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Nexus 10 im Test: Die Rettung der 10 Zoll-Tablets?


06.12.2012, 18:05 Uhr

nexus-10-front

Das Nexus 10 wurde als neues Android-Tablet-Flaggschiff im 10-Zoll-Formfaktor zeitgleich mit dem Nexus 4 vorgestellt, steht aber bei Weitem nicht so stark im Rampenlicht wie das aktuelle Nexus-Smartphone. Dabei wartet das von Samsung und Google gemeinsam entworfene Gerät mit interessanten Spezifikationen auf, zuvorderst ein Display in der bislang für 10-Zoll-Tablets einmaligen Bildschirmauflösung von 2560 x 1600. Im ausführlichen Testbericht klären wir, wo die Stärken und Schwächen des Nexus 10 liegen.

Von den neuen Geräten aus Googles Nexus-Fuhrpark war das Nexus 10 das überraschendere — zumindest waren die Gerüchte im Vorfeld relativ vage, erst kurz vor der Vorstellung gelangten Details zum 10-Zoll-Tablet ans Tageslicht. Böse Zungen könnten behaupten, dass das öffentliche Interesse beim Nexus 10 geringer war. Ein Keim Wahrheit mag dran sein, denn der 10-Zoll-Formfaktor für Tablets mit Android hat es nach wie vor schwer. Nachdem 2011 etliche Geräte dieser Größe mit Android 3.x „Honeycomb“ von nahezu allen relevanten Herstellern auf den Markt geworfen wurden, sich aber keines so richtig durchsetzen und als viel beschworener „iPad-Killer“ platzieren konnte, kühlte der Markt 2012 merklich ab.

Im Sommer dieses Jahres machte dann das Nexus 7 mit seinem Kampfpreis ab 200 Euro und einem handlicheren Formfaktor dank des kleineren 7-Zoll-Display von sich reden. Der anhaltende Erfolg des Nexus 7 bewies nicht nur, dass Android auf Tablets funktioniert, sondern auch das Steve Jobs anno dazumal mit seinen harschen Worten gegen das Samsung Galaxy Tab — es war die Rede von einer Totgeburt („dead on arrival“) – Unrecht hatte. Mit dem 8-Zoller iPad Mini wagte sich schließlich sogar Apple unlängst in das Territorium der Liliput-Tablets vor.

Und nun hat Google also in Zusammenarbeit mit Samsung das Nexus 10 auf den Markt gebracht. Neben einer im Tablet-Bereich bislang einmaligen Displayschärfe um die 300 ppi ist es auch das erste 10-Zoll-Tablet von offiziellen Nexus-Weihen. Das Motorola XOOM besaß 2011 zwar einen vergleichbaren Status, galt aber „nur“ als Google Experience-Gerät, nicht als echtes Nexus. Das Nexus 10 tritt jetzt, zum Ende des Jahres 2012, nun nicht nur für sich, sondern exemplarisch für den gesamten Formfaktor an. Kann sich ein Gerät, das auf dem Papier mit relativ guten Spezifikationen ausgestattet ist und einen interessanten (wenn auch nicht, wie beim Nexus 4 und 7, herausragenden) Preispunkt aufweist, durchsetzen? Wir haben das Nexus 10 zwei Wochen lang auf Herz und Nieren getestet. Im Folgenden unsere Ergebnisse.

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Optik, Haptik, Verarbeitung

Samsung bleibt beim Nexus 10 seinem Weg treu, für die eigenen Android-Geräte (mit dem Galaxy Tab 7.7 als Ausnahme von der Regel) keine metallischen Materialien einzusetzen, sondern Glas und Kunststoff. Mit Maßen von 26,4 x 17,8 x 0,89 cm ist das Gerät exakt so dünn wie das Galaxy S3, allerdings einen halben Millimeter dicker als das Transformer Pad TF700T „Infinity“ und sogar einen ganzen Millimeter als das bislang dünnste Android Tablet, das Toshiba AT200 „Excite“. Das Gewicht beträgt 603 Gramm, 5 Gramm mehr als das Infinity. Insgesamt sind Maße und Gewicht aber auf einem durchschnittlichen Niveau für einen aktuellen 10-Zoller.

Frontal besteht das Nexus 10 aus einer durchgängigen Glasfront. An der oberen Seite ist die Frontkamera zu sehen, allerdings nicht mittig, sondern leicht rechts versetzt. An derselben Position linkerhand befindet sich der Umgebungslichtsensor. Da dieser im Gegensatz zur Frontkamera meist nicht sichtbar ist, wird hier der Eindruck einer leichten Asymmetrie erweckt. Unten mittig ist eine im ausgeschalteten Zustand nicht sichtbare LED verbaut, die ähnlich wie bei den anderen aktuellen Nexus-Geräten mit einem angenehm pulsierenden Licht über entgangene Anrufe und dergleichen informiert.

Der seitliche Rahmen und die Rückseite sind aus einem Bauteil gefertigt, quasi ein Plastik-Unibody-Gehäuse. Die Streifen sind an den längeren Kanten der Vorderseite schmaler. An den kürzeren, breiteren Enden sind die langgezogenen Lautsprecher integriert, die wie bei den anderen neueren Galaxy Tabs in Richtung des Nutzers weisen — dazu mehr im Abschnitt Multimedia.

Auf der oberen Seite links befinden sich nebeneinander die Power-Taste und die Lautstärkewippe. Beide sind recht schmal und besitzen einen noch akzeptablen Druckpunkt, wiewohl die Lautstärketasten etwas stärker herausragen und ohne Sichtkontakt deutlich besser ertastet werden können als der Power-Button. An der linken Seite oben ist der nicht abgedeckte micro-USB-Eingang zum Laden und Verbinden des Tablets mit Computern platziert, direkt darunter die Kopfhörerbuchse. An der rechten Seite findet man erfreulicherweise einen micro-HDMI-Ausgang.

Auf der Rückseite befindet sich längs ein zusätzlicher, unter Krafteinsatz abnehmbarer Aufsatz aus geriffeltem Weichplastik, der den Schutz für die Kameralinse, den LED-Blitz und ein Mikrofon birgt. Statt dieses Plastikstreifens soll man hier später auch Cases befestigen können. Unter der Abdeckung sind Geräteinfos aufgedruckt und Torxschrauben zum Öffnen des Geräts werden sichtbar, zudem sind zwei rechteckige metallische Einsätze zu sehen, der wohl für ein magnetisches Cover gedacht sind. Direkt unter diesem Streifen ist zentral auf der Rückseite ein großer, selbstbewusster „nexus“-Schriftzug eingestanzt. An der Unterseite des Rahmens befinden sich Pogo-Pins, dank denen man das Nexus 10 an eine Dockingstation anschließen können soll — bis jetzt ist eine solche Dockingstation allerdings noch nicht angekündigt.

Fans der Geräte von Apple oder ASUS mögen sie zwar bedauern, aber nüchtern betrachtet ist die Wahl von Kunststoff als Material für Rahmen und Rückseite keine schlechte: Das Gehäuse des Nexus 10 besteht aus einem gummierten Kunststoff, der das Gerät sehr griffig in der Hand liegen lässt. Bleibende Spuren beim zwangsläufigen Handkontakt kann man auch hier sehen, allerdings bei Weitem nicht in einem so extremen Ausmaß wie bei Tablets mit „glossy“ Rückseite, etwa den regulären Galaxy Tabs oder dem HP TouchPad. Ein subjektiv empfundener Vorteil von Kunststoff als Material ist zudem, dass sich das Gerät nicht so kalt anfühlt wie eines aus Aluminium. Das gute Handling wird unterstützt durch die insgesamt stark abgerundete Gehäuseform, die stilistisch sowohl mit den Samsung Galaxy-Geräten 2012 als auch der Nexus-Reihe korrespondiert.

Einschränkend muss zum Handling erwähnt werden, dass man den 10-Zoll-Formfaktor mögen muss. Wer das tut, nimmt das Nexus 10 gerne zur Hand, denn die abgerundeten Kanten, die für ein Kunststoffgehäuse wertige Verarbeitung und die gummierte Rückseite sorgen für eine gute Haptik.

Das Display im Nexus 10

Im Nexus 10 hat Samsung ein hauseigenes Panel verbaut, das sich True RGB Real Stripe PLS schimpft und auf einer Diagonale von 10,055 Zoll die WQXGA-Auflösung von 2560 x 1600 Pixeln auf das Display zaubert. Wer sich über die Nachkommastellen bei der Angabe der Displaydiagonale wundert: Hier handelt es sich vermutlich um einen Rechentrick, denn mit 10,1 Zoll läge die Pixeldichte rechnerisch bei 299 ppi. Die wohl werbewirksameren 300 ppi erhält man bei einer kleinen Korrektur der Displaydiagonale per Nachkommastelle nach unten. Wir haben mit einem Zollstock nachgemessen: 25,6 cm kamen heraus, das wären 10,08 Zoll, freilich mit möglichen Mess- und Rundungsfehlern.

Ob nun 299 ppi oder 300 ppi — bislang kann kein Tablet-Display mit der Pixeldichte des Nexus 10 mithalten, selbst iPad 3 und 4 besitzen „nur“ 264 ppi. Aber macht das einen Unterschied? Tablet-Displays werden in der Regel weiter vom Kopf weggehalten, sodass der „Retina“-Effekt — man möge uns den vom Apple-Marketing geprägten Begriff verzeihen — schon bei Pixeldichten unter 300 ppi auftritt. Nach dem Dafürhalten des Testers ist der Schärfeunterschied zu Displays in der Auflösung von 1920 x 1200 bei Tablets wie dem Acer Iconia A700 und Transformer Pad TF700T so marginal, dass zu dessen Wahrnehmung wohl auch ein gutes Quäntchen Autosuggestion gehört. In Sachen Schärfe ist das Display also perfekt, aber eben auch nicht perfekter als perfekt. TF700T-Besitzer haben keinen Anlass, neidisch auf das Nexus 10 zu blicken.

Kehrseite der hohen Displayschärfe (wenngleich auch Meckern auf hohem Niveau) ist, dass dem Nutzer ständig auffällt, wenn Webseiten und Apps noch nicht auf die hohe Pixeldichte von Retina-Displays, oder wie auch immer man sie nennen mag, angepasst sind. Das betrifft vor allem grafische Assets wie App-Icons und Webseiten-Logos, die auf dem Display deutlich auffallen. App-Developer sollten also ihren Anwendungen Icons für die XXHDPI-Pixeldichte hinzufügen, Webentwickler sich mit Techniken beschäftigen, ihre Seiten Retina-fit zu bekommen, etwa durch die Verwendung von Vektorgrafiken.

Das vom Nexus 4-Display dargestellte Schwarz ist eher ein dunkles Grau, das Weiß hat einen neutralen bis warmen Charakter. Die Farben wirken klar, realistisch und intensiv, wenngleich nicht so übersättigt wie bei AMOLED-basierten Screens. Die mehrfach in anderen Medien kolportierten Lichthöfe am unteren Rand ließen sich bei unserem Gerät selbst in einem stockdunklen Raum nicht nachvollziehen. In Sachen Maximalhelligkeit kommt das Display im Nexus 10 nicht an die aktuellen Geräte von ASUS heran, ist aber auch draußen noch benutzbar, sofern man sich nicht in der prallen Sonne aufhält.

Bei seitlichen Blickwinkeln ist die Farbtreue des Displays ausreichend, aber nicht optimal. Es kommt zu latenten Farbverfälschungen ins Bläuliche, dieser Effekt ist im Portrait-Modus stärker zu beobachten. Trotzdem bleibt das Nexus 10 auch in spitzen Winkeln noch gut ablesbar.

Insgesamt ist die Displaygüte ein starkes, wenn nicht sogar das stärkste, Pro-Argument für das Nexus 10. Es macht einen Heidenspaß, darauf Videos zu schauen, Spiele zu spielen, Webseiten und sogar eBooks zu lesen. Hier können wir den Daumen guten Gewissens nach oben recken. Die Zahlentrickserei mal beiseitegelassen, hält das Nexus 10 sein Versprechen extravaganter Schärfe und erreicht auch in den weiteren wichtigen Disziplinen – Helligkeit, Weißwerte, Farbintensität, Blickwinkeltreue — gute bis sehr gute Ergebnisse.

Die Kameras im Nexus 10

Im Gegensatz zum Nexus 7 existiert im Nexus 10 eine Kamera auf der Rückseite. Der Sensor schießt Bilder mit 5 MP (2560 x 1920). Deren die Ergebnisse sind durchaus ansehnlich, wenn auch nicht überwältigend, geht man nach dem aktuellen Stand der Fotografiefunktion auf Mobilgeräten. Bilder, die mit dem Nexus 10 geschossen wurden, weisen satte Farben und auch beim Heranzoomen noch hohen Detailreichtum auf, Lichtflächen wirken jedoch leicht überstrahlt, oft ist ein Bildrauschen sichtbar. Die Fotos erinnern in ihrer Qualität an jene, die das Samsung Galaxy S2 schießt.

Positiv erwähnenswert ist die Dreingabe eines LED-Blitzes, negativ zu bewerten hingegen die Tatsache, dass sich die Kamera beim Scharfstellen häufig „verschluckt“, also eine eigentlich perfekte Fokussierung wieder verwirft und neu scharfstellt. So kann es gelegentlich Sekunden dauern, bis ein Foto geschossen wird, nachdem man auf den Auslöser gedrückt hat; ansonsten reagiert die Kamera aber relativ schnell. Eine HDR-Option oder einen Burst Shot-Modus wie aktuelle Spitzen-Smartphones besitzt das Nexus 10 nicht, dafür die Photosphere-Panoramafunktion und die mit dem Onscreen-Ringmenü versehene Kamera-App aus Android 4.2. Eine 2 MP-Frontkamera für Videotelefonie und Co. ist ebenfalls an Bord, deren Bilder in Ordnung sind.

Videos nimmt das Nexus 10 in Auflösungen bis maximal 1080p (1920 x 1080) auf. Die Qualität geht absolut in Ordnung. Nettes Gimmick: Auch während der Aufnahme kann man Fotos machen, indem man kurz auf das Display tappt.


Wir wollen an dieser Stelle nicht erneut die Frage aufwerfen, wie sinnvoll eine Kamera für den Betrieb eines Tablets ist. Sie schadet nichts, ist aber für die Kernaufgaben eines Tablets auch nicht notwendig, wie zahlreiche Rückkamera-lose Tablets am Markt beweisen. Die (gute) Kameraleistung fließt deswegen nicht in unsere Gesamtwertung ein.

Die Software des Nexus 10

Im Testzeitraum hat Google das Nexus 10 auf Android 4.2.1 aktualisiert, diese Version legen wir unserem Test zugrunde. Zum Betriebssystem, das im Vergleich zur ersten Jelly Bean-Iteration 4.1 in einigen Punkten etwas unausgegoren erscheint, haben wir uns schon mehrfach geäußert. Wir verweisen in dem Zusammenhang auf folgende Artikel:

Um uns nicht zu wiederholen, beschränken wir uns auf die Eigenheiten von Android 4.2.1 auf Tablets und die Software-Spezifika des Nexus 10.

Android 4.2 bringt das von Android-Smartphones bekannte Layout zur Steuerung des Betriebssystems nun auch auf Tablets (wir berichteten). Das bringt diverse Änderungen mit sich: Android besitzt jetzt auch auf dem 10-Zoller eine starre Dockleiste für Apps, die auf jedem Homescreen sichtbar bleibt. In der Mitte des Docks befindet sich der Button zum Aufruf des App-Drawers (früher rechts oben). Die Steuerungstasten Zurück, Home und Multitasking sind nun unten mittig platziert, während diese vormals unten links waren. Auch die Suchleiste mitsamt der Sprachsuche ist nun gewandert: Während sie früher einen schmalen Teil des Screen links oben besetzte, thront sie jetzt starr am oberen Rand und nimmt 70 Prozent der Bildschirmbreite ein. All diese Änderungen sind ein zweischneidiges Schwert. Unser Schaubild zeigt, warum (Klicken zum Vergrößern):

android-3-x-4-2-vergleich

Nahezu alle wichtigen Steuerungselemente zur Interaktion mit dem Homescreen sind nun vom Bildschirmrand an die Bildschirmmitte gewandert. Während man einen 10-Zoller zu Honeycomb- und Ice Cream Sandwich-Zeiten mit beiden Händen am Gerät gut bedienen konnte, muss man das Gerät nun deutlich häufiger in einer Hand halten. Überdies geht Jelly Bean verschwenderischer mit dem Homescreen-Platz um als seine beiden Vorgänger. In folgendem Bild haben wir den Platz, den der Nutzer frei belegen kann, markiert (in der Dockliste können zwar die vorgegebenen Apps ausgetauscht werden, dennoch bleibt dieser Platz fest belegt):

android 3.x vs. 4.2 nutzbarer platz homescreen 10-zoll-tablet

Fazit: Google hat ohne Not mit den Layout-Änderungen im Nexus 10 Usability zugunsten einer offenbar gewünschten Einheitlichkeit der Bedienung von Android geopfert. Bei 7-Zoll-Tablets wie dem Nexus 7 fällt diese Maßnahme weniger ins Gewicht, aber das seit Android 3.x „Honeycomb“ existierende Layout war gerade bei der Bedienung größerer Geräte, die in einer Hand zu tragen, unbequem sind, besser. Dafür finden sich jene Nutzer, die bereits ein anderes Nexus-Gerät besitzen, sofort am Nexus 10 zurecht. Schade trotzdem, dass Google nicht zumindest die Option anbietet, die alte Tablet-Ansicht wiederherzustellen — das werden nun alternative Launcher von Drittanbietern richten müssen.

Absurderweise ist Google aber die Konsistenz über Formfaktorgrenzen hinweg nicht so wichtig, als dass die mit Android 4.2 neu eingeführte Quick Settings-Leiste genauso funktionieren würde wie am Smartphone: Während auf kleineren Geräten die neue Leiste nämlich per Zweifingergeste angezeigt werden kann, öffnet man die Benachrichtigungen am Nexus 10 durch eine Herabzieh-Geste auf der linken Hälfte der oberen Leiste, die Quicksettings auf der rechten Seite – die Zweifingergeste funktioniert hier nicht. Der Sinn dieser versetzten Menüs und der anderen Funktionsweise als am Smartphone erschließt sich dem Tester nicht, zumal nicht einmal beide Leisten parallel geöffnet sein können und sich deren ausgezogene Positionen im Portrait-Modus unschön überlappen.

Nach unserem Kenntnisstand bei Android-Geräten bislang einmalig ist, dass die Lautstärketasten beim Nexus 10 verkehrt herum funktionieren: Drückt man nach links, bzw. im Portrait-Modus nach oben, wird die Systemlautstärke verringert und andersherum. Im Landscape-Modus mag das sinnvoll sein, weil so die Drückrichtung mit der Onscreen-Lautstärke korrespondiert. Im Portraitmodus ist die Lautstärke hingegen wieder gegensätzlich: Drückt man nach oben, geht die Lautstärke runter — nach wie vor bleibt es also verwirrend.

Der Mehrbenutzerbetrieb, den Google für Android 4.2 nur auf Tablets freigegeben hat, ist per se eine willkommene Option, schließlich kursieren Tablets ja gerne auch innerhalb von Familien. Die Einrichtung und das Wechseln zwischen den Accounts sind recht einfach, Einstellungen, Homescreen und Apps kann jeder Nutzer für sich selbst festlegen. Über die Quicksettings-Leiste kann man halbwegs komfortabel den Nutzer wechseln — neue Nutzer einzurichten geht freilich nur über einen speziellen Punkt in den Einstellungen.

Leider sind die Icons zum Nutzer-Umloggen auf dem Lockscreen platziert. Wenn man also für sein Gerät etwa das Entsperren per Face Unlock aktiviert hat und einen anderen Nutzer einwählen möchte, muss man sich beeilen, bevor die Gesichtserkennung beendet ist und das Gerät den eigenen Account aktiviert; das ist leider recht nervig.

Verwirrend gerade für neue Nutzer könnte sein, dass die lokalen Benutzerkonten an Google-Accounts gebunden sind, aber unter einem lokalen Account trotzdem mehrere andere Google-Accounts eingerichtet sein können. Auch sind die Nutzeraccounts technisch nicht so streng voneinander abgeschirmt, dass dies Grundregeln der IT-Sicherheit entspräche. So gelten etwa gespeicherte WLAN-Netzwerke accountübergreifend. Wenn zwei lokale Accounts dieselbe App aus dem Play Store installiert haben, greifen sie auf die identische im System installierte APK zu, und so weiter. Soll heißen: Der mit Android 4.2 eingeführte Mehrbenutzerbetrieb in Android-Tablets ist ein schönes Komfortfeature etwa für Familien; am Arbeitsplatz, wo etwa sensible Informationen auf dem Gerät gespeichert sein könnten, sollte man jedoch Abstand davon nehmen, sie zu gebrauchen.

Apps machten auf dem Nexus 10 wenig Probleme, wobei nach wie vor das Problem besteht, dass viele Entwickler ihre Android-Apps nicht mit Layouts versehen, die an Tablets angepasst sind. Gute Tablet-Apps sind im Play Store nach wie vor bei Weitem nicht so üppig vorhanden wie etwa in Apples App Store, gegenwärtig ist aber zumindest der Trend erkennbar, dass immer mehr Entwickler ihre Apps entsprechend nachrüsten. Was uns noch auffiel: Ausgerechnet der für Tablets prädestiniert scheinende Social-Newsreader Flipboard lief nicht auf dem Nexus 10, dies war aber auch die einzige inkompatible App, die uns unterkam.

Das Surfen im Netz macht am Nexus 10 wiederum Spaß, der Chrome-Browser verhält sich hier beinahe wie sein Desktop-Pendant und auch die Performance beim Zoomen oder Scrollen ist kaum noch von der am Heim-PC zu unterscheiden.

Zusammengefasst erbt das Nexus 10 die kleineren Design-Macken von Android 4.2 und ärgert uns mit der Tablet-spezifischen Verschlimmbesserung in Sachen Usability. Davon abgesehen profitiert das Nexus 10 aber trotzdem davon, eben … ein Nexus zu sein: Es besitzt keine Bloatware, keine unnötigen Effektheischereien (man denke an die schlichtweg unpassenden Icons in Motorolas Blur-Oberfläche oder den mittlerweile unerträglich gewordenen Pfeif-Benachrichtigungston bei Samsungs Galaxy-Geräten) und das ganze OS entspricht den Visionen von Google – nur dass diese Visionen in Android 4.2 zum ersten Mal seit Langem einige Gründe zur Beanstandung lieferten. Beim Nexus 4 fiel das weniger ins Gewicht, aber insbesondere aufgrund des „deoptimierten“ Tablet-Layouts müssen wir dem Nexus 10 die Software-Bestnote verwehren.

Die Performance des Nexus 10

Das Nexus 10 ist das erste Android-Gerät (und nach dem aktuellen Samsung Chromebook das zweite überhaupt), in dem ein Exynos-Chip der fünften Generation steckt. Der Exynos 5250 besitzt zwei CPU-Kerne mit ARMs neuem Cortex A15-Design, er taktet auf 1,7 GHz und wird von einer potenten ARM Mali T604-Vierkern-GPU begleitet. 2 GB RAM stecken überdies in dem Gerät. Große Preisfrage: Kann die State-of-the-Art-Chiptechnik die Tatsache wettmachen, dass in dem SoC nur zwei CPU-Kerne statt deren vier takten? Zum großen Teil ja. In den Benchmarks wird es deutlich:

  • AnTuTu 3.0.2: 13621
  • CF-Bench 1.2: Overall 10928 (Native 17578, Java 6495)
  • GLBenchmark 2.5.1: Egypt Classic Offscreen 9448 @ 84 fps (weitere Ergebnisse siehe Screenshot)

Mit diesen Werten liegt das Nexus 10 zwischen der bislang performantesten Dual Core-CPU, dem Qualcomm Snapdragon S4, und den Geräten mit Quad Core-Tegra 3-SoC. Bei den Offscreen-Grafikbenchmarks überflügelt der Exynos 5250 die Leistungswerte von Tegra 3 zum Teil sogar recht deutlich.

Auf dem Homescreen ist die Performance des Nexus 10 meist sehr gut. Zu Rucklern kommt es allenfalls, wenn man aufwändige Live Wallpaper verwendet. In grafikintensiven Spielen muss man damit leben, dass das Nexus 10 an den unteren Enden der flüssigen Spielbarkeit kratzt, so etwa bei Need for Speed Most Wanted. GTA 3 lief mit allen Grafikeinstellungen auf Anschlag ebenfalls eher im Bereich der 15 FPS, hier hat man allerdings die Möglichkeit, die spielintern verwendete Auflösung herunterzuschalten. Mit einer Einstellung auf 75% lief GTA dann auch butterweich – ohne dass man sonst einen grafischen Unterschied hätte feststellen können.

Dieses Ergebnis unterstreicht unsere bereits im Abschnitt „Display“ geäußerte Vermutung: Die hohe Auflösung des Nexus 10 macht im Betrieb keinen oder kaum einen visuellen Unterschied zu 10-Zoll-Tablets mit „normalen“ FullHD-fähigen Displays in der Auflösung 1920 x 1080. Aber die GPU kennt den Unterschied: Während im Nexus 10 über 4 Millionen Pixel berechnet werden müssen, sind es im Transformer Pad TF700T Infinity „nur“ etwas über 2,3 Millionen, im Nexus 7 mit der Auflösung von 1280 x 800 sogar nur etwas über eine Million. An dieser Stelle muss die Frage aufgeworfen werden, ob die Bildqualität und der für diese Auflösung notwendige Rechenaufwand beim Nexus 10 noch in einem vernünftigen Verhältnis stehen, oder ob dessen Fabel-Schärfe nicht in erster Linie ein Werbegag für Techspec-Geeks ist.

Konnektivität und Speicher

Wir finden das zwar nach wie vor schade, haben uns aber mittlerweile daran gewöhnt: Das letzte Nexus-Gerät mit einem Speicherkartenslot war das Nexus One von Anfang 2010 – und wird es wohl auch bleiben. Entsprechend der Tradition lässt sich der Speicher des Nexus 10 nicht erweitern. Im Play Store bekommt man eine Variante mit 16 GB Speicher für 399 Euro, eine mit 32 GB für 499 Euro. Beide Tablets haben keine mobile Datenverbindung, nehmen also nur per WLAN mit dem Internet Kontakt auf. Das funktionierte im Test ohne Aussetzer.

Das Nexus 10 besitzt Bluetooth 3.0. Wer plant, das Gerät in Zusammenhang mit einer Musikstreaming-Anlage zu verwenden, sollte wissen, dass es im Netz zahlreiche Berichte über Probleme in diesem Zusammenhang gibt, die nicht auf das Gerät, sondern Android 4.2 zurückzuführen sind. Auch Android 4.2.1 scheint an der Problemlage nichts verbessert zu haben, hier muss man auf ein Bugfix-Update von Google warten.

Leider beherrscht das Nexus 10 nicht oder noch nicht, wie ursprünglich angenommen, die Bild- und Tonübertragung an Fremdgeräte per Wireless Display über den offenen Miracast-Standard. Warum das so ist, wissen wir nicht — möglicherweise wollte sich Samsung mit einem selbst produzierten Gerät keine Konkurrenz zum selbst lancierten proprietären AllShare-Standard machen, der inkompatibel mit Miracast ist. Immerhin verfügt das Nexus 10 über einen micro HDMI-Ausgang und kann so sein Bild mittels eines passenden Kabels oder Adapters für ein paar Euro an ein TV-Gerät ausgeben.

Wie nahezu alle aktuellen Android-Geräte besitzt das Nexus 10 natürlich auch NFC und kann somit Inhalte leicht an andere Nutzer per Android Beam weitergeben. Auch GPS ist an Bord, dürfte aber in diesem Gerät eher selten verwendet werden.

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Multimedia

Leider fraß das Nexus 10 im Test bei Weitem nicht jedes Videofile — sowohl an einem Xvid-AVI als auch einem H.264-MKV verschluckte sich das Gerät. Schade, denn mit seinem hochauflösenden Bildschirm ist das Nexus 10 natürlich prädestiniert fürs Filmeschauen. So muss man eben entweder auf eine alternative Abspielsoftware als die vorinstallierte Galerie- oder Movies-App zurückgreifen oder sich eben auf Play Movies und YouTube beschränken. Nebenbei erhält man mit dem Kauf des Nexus 10 den Animationsfilm „Ice Age“ in seinem Google Play-Account, ein netter Zug von Google. Fernsehen über die Zattoo-App klappte, allerdings dank einiger Grafikfehler nicht immer ganz reibungslos. Der Klang der nach vorne gerichteten Stereolautsprecher ist in Ordnung, beeindruckt aber nicht — es fehlt dem Sound deutlich an Bass. Bauartbedingt nützen die Stereo-Speaker natürlich auch wenig, wenn man das Tablet im Portrait-Modus hält. Qualitativ kann der Sound des Nexus 10 mit dem des Nexus 7 mithalten und er ist natürlich auch besser als das, was die Mono-Quäker in den letzten Transformer Pads ausgeben. An den Kindle Fire reicht er derweil nicht heran.

Im weiteren Sinne ebenfalls unter die Kategorie Multimedia fallen geschriebene Inhalte. Dank der hohen Display-Auflösung macht das Surfen im Netz auf dem Nexus 10 genauso viel Spaß wie das Lesen eines eBooks. Die Magazine im Play Store waren zum Testzeitpunkt in Deutschland noch nicht verfügbar, sodass wir diesen von Google als Haupteinsatzzweck proklamierte Anwendungsweise nicht ausprobieren konnte.

Insgesamt taugt das Nexus 10 als Medium zum Konsum von Inhalten, der Paradedisziplin eines „Sofageräts“, absolut. Der große Bildschirm ist die wichtigste Komponente, die Lautsprecher sind immerhin passabel.

Der Akku im Nexus 10

Die Frage nach der durchschnittlichen Akkulebendauer pro Ladung ist insbesondere bei Tablets nicht leicht zu beantworten, weil sie viel zu stark von individuellen Präferenzen abhängt. Wie oft nimmt man das Gerät zur Hand? Spielt man darauf, schaut man Videos oder surft man nur im Netz? Liegt das Gerät die meiste Zeit herum oder wird es ständig in die Hand genommen? Wie hell ist das Display eingestellt? Deswegen können wir hier keine pauschale Einschätzung zur Akkulaufzeit angeben. Der Akku ist mit 9000 mAh zwar recht üppig dimensioniert, es dauert aber auch entsprechend, ihn aufzuladen. Im Testzeitraum kam es dem Tester zudem so vor, als ob sich der Akku überproportional schnell entlädt, was sicher auch dem Display geschuldet ist. Ein Wochenende mit moderatem Surfen, einigen Spielen, App-Installationen und diversen Tests der Kamera konnte man aber trotzdem überstehen.

Unser Fazit zum Nexus 10

Für ein Tablet im 10-Zoll-Faktor macht das Nexus 10 eine gute Figur, insbesondere das Display und die Verarbeitung konnten uns überzeugen. Wer ein Android-Gerät möchte und auf die Variabilität der Transformer-Reihe verzichten kann, erhält mit dem Nexus 10 ein gutes Tablet seiner Klasse. Ärgerlich sind hingegen die Änderungen, die Google an der Tablet-UI von Android vorgenommen hat sowie die generellen Schwierigkeiten und Inkonsistenzen von Android 4.2. Auch zu beachten ist, dass der Preis des Nexus 10, verglichen zu Nexus 4 und Nexus 7 zwar immer noch gut sind, aber in dieser Geräteklasse ähnlich gute Konkurrenzprodukte zu vergleichbaren Preisen existieren — das Nexus 10 ist schlicht kein Preisbrecher wie Nexus 4 und Nexus 7.

Würde ich als Tester mir persönlich ein Nexus 10 kaufen? Auch wenn mir die Benutzung Spaß gemacht hat, antworte ich zaghaft „Nö“. Denn der Testzeitraum hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie unpraktisch ich Geräte finde, die ich zwangsweise in beiden Händen halten muss — dass mich das Nexus 10 dank seiner Android 4.2-„Optimierungen“ gehäuft zum Balanceakt des Devices auf einer Hand zwingt, kommt erschwerend hinzu. Wenn mir ein Tablet ins Haus kommt, dann das Nexus 7, denn das ist kompakter, genauso leistungsstark und ebenfalls ein Nexus. Das kann ich auf dem Sofa benutzen, aber eben auch mal im Bus. Und das Display? 300 ppi sind sicher toll, aber ich brauche sie nicht, wenn ich keinen Unterschied zu anderen HiRes-Displays erkenne und ich dieser Pixeldichte auch noch unnötig Performance opfern muss.

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Wertung zum Nexus 10

  • Verarbeitung und Haptik: 4/5
  • Display: 5/5
  • Performance: 4/5
  • Akkulaufzeit: 3/5
  • Konnektivität: 3/5
  • Software: 4/5
  • Multimedia: 4/5

Gesamt: 3,9/5

Pro

  • Für ein Kunststoffgehäuse gut verarbeitet
  • Scharfes Display
  • Stock-Android

Kontra

  • Tablet-Oberfläche schlechter als in älteren Android-Versionen
  • CPU nur mittelmäßig performant
  • Relativ hoher Akkuverbrauch

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    [...] Ich habe den Test noch mal gelesen. Die haben anscheinend mehrere xvid-avi getestet und nur mit einer gab es ein Problem. Wann wird es das Teil endlich wieder geben? Hier der Testbericht. http://www.androidnext.de/tests/nexus-10/ [...]

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