für Tablet-Zwischengrößen wie die 7 Zoll des Nexus 7 eingeführt: Die Schaltfläche für den App Drawer sowie App-Shortcuts befinden sich hier am unteren Ende, wie von Smartphones gewohnt. Auch die Benachrichtigungsleiste wird herabgezogen und die Software-Funktionstasten (Zurück, Home, Multitasking) befinden sich zentriert an der Unterseite des Bildschirms. Anders als bei Smartphones prangen allerdings sieben statt fünf Symbole in der Schnellstartleiste, zudem ist die Benachrichtigungsleiste verkürzt und nimmt beim Herabziehen nicht mehr den ganzen Screen ein.

Apps profitieren, sofern sie entsprechend programmiert sind, von diesem Hybrid-Layout und zeigen sich in dem Fall übersichtlicher. Beispiel: Die GMail-App. Auf dem Nexus 7 zeigt sie links neben dem Posteingang auch eine Übersichtsleiste an – diese ist beispielsweise beim Samsung Galaxy S3 nicht sichtbar, obwohl dieses über nahezu dieselbe Bildschirmauflösung verfügt. Anzumerken ist an der Stelle, dass das Nexus 7 noch Probleme mit einigen wenigen Apps hat: Im Test ließen sich weder Qype noch der auf Tablets ausgelegte Reddit-Client reddita installieren – hier müssen die Entwickler der entsprechenden Apps noch nachbessern.

Auf dem Nexus 7 vorinstalliert sind die Standard-Apps von Android, eine erweiterte Auswahl an Google-Apps – inklusive beispielsweise Chrome, Google+ und Currents sowie die Google Play-Anwendungen Movies, Books und Music. Alle Apps sind brauchbar bis sehr gut. Woran es fehlt, wären höchstens ein kleineres Office-Paket – warum Google hier nicht seine Drive-App gleich mitliefert, ist uns ein Rätsel – und eine Notizen-App. Der Play Store bietet jedoch genug Anwendungen aus diesen Bereichen, die diese Lücke füllen können.

Fazit: Wer Android so haben will, wie Google es sich vorstellt, kauft sich ein Nexus-Device – das Nexus 7 ist keine Ausnahme von dieser Regel. In Sachen Software gibt es am Nexus 7 nichts aussetzen, Jelly Bean ist im Auslieferungszustand ein hervorragend funktionierendes, performantes und gutes System – oder aber Grundlage für ein perfekt an die eigenen Bedürfnisse angepasstes Android.

Performance

Der auf 1,3 GHz getaktete Tegra 3-Chip mag nicht mehr die Performance-Speerspitze der Quad Core-CPUs wie noch vor einem halben Jahr sein, die neuere SoCs wie Samsungs Exynos 4412 und jüngst der Qualcomm Snapdragon S4 Pro bieten noch einen Tick mehr Leistung. Dennoch beschleunigt der Nvidia-Chip das Nexus 7 absolut schnell, sodass die Leistung in jeder Situation zu überzeugen weiß. Das Performance-Potenzial des Nexus 7 wird besonders durch die Optimierungen ausgereizt, die Google im Code von Android 4.1 „Jelly Bean“ unter dem Schlagwort „Project Butter“ vorgenommen hat. Das heißt in der Praxis: Im Betriebssystem ruckelt so gut wie nichts, Apps werden flott gestartet und die Animationen sind, wie der Name suggeriert, butterweich.

nexus 7 benchmarks

Zur Vergleichbarkeit mit anderen Geräten haben wir das Nexus 7 durch einige synthetische Benchmarks laufen lassen. Hier die Resultate:

  • CF-Bench: Overall 11736 (Native: 20750; Java: 5728)
  • GLBenchmark 2.1.5 (Offscreen): Egypt 7245 Frames @ 64 FPS, Pro 4147 Frames @ 83 FPS
  • Antutu: 10794

nexus 7 quadrant

Quadrant zeigte sich im Benchmark wie erwartet erratisch, die Ergebnisse changierten in zwei aufeinanderfolgenden Versuchen zwischen ca. 1500 und 3500. Das sind bekannte Probleme mit Quadrant – die Ergebnisse seien hier nur pro Forma genannt.

So weit, so gut – das Nexus 7 präsentiert sich performant wie bislang kein anderes 7-Zoll-Tablet. Neben Benchmarks und der gefühlten Systemperformance gibt es aber einen weiteren Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt: Die Leistung in 3D-Anwendungen, sprich, Spielen. Darauf gehen wir im Folgenden genauer ein.

Gaming & Multimedia

Wir haben das Nexus 7 mit diversen gängigen Android-Games getestet. In diesem Bereich brilliert das Tablet vollkommen: Dank der Optimierung auf Nvidias Tegra 3-Chip laufen anspruchsvolle 3D-Titel wie Shadowgun, Dead Trigger und Riptide GP nicht nur durchgehend flüssig, sondern sehen dank exklusiver Effekte sogar noch besser aus als auf Geräten mit nominell besseren CPU-/GPU-Kombinationen. Auch nicht für Tegra-Devices optimierte 3D-Spiele wie Reckless Racing, Death Rally und Mini Motor Racing liefen flüssig und sahen toll aus. Einzig GTA 3 lief mit maximalen Details etwas stotternd und hatte einige wenige Grafikfehler, grundsätzlich aber präsentierte sich auch dieses Game spielbar. Keine Frage, dass das Nexus 7 auch mit weniger anspruchsvollen Titeln wie Fruit Ninja, Battlehearts und Amazing Alex keine Problem hat.

Auch jenseits der Leistung ist festzustellen, dass Spielen am Nexus 7 großen Spaß macht – zumindest deutlich mehr als am Smartphone. Das mag daran liegen, dass das Gerät dank seines 7-Zoll-Formfaktors einerseits leicht genug ist, um lange und bequem in der Hand gehalten zu werden, andererseits die bei einem Touchscreen-Device zwangsläufig auftretende Problematik, dass Finger einen Teil des Bildschirms verdecken und somit die Sicht einschränken, im Verhältnis weniger eklatant ist.

Auch in Sachen Unterstützung verschiedener Video- und Audioformate kann man dem Nexus 7 ein gutes Zeugnis ausstellen: In unserem Test konnte lediglich ein MKV-File mit H.264-Videospur in 720p nicht abgespielt werden – weder in der Movies-App noch in der Galerie. Hier haben andere Geräte, etwa das Samsung Galaxy S3, schon mehr gezeigt. Mit einem aus dem Play Store nachinstallierten Player – dem Mobo Player – konnte das Nexus 7 aber zur Wiedergabe der Datei überredet werden.

Zu Multimedia gehört natürlich auch der Punkt „Lesen“. Hier zeigt sich das Nexus 7 variabel – neben der vorinstallierte Google Play Books-App kann man sich natürlich diverse andere E-Book-Reader herunterladen, inklusive Amazons Kindle-App. Auch wenn das rückwärtig beleuchtete LC-Display des Nexus nicht an die E-Ink-Technik dedizierter E-Reader herankommt, ist die Belastung für die Augen auf einem erträglichen Niveau, das Bild angenehm scharf. Im Test haben wir zwar überwiegend auf Internetseiten gelesen, aber der Konsum auch ganzer Bücher liegt beim Nexus 7 durchaus im vorstellbaren Bereich – sofern man den Augen regelmäßig ein wenig Entspannung gönnt.

Zur Soundqualität: Der integrierte Mono-Lautsprecher klingt ein wenig dumpf, aber ansonsten verhältnismäßig gut.

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Konnektivität und Speicher

Das Nexus 7 kommt in Deutschland in Varianten mit 8 und 16 GB auf den Markt, erstere kostet zum Testzeitpunkt rund 199 Euro, die andere 249 Euro. Auch wenn sich dadurch der Kampfpreis des Nexus 7 etwas relativiert, raten wir zum Kauf der größeren Variante, denn der interne Speicher wird bereits durch das installierte Betriebssystem nicht unwesentlich dezimiert: Im Effekt stehen lediglich rund 6 GB für Apps, Videos und Musik zur Verfügung. Wer mehr als eine handvoll Folgen der Lieblingsserie und ein größeres Musikarchiv mit sich herumtragen will, stößt hier schnell an Platzgrenzen. Auch einen SD-Kartenslot besitzt das Nexus 7 serientypisch nicht – schade. USB-OTG-Support kann hingegen mithilfe einer App nachgerüstet werden.

Auch als Navi lässt sich das Nexus 7 gut verwenden. Im Test nahm das Gerät, wohl dank der nicht abschirmenden Plastikverkleidung, schnell und zuverlässig Verbindung zu GPS- und GLONASS-Satelliten auf. Wer das Nexus 7 allerdings zum dynamischen Manövrieren im Verkehr nutzen will, muss dank fehlender mobiler Konnektivität natürlich auf eine Offline-Kartenlösung zurückgreifen.

In Sachen WLAN, kompatibel bis zum n-Standard, gab es im Test keinen Grund zur Beanstandung. Da das Nexus 7 als Gerät ohne mobile Datenverbindung verkauft wird, fließt deren Fehlen nicht in die Wertung mit ein.

Das Nexus 7 besitzt alle gängigen Sensoren, auch ein Gyroskop und einen Beschleunigungssensor. Augmented Reality-Anwendungen wie der Kompassmodus in Google Street View sind also schön flüssig, Spiele profitieren von höherer Genauigkeit, sofern sie per Lageveränderung gesteuert werden. NFC und Beam funktionieren auch – man sollte aber wissen, dass sich der entsprechende Chip im Nexus 7 etwa auf Höhe des Nexus-Schriftzuges befindet und das zu koppelnde Gerät dort berühren lassen.

Das Nexus 7 ist nicht mit MHL-Adaptern kompatibel, auch ein DLNA-Client ist nicht vorinstalliert. Somit können Bild und Ton vom Tablet nicht ohne Aufwand auf einem TV-Gerät ausgegeben werden – angesichts der Ausrichtung des Nexus 7 auf Streaming-Medien eine Kardinalssünde. Hier muss man sich entweder mit einer App wie Skifta behelfen oder hoffen, dass ASUS und Google eine praktikable Hardware-Lösung nachschieben.

Alltagstauglichkeit

Das Nexus 7 ist ein Gerät, das aufgrund der nur mittelmäßigen Bildschirmhelligkeit und der fehlenden 3G-Verbindung wohl überwiegend in Innenräumen eingesetzt wird. Hier zeigt es sich zuverlässig. Der Akku ist mit rund 4.300 mAh für diese Displaygröße und angesichts der WLAN-only-Konnektivität absolut ausreichend. Der „Companion Core“ der Tegra 3-CPU sorgt zusätzlich für einen extrem geringen Stromverbrauch im Standby. Anders beim fleißigen Zocken von 3D-Spielen: Im Test haben wir innerhalb von 2 Stunden rund 40 Prozent Akku verloren – hochgerechnet ergäbe das aber immer noch gute 5 Stunden reiner Spielzeit. Übrigens wird das Nexus 7 beim Spielen zwar warm, aber nicht heiß, bleibt also im Rahmen.

Die Ausdauer des Nexus 7 ist also stark abhängig vom Nutzungsszenario. Selbst bei anhaltender Nutzung wird das Gerät aber immer einen Tag durchhalten – wer sein Nexus 7 nur gelegentlich in die Hand nimmt, kann sogar mit einem Vielfachen davon auskommen. Positiv zu erwähnen ist, dass das Nexus 7 keinen proprietären Anschluss besitzt, sondern über einen handelsüblichen Micro-USB-Anschluss geladen wird.

Das Handling ist, dank der ergonomischen Fom und der durchdachten Materialwahl, sehr gut – auch an der Formfaktor-immanenten Portabilität ist nichts auszusetzen. Hosentaschenkompatibel ist das Tablet zwar höchstens bei Trägern von Baggy Pants, das Nexus 7 kann aber in jedem Rucksack und (fast) jeder Handtasche, jedem Rucksack oder, zeitgeistkompatibel, auch in jedem Stoffbeutel transportiert werden.

Fazit

Dass das Nexus 7 erfolgreich wird, ist abzusehen – und das mit Recht. Mir hat die Nutzung des Gerätes im Testzeitraum Spaß gemacht, auch wenn ich nicht unbedingt ein „Tablet Guy“ bin. Google und ASUS haben hier das richtige Konzept zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gebracht: Ein kompaktes Device zum Medienkonsum, mit viel Leistung – aber jedes zusätzliche Feature sorgfältig auf seine Kosten-Nutzen-Relation hin überprüft. Das macht Sinn, denn wenn nur 30 Prozent der Nutzer die Kamera in einem Tablet nutzen, und wenn, dann auch nur gelegentlich – warum sollte man eine solche einbauen und das Gerät teurer werden lassen? Das Ergebnis dieser Abwägung ist ein preiswertes, aber wertiges und auf essentielle Funktionen heruntergebrochenes Produkt.

Ein großer Widerspruch im Konzept des Nexus 7 soll jedoch nicht unerwähnt bleiben: Google will einerseits seine Cloud-Dienste und Streaming-Services stärken – dafür fehlt aber die mobile Datenverbindung per 3G oder 4G. Wer stattdessen unterwegs auf lokal gespeicherte (oder in YouTube/Movies/Music „festgepinnte“) Medien setzt, stößt schnell an Speichergrenzen. Das Gerät ist also eines für zuhause – dort allerdings gibt es aber zumeist bessere Alternativen für den Medienkonsum. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich das Nexus 7 zuzulegen, sollte im Hinterkopf behalten, dass es – trotz des unumwunden großartigen Preispunkten – seine Einschränkungen hat, die man mittelfristig bereuen könnte.

Als Einstieg in die Tablet-Welt ist das Nexus 7 trotzdem gut geeignet, denn es bietet dem Nutzer unter relativ geringem finanziellen Risiko die Möglichkeit, erst einmal selbst zu evaluieren, ob er ein Tablet überhaupt braucht. Und, falls ja, welche zusätzlichen Ansprüche er an ein solches Gerät hat – ob das nun ein größerer Bildschirm, ein Tastaturdock, ein Stylus oder ein 3G-Modem ist.

Für das Nexus 7 spricht dessen hohe Leistung, die Kompaktheit, der gute Bildschirm, die angemessene Verarbeitung und die herausragende Software direkt von Google. Einsatzzwecke muss trotzdem jeder für sich selbst finden (bei mir waren das im Testzeitraum insbesondere Games und YouTube-Videos).

Das Nexus 7 ist ein Experiment von Google – und wird es auch für viele seiner Nutzer sein. Aber ist es auch ein Gamechanger? Eindeutig: Ja. Es gab zwar auch schon in den letzten Jahren preiswerte Tablets, aber nie so hochwertige. Wenn man so will, läutet das Nexus 7 somit die Demokratisierung des Tablet-Marktes ein (wiewohl man auf die USA bezogen auch den Kindle Fire im gleichen Atemzug nennen muss). Und weil die Branchenmechanismen bekannt sind, ist auch abzusehen, dass der Markt in Bewegung kommt – neben Google/ASUS, Amazon und Apple werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch Samsung, Acer und zahlreiche weitere Hersteller spätestens Anfang des nächstes Jahres Tablets mit ähnlicher Ausrichtung und Preisgestaltung vorstellen. Man darf also gespannt sein.

Wertung zum Nexus 7

  • Verarbeitung und Haptik: 4/5
  • Display: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Akkulaufzeit: 4/5
  • Konnektivität: 3/5
  • Software: 5/5
  • Multimedia: 4/5
  • Alltagstauglichkeit: 4/5

Gesamt: 4/5

Pro

  • Herausragendes Preis-Leistungsverhältnis
  • Gute Performance
  • Stock-Android

Kontra

  • Keine mobile Datenverbindung
  • Wenig Speicher, kein SD-Slot
  • Nicht MHL-kompatibel

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