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Kindle Fire HD 7.0: Test zum Nachfolger des Tablet-Revoluzzers


22.10.2012, 16:05 Uhr

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Der Kindle Fire HD ist in der Redaktion eingetrudelt. Wir werfen im androidnext-Testbericht einen Blick auf die 7-Zoll-Version des Tablets, die zwar ohne Googles Segen, aber mit Android im Herzen daherkommt und dem Tablet-Kracher Nexus 7 Konkurrenz machen will.

Das Gerät wurde uns freundlicherweise vom Kollegen Christof Wallner zur Verfügung gestellt, der auf TabTech bloggt. Vergelt’s Gott!

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Der Kindle Fire HD ist bislang nur in den USA auf dem Markt, nicht jedoch in Deutschland. Amazon hat die Software noch nicht eingedeutscht, unser amerikanisches Testgerät ist nur auf Englisch nutzbar – was uns als anglophile Redaktion nicht weiter stört. Problematisch ist, dass die angebundenen Amazon-Dienste ebenfalls nur zum Teil nutzbar sind. Wir haben uns nach intensiver Diskussion trotzdem entschieden, dem Tablet einen vollen Gerätetest zu widmen. Die Anbindung an die verschiedenen Amazon-Services ist ein zentrales, wenn nicht das zentrale Merkmal des Gerätes, aber mit ein paar Tricks ist es möglich, diese auch hierzulande zumindest zu emulieren und nachvollziehbar zu machen. Näheres dazu im Abschnitt „Software“. Wir werden das Gerät gegebenenfalls nach dem Deutschlandstart noch einmal unter die Lupe nehmen und unser Urteil dann überprüfen.

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Haptik, Optik und Verarbeitung

Nach dem Auspacken aus der nüchternen Pappschachtel macht der Kindle Fire einen sehr guten ersten Eindruck. Das Gerät lässt sich mit einer normal großen Hand noch gut in derselben halten, ist aber mit 395 Gramm etwas schwerer als das Nexus 7 (340 Gramm). Anders als der erste Eindruck es vermittelt, ist der Kindle Fire HD auch größer als das Nexus 7 — im direkten Vergleich ragt das Amazon-Gerät mit den Maßen von 19,3 x 13,7 x 1 cm an der Längsseite deutlich hervor, was daran liegt, dass sich Amazon für ein konservativeres Design entschieden hat. Soll heißen: Der Bezel, also der Rahmen zwischen Display und Gehäuserand, besitzt eine gleichmäßige Größe, während ASUS und Google beim Nexus 7 die langen Seiten verdünnt und die kurzen Seite verbreitert haben. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass der Kindle Fire HD, im Gegensatz zum Nexus 7, als im Landscape-Modus zu verwendendes Gerät gedacht wurde. Die Anordnung der Boxen, die Position der Frontkamera (oben mittig auf der längeren Seite) und die Beschriftung auf der Rückseite unterstreichen diesen Eindruck.

Amazon hat recht hochwertige Materialien zum Bau verwendet: Die Front ist aus kratzfestem Gorilla Glass hergestellt, die Rückseite besteht aus Kunststoff, der etwas angeraut wurde und sich sehr gut anfühlt. Leider ist das Material auf der Rückseite dennoch anfällig für Fingerabdrücke. Der abgerundete Kunststoffrücken wird von einem metallenen, im Landscape-Modus gehalten quer verlaufenden Streifen unterbrochen. Dieser erhöht nicht nur die Stabilität des Gerätes im Vergleich zu den durchgehenden Plastikverkleidungen anderer Geräte, sondern ist auch ein markantes optisches Element. An den äußeren Enden der Metallstreifen sind zwei ebenfalls streifenförmig verlaufenden Öffnungen der Stereo-Lautsprecher eingelassen, außerdem ist darauf der „kindle“-Schriftzug eingestanzt. Das Design besitzt damit ein leichtes Art Déco-Element. Die Spaltmaße sind recht klein und, anders als etwa beim Nexus 7, kann man das Gehäuse nicht eindrücken.

Kritisch betrachtet werden müssen die Hardware-Buttons für Lautstärke und Power: Diese heben sich so gut wie gar nicht vom Gehäuserand ab — der Nutzer muss sich häufig optisch auf die Suche nach den Tasten machen, weil sie nicht erfühlbar sind. Selbst wenn man die Position der Tasten nach einiger Zeit der Benutzung eingeprägt hat, ist das noch nötig, weil man die Tasten für „Lautstärke hoch“ und „-herunter“ nicht auseinander halten kann; mal ganz abgesehen davon, dass die Tastenkombination zum Anfertigen von Screenshots („Power“ und „Lautstärker runter“ gleichzeitig gedrückt halten) einer Tortur gleichkommt.

Insgesamt wirkt der Kindle Fire einen Tick wertiger verarbeitet als das Nexus 7, ist allerdings aufgrund der höheren Maße und des größeren Gewichts allerdings auch etwas weniger mobil.

Display

Dank eines IPS-Displays mit der Diagonale von 7 Zoll und einer True HD-fähigen Auflösung von 1280 x 800 hat der Kindle Fire HD dieselbe Pixeldichte von 216 ppi wie das Nexus 7. Zum Vergleich: Trotz des wohlklingenden Marketing-Terminus „Retina-Display“ kommt auch das iPad 3 auf eine Pixeldichte von „nur“ 264 ppi, das FullHD-fähige 10-Zoll-Tablet Transformer Pad TF700 „Infinity“ hat kaum schärfere 224 ppi.

kindle fire hd-display

Im direkten Vergleich mit dem Nexus 7 schneidet das Display des Kindle Fire HD etwas besser ab: Die maximale Helligkeit ist sehr gut, die Reflexionen gering — auch unter freiem Himmel kann man den Bildschirm gut ablesen, zumindest wenn man sich nicht in der prallen Mittagssonne befindet. Die Kontrastwerte sind im Kindle Fire HD besser als beim Nexus 7 und überzeugen durch ein sattes Schwarz, ein helles, aber latent gelbstichiges Weiß und intensive Farben. Auch die Farbtreue bei spitzeren Blickwinkeln ist für ein LC-basiertes Display hervorragend. Videos anzuschauen, Spiele zu spielen und auch Bücher zu lesen, macht auf dem Kindle Fire wirklich Spaß. Zumindest, wenn man die automatische Helligkeitsanpassung deaktiviert — denn wie in fast jedem anderen Android-Device bewirkt diese ein meist viel zu dunkles Bild.

Insgesamt macht das Display des Kindle Fire HD einen sehr guten Eindruck, lediglich eine leichte Schlierenbildung bei schnellen Bewegungen auf dem Bildschirm trübt den Gesamteindruck ein wenig — das ist aber absolut verschmerzbar.

Kamera

Am Kindle Fire HD befindet sich keine Rückkamera, wie bei Geräten in dieser Preisklasse üblich. Die Frontkamera, die vorzugsweise in Videotelefonaten per Skype zum Einsatz kommt, produziert gute Ergebnisse und löst mit 1,3 MP auf. Aufgrund der geringen Relevanz der Kameraleistung für Tablets im Allgemeinen und diese Geräteklasse im Besonderen, fließt sie aber nicht in die Wertung ein.

Software

Auf dem Kindle Fire HD ist Android installiert. Es handelt sich aber um kein Android, wie die meisten es kennen: Amazon hat für den Kindle Fire HD Android in der Version 4.0 aus dem AOSP (Android Open Source Project) abgezweigt. Das ist legal, allerdings erhält Amazon als Google-Konkurrent, der seine eigenen Dienste darauf lieber positionieren möchte als die von Google, keine offizielle Lizenz. Ohne diese fehlen wiederum alle Google-Apps und der Play Store. Aber auch sonst hat Amazon ordentlich Hand angelegt und das Standard-UI einer Rosskur unterzogen, die sich gewaschen hat: Nahezu kein Element ähnelt mehr dem Standard-UI von Android — am ehesten erkennt man ICS tatsächlich noch anhand der funktionsgleichen Benachrichtigungsleiste und der runden Ladeanimation, die hier aber orange statt blau ist.

Dass sich Amazon so weit von Stock-Android entfernt, ist verständlich, schließlich will man sich ja von der Konkurrenz differenzieren. Aber ist das, was Amazon stattdessen anbietet, auch benutzbar?

Amazons Kindle Fire-UI

kindle fire homescreen

Der Kindle Fire HD besitzt keine Trennung zwischen Homescreen und App-Drawer wie die meisten Android-Oberflächen. Stattdessen werden alle, bzw. die zuletzt verwendeten Medien in einer horizontal durchscrollbaren Leiste auf dem Homescreen gezeigt — also Apps, Spiele, Filme, Webseiten, Bücher, Hörbücher und so weiter. Möglichkeiten, diese Liste selbst zu ordnen, gibt es nicht, man kann lediglich per Langdruck einzelne Medien entfernen und über eine Textleiste darüber die einzelnen Apps für die entsprechenden Kategorien anspringen. Das ist zum Teil hakelig und erfordert häufig mehr Navigationsschritte, als man es von Standard-Android gewohnt ist.

Die grundlegende Bedienung des Tablets funktioniert aber wie von Android-Tablets bekannt: Da sind zum einen die Softwaretasten für „Zurück“, „Home“, die von Amazon durch Buttons für die Funktionen „Suchen“ und „Bookmarken“ ergänzt werden. Dazu kommen, je nach App, andere Elemente, etwa der Vollbild-Button im Browser. Auch die Tastenanordnung ist ungewohnt: Links unten liegt die Home-Taste, die Zurück-Taste in der Mitte — unintuitiv. Ebenfalls als schlechte Designentscheidung ist zu beurteilen, dass die Leiste beim Wechsel zwischen Landscape- und Portrait-Modus ihre Position behält: Hält man das Tablet hochkant ist die Leiste unten, beim Querhalten an der rechten Seite. Auch die Buttons behalten dabei ihre Position, wodurch man insbesondere in der Anfangszeit der Nutzung stets gefühlt einige Zehntelsekunden länger suchen muss. Dieses Tohuwabohu wird komplettiert durch die Tatsache, dass ICS-optimierte Apps auch gelegentlich zusätzliche Menüoptionen bereits über den Button rechts oben in ihrer eigenen UI anzeigen.

amazon kindle fire hd dropbox screenshots

Diese zwei Screenshots (oben) aus der Dropbox-App zeigen viele der UI-Probleme des Kindle Fire: Unintuitiv positionierte Standard-Buttons, eine Steuerungsleiste, die ihre Position wechselt (und somit „Home“ aus Sicht des Nutzers mal links unten, mal rechts unten anzeigt), ein gedoppeltes Lupen-Icon – und ein zusätzliches Android 4.x-Kontextmenü. Gerade Einsteiger dürften hier überfordert sein.

kindle fire hd vollbild-lasche

Bei aller Konfusion: Positiv anzumerken ist, dass Amazon ein altes Problem von Android-Geräten elegant umschifft: Die Software-Buttons werden in Vollbild-Apps, etwa Spielen, ausgeblendet und können per Tap auf eine kaum sichtbare Softwarelasche bei Bedarf wieder angezeigt werden – hier im Bild orange markiert. Den Trick darf sich Google gern abschauen.

amazon kindle fire hd benachrichtigungen

Benachrichtigungen funktionieren wie von Android gewohnt per Pulldown-Menü. Die Leiste wird herabgezogen und einzelne Benachrichtigungen können per horizontaler Wischgeste entfernt werden. Auch Buttons für Quick-Settings stehen zur Verfügung — über den „More“-Button, und irritierenderweise nur über diesen, erreicht man die Geräteeinstellungen.

Kindle Fire HD: Die Shoppingmall unter den Tablets

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Der Store ist immer nur einen Klick entfernt: Die Gerätesuche des Kindle Fire HD (links) und das Bücherregal in der Kindle-App (rechts)

Der Kindle Fire HD ist konsequent auf die Nutzung mit den digitalen Mediendiensten von Amazon ausgelegt: Für Apps und Spiele ist das der Amazon Appstore (hierzulande App-Shop), Musik gibt es über den Cloud Player nebst Anbindung an Amazon MP3, für Filme in Deutschland die Verknüpfung mit Lovefilm, für Hörbücher Audible und für Bücher natürlich den Kindle Store. Die Shops sind ziemlich komfortabel angebunden, soweit wir das beurteilen können: Medien werden mit einem Tap gekauft, was damit kaum die Wahrnehmungsschwelle des Nutzers erreicht. Über die somit mit Sicherheit deutlich höhere Zahl an gekauften Inhalten freuen sich Amazon und die Contentindustrie gleichermaßen.

Leider ist es nicht, wie von Android gewohnt, möglich, Kindle-fremde Dateien einfach per USB auf das Gerät zu übertragen und sofort konsumieren zu können, denn diese werden in den entsprechenden Apps nicht automatisch angezeigt. Außerdem können die Standard-Player viele Formate, auch gängige, nicht wiedergegeben. So sind etwa Xvid-Files oder H.264-Videos in MKV-Containern nicht ohne Player von Drittanbietern abspielbar.

Es ist also in jedem Fall empfehlenswert, die Installation von APK-Dateien aus unbekannten Quellen zu aktivieren und einen zusätzlichen Datei-Explorer wie den Total Commander zu installieren. Nur so kann man in vielen Fällen Medien öffnen/konsumieren, die man nicht per Amazon-Ökosystem erstanden hat. Auch die Installation von Dropbox oder anderen Online-Speicherdiensten zur einfachen Übertragung von Daten ist empfehlenswert. Damit ist der Amazon Kindle Fire HD zwar noch kein „Walled Garden“ wie die Apple-Devices — es lässt aber auch die von Android gewohnte Offenheit vermissen.

Amazon lässt keinen Zweifel daran, dass das Gerät als Shopping-Device konzipiert wurde. Werbung für die Amazon-Dienste findet sich überall im System, der Shop ist stets nur einen Tap entfernt. Bereits auf dem Lockscreen wird der Nutzer beispielsweise mit Trailern zu neuen Kinofilmen konfrontiert, wiewohl hier auch Werbung für externe Produkte angezeigt wird — in unserem US-Modell etwa für Intel oder Smartphones des Mobilfunkanbieters AT&T. Auch im UI erblickt man die von Amazon bekannten Artikelempfehlungen, teils wohl auch basierend auf vom Nutzer bereits verwendeten Medien. Wer das nicht will, soll mit einer „Ablösegebühr“ von 15 Euro die Werbung systemweit entfernen können. Das ist aber eigentlich nicht nötig, denn die Werbung kommt als Wolf im Schafspelz daher: Sie ist dezent und passt oft so gut, dass man sie im Grunde nie als störend empfindet. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Privatsphäre-Advokaten, die keine Persönlichkeitsprofile von sich erstellt haben möchten, den Kindle Fire HD meiden sollten wie der Teufel das Weihwasser (genau wie Amazon-Dienste im Allgemeinen).

Kindle Fire HD in der US-Version — was geht und was nicht geht

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Amazon Appstore auf dem Kindle Fire HD: Ohne US-Kreditkarte kann man nicht einmal kostenlose Apps herunterladen

Wie bereits erwähnt konnten wir nicht jede App dahingehend testen, wie gut die Anbindung an die Amazon-Services funktioniert. Es war zwar möglich, einen (deutschen) Amazon-Account einzurichten, der Kauf von Medien scheiterte aber in einigen Fällen daran, dass keine US-Kreditkartendaten hinterlegt waren. Konkret:

  • Filme konnten nicht über den US-Videoservice geliehen werden. In Deutschland soll Lovefilm.de angebunden werden, ein kostenloser Probemonat für den Abonnement-basierten Dienst ist optional. Aus dem amerikanischen Angebot können lediglich Trailer betrachtet werden, auch das Abspielen von gängigen Videodateiformaten ist nicht ohne weiteres möglich.
  • Der MP3-Player beinhaltete noch nicht die vom Tester bei Amazon.de gekauften MP3s. Allerdings ließ sich der Account bei Amazons Pendant zu Google Play Music, dem Cloud Player, nutzen, mit dem man auch lokale MP3s synchronisieren und fortan auf dem Gerät anhören kann.
  • Neue Bücher und Apps konnten nicht über das Gerät gekauft und heruntergeladen werden. Allerdings standen die per PC gekauften Kindle-Bücher sowie die per Amazon App-Shop auf anderen Geräten gekauften Android-Apps zum Kauf und Download zur Verfügung. PDFs lassen sich in der Kindle-App per File-Explorer öffnen. Zudem kann man Apps auch sideloaden und als APK installieren.

Wir empfehlen zur Zeit ausdrücklich, von einem Kauf des amerikanischen Kindle Fire HD-Modells abzusehen, weil die Zusammenarbeit mit deutschen Amazon-Accounts alles andere als reibungslos ist. Im Grundsatz sind die Funktionen der Kindle-Software aber mit den genannten Workarounds vollkommen nachvollziehbar, sodass wir uns ein ausreichend umfassendes Bild machen können. Sollte es in der deutschen Version des Kindle Fire HD nach dessen Start größere Änderungen oder neue Probleme geben, reichen wir die nach und passen unsere Wertung gegebenenfalls an.

Ein Wort noch zum Thema Accounts: Anders als von den Google-Benutzerkonten bei anderen Android-Geräten gewohnt, ist es nicht möglich, mehr als einen Amazon-Account einzurichten. Es ist also nicht möglich, etwa die eigene Kindle-Buchsammlung und die Hörbücher der Ehefrau auf einem Gerät parallel zu verwenden. Schade!

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Die vorinstallierten Apps

Der Silk-Browser ist Amazons Variante des Android-Browsers. Er basiert ebenfalls auf WebKit, unterscheidet sich aber in einigen Punkten vom Stock-Browser. Im Test verlief das Scrolling und Pinch-to-Zoom nicht ganz so flüssig wie von Chrome oder anderen Browsern gewöhnt. Die optionale Beschleunigungs-Funktion, bei der alle Daten über Amazons Server-Infrastruktur geleitet und optimiert werden, brachte in unserem Test keinen wahrnehmbaren Geschwindigkeitsschub beim Laden der Seiten. Flash ist weder installiert noch installierbar.

kindle fire hd screenshots browser music app

Der Musikplayer ist funktional aufgebaut und erfüllt seinen Zweck. Praktisch ist die Anbindung an Amazons Speicherdienst, den Cloudplayer: Über eine Client-Software kann man vom Rechner aus automatisch (etwa per iTunes-Import) oder manuell Musik in seinen Account hochladen, die dann auf dem Gerät zur Verfügung steht und auch für die lokale Nutzung ohne Internetverbindung heruntergeladen werden kann. Ohne MP3-Käufe oder eine optionale mit zusätzlichen Kosten verbundene Erweiterung des Speichers sind die Möglichkeiten arg begrenzt: So kann man derzeit lediglich 250 Songs speichern.

Der Videoplayer präsentiert zuvorderst die neuesten Filmhits bei Amazon, die, wie erwähnt, hier nicht abgespielt werden können. Immerhin Trailer sind aber ansehbar. Dabei offenbart der Videoplayer ein durchwachsenes Bild. Praktisch ist die 10-Sekunden-Zurückspul-Funktion, weniger gut ist hingegen der Umschalter auf HD implementiert: Drückt man darauf, verschwindet der Schalter sofort. Erst nach mehreren Versuchen wird HD aktiviert.

Wie von einem Kindle-Gerät erwartet ist die E-Reader-Funktion über jeden Zweifel erhaben: Von der geräteübergreifenden „Whispersync“-Synchronisierung der aktuellen Lesestelle über Lesezeichen, Kommentare, Empfehlungsfunktionen wird kein Wunsch offen gelassen. Auch PDFs kann die Kindle-App per Dateimanager öffnen, an ePubs beißt er sich allerdings die Zähne aus.

Natürlich sind auch noch weitere Apps vorinstalliert. Am Rande seien noch der gute Skype-Client für komfortable Videotelefonie, ein Kalender, eine brauchbare Softwaretastatur und ein E-Mail-Client erwähnt. Die letztgenannten drei Apps entsprechen jedoch dem Android 4.0-Standard und bedürfen keiner gesonderten Erwähnung.

kindle fire appstore

Der Amazon Appstore, deutsch: App-Shop, ist mittlerweile recht gut sortiert und soll laut Angaben von Amazon mehrere zehntausend Apps und Games enthalten. Was nichts an der Tatsache ändert, dass man hier bei weitem keine so große Auswahl hat wie in Googles Play Store. Für manche mag das auch ein Vorteil sein: Die Apps werden bei Amazon per Hand auf Kompatibilität und mögliche Schadsoftware überprüft, man ist nicht gezwungen, sich durch ellenlange Listings auf der Suche nach einer gewünschten App zu wühlen und viel „Ausschussware“ bleibt einem erspart. Diverse von Android gewohnten Google-Apps, etwa YouTube oder Google Maps werden im Amazon-App-Ökosystem aber dennoch schmerzlich vermisst – ebenso Komfortfunktionen wie die Installation von Apps per Webbrowser.

Sehr angenehm ist hingegen, dass Amazon täglich eine neue, eigentlich kostenpflichtige, App gratis zur Verfügung stellt. Diese Apps sind nicht immer toll, aber zwei bis drei Hochkaräter pro Woche sind durchaus zu finden, häufig handelt es sich um Spiele. Der Nutzer wird somit schnell in die App-Landschaft hereingezogen, die einfachen und vielseitigen Möglichkeiten der Bezahlung von Apps, etwa per Bankeinzug, unterstützt Amazon weitaus besser als Google mit seinem Play Store.

Performance

Mit dem doppelkernigen und auf 1,2 GHz getakteten TI OMAP 4460 besitzt der Kindle Fire HD eine CPU, die bereits rund ein Jahr am Markt ist und beispielsweise auch im Galaxy Nexus von Samsung/Google verbaut wird. Für fast alle Einsatzzwecke mag das nach wie vor ausreichen, aus Sicht eines Hardware-Enthusiasten ist eine derart niedrig getaktete und noch in 45 nm Fertigungsdichte gebaute CPU freilich nicht mehr zeitgemäß. Der vierkernige Tegra 3-SoC im Nexus 7 bietet erheblich mehr Performance – das beweisen auch die Benchmarks.

Kindle Fire HD Benchmarks

  • Antutu: 6730 (Nexus 7: 10794)
  • CF-Bench: Overall 6235 / Native 10708 / Java 3253 (Nexus 7: Overall 11736 Native 20750 / Java 5728)

GLBenchmark ließ sich leider weder in Version 2.1.5 noch in 2.5 dazu überreden, verwendbare Ergebnisse auf dem Kindle Fire HD auszuspucken. Quadrant und die verschiedenen Browser-Benchmarks wurde aufgrund fehlender Aussagekraft nicht getestet. Dennoch zeigen bereits die Ergebnisse aus CF-Bench und Antutu die enorme Leistungsdiskrepanz zwischen Kindle Fire HD und Nexus 7. Auch wenn diese in synthetischen Benchmarks zumeist eklatanter scheint als in der alltäglichen Nutzung, ist das Nexus 7 doch das performantere Gerät und hat auch für Anwendungsszenarien in der Zukunft deutlich mehr Luft.

Leider gibt der Amazon Appstore nicht allzu viele Grafik-intensive Spiele her, die wir durch unseren Testparcour hätten jagen können. Immerhin liefen die Games, die wir testen konnten (EDGE, Final Freeway, Radiant HD, Collapse! und Dummy Defense) durchgehend flüssig. Einzig Trial Extreme 2 hatte leichte Grafikfehler und verschluckte sich zeitweise an der Geräteausrichtung, wodurch das Bild verkehrt herum dargestellt wurde.

Auch das UI ist nicht immer hundertprozentig flüssig. Insbesondere längere Listings neigen bei schnellem Scrollen zu leichtem Ruckeln — nicht störend, aber wahrnehmbar. In Anbetracht der Tatsache, dass Android 4.0 der Software zugrunde liegt, hätte das mit ein bisschen Optimierungsarbeit am UI von Amazon sicher besser werden können.

Speicher und Konnektivität

Etwas Licht, aber deutlich mehr Schatten gibt es in Sachen Anschluss- und Verbindungsfreude beim Kindle Fire HD zu vermelden: Positiv herauszuheben ist, dass sich das Gerät, ähnlich wie das Nexus 7, per micro USB laden lässt — vielleicht findet damit die Ära der proprietären Ladelösungen so langsam endlich ein Ende. Auch der mini-HDMI-Ausgang (Kabel wird nicht mitgeliefert) ist positiv zu erwähnen. Dass es kein 3G-Modul gibt, ist in dieser Preisklasse nachvollziehbar. Das WLAN-Modul besitzt laut Spezifikationen zwei Antennen, in der Realität haben wir deren Auswirkungen nicht bemerkt. Bluetooth ist an Bord und ermöglicht den kabellosen Anschluss kompatibler Peripherie — NFC, GPS, Näherungssensor und Kompass fehlen hingegen.

Der Kindle Fire HD kommt in zwei Speichervarianten: Die mit 16 GB kostet 199 Euro, die mit 32 GB 249 Euro. Eine Erweiterung per Speicherkarte ist nicht möglich.

Multimedia

Zu den eher mittelmäßigen Funktionen der Audio- und Videoplayer und der unterdurchschnittlichen Formatunterstützung haben wir uns bereits geäußert. Hardware-Technisch macht das Tablet hingegen einiges richtig: Da sind zum einen die Boxen, die nicht nur Ton in Stereo wiedergeben — ein Effekt, den man freilich nur beim Halten im Landscape-Modus erzielt —, sondern dank Dolby Audio-Softwareverbesserungen auch einen überraschend satten Klang bieten. Die in Spielen selten vernehmbaren Störgeräusche führen wir auf schlecht programmierte Apps zurück, das Display haben wir weiter oben bereits gelobt. Fazit: Für Spiele oder einen auf dem Sofa genossenen Film ist der Kindle Fire HD vollkommen ausreichend. Dank HDMI-Out kann man seine Medien auch auf dem großen Bildschirm genießen, für Streaming per DLNA ist jedoch eine App wie Skifta vonnöten — die findet man im Amazon Appstore.

Alltagstauglichkeit

Aufgrund der fehlenden Verbindung zu mobilen Datennetzen wird der Kindle Fire HD zumeist wohl in Innenräumen eingesetzt werden. Bei der „Sofanutzung“ macht der Kindle Fire eine gute Figur, wiewohl er dank größerer Maße und höherem Gewicht nicht mehr so gut in der (Männer-)Hosentasche Platz findet und für kleine Hände auch merklich unhandlicher ist. Der Akku ist 4400 mAh groß und damit in seiner Kapazität nahezu identisch zum Nexus 7 – im Test kam uns die Akkulaufzeit eher kürzer vor. Bei regelmäßiger Nutzung musste das Gerät täglich an die Steckdose.

Nexus 7 oder Kindle Fire HD? Unser Fazit

Der erste Kindle Fire hat Ende 2011 einen ganz neuen Markt aufgemacht: Brauchbare und kompakte Tablets, die auf das Wesentliche reduziert sind und wenig kosten. Der Nachfolger des ersten Fire hat ein Problem: Die Konkurrenz schläft nicht und er steht nicht mehr allein auf weiter Flur da. Noch vor wenigen Monaten hätte der Kindle Fire HD eine deutlich bessere Wertung bei uns erhalten, nun aber ist das Nexus 7 erschienen und wirbelt das brachliegende Android-Tablet-Business noch stärker auf als der erste Kindle Fire. Am Nexus 7 muss sich der Kindle Fire HD messen lassen — und so leid es uns tut, hier zieht er den Kürzeren.

Ja, der Kindle Fire ist etwas besser verarbeitet als das Nexus 7, hat ein hübscheres Display, überzeugenderen Sound und einen HDMI-Ausgang. Damit sind die Vorteile des Amazon-Siebenzollers aber auch schon aufgezählt — in jeder anderen wichtigen Disziplin ist das Gerät von Google und ASUS dem Kindle Fire HD einen Tick voraus: Performance, Betriebssystem, App-Ökosystem, Standard-Apps, Offenheit. Ein in manchem Test gelesenes Argument, dass der Kindle die bessere Wahl für Nutzer sei, die mehr Wert auf die Amazon-Dienste als Google Play und Googles Interpretation von Android legen, lassen wir in dem Zusammenhang nicht gelten — denn nahezu alle Amazon-Dienste lassen sich mit zusätzlichen Apps, so etwa die Kindle-App und Amazon MP3, auch auf dem Nexus nutzen. Einzig die jüngst von Amazon angekündigte Kindle-Leihbibliothek wird wohl bis auf weiteres auch nur auf Amazon-Hardware ihre Pforten öffnen.

So bleibt dann unser Fazit zum Kindle Fire HD auch, dass es sich zwar um kein schlechtes Gerät handelt, seine wichtigste Leistung ironischerweise aber darin besteht, uns noch einmal aufzuzeigen, wie gut das Nexus 7 ist.

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Kindle Fire HD 7 Zoll — unsere Wertung

  • Verarbeitung und Haptik: 4/5
  • Display: 4/5
  • Performance: 3/5
  • Akkulaufzeit: 3/5
  • Konnektivität: 3/5
  • Software: 3/5
  • Multimedia: 3/5
  • Alltagstauglichkeit: 3/5

Gesamt: 3,3/5

Pro

  • Gute Verarbeitung
  • Sehr gutes Display
  • HDMI-Ausgang

Kontra

  • Software in vielen Bereichen Stock-Android unterlegen
  • Nur mittelmäßige Performance
  • Diverse Konnektivitäts-Standards fehlen

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    [...] Androidnext macht eines klar: Das Gerät ist in erster Linie ein Multimedia-Tablet. Das erkennt man bereits am Design. Die Frontkamera ist mittig angebracht, die Lautsprecher und Beschriftungen an der Rückseite deuten ebenfalls darauf hin, dass der Kindle Fire HD gern im Quer- bzw. Landscape-Modus gehalten werden will. Probleme gibt es allerdings, wenn man fremde Dateien abspielen will. [...]

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