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HTC One (M7, 2013) im Test: Das beste Smartphone der Welt?


28.03.2013, 20:18 Uhr

HTC-One

HTC hat schwere Zeiten hinter sich, 2012 war alles andere als ein Erfolgsjahr für die Taiwaner. Mit dem neuen Flaggschiff, dem HTC One, meldeten sich die fast schon totgesagten Android-Smartphone-Veteranen im Februar dieses Jahres eindrucksvoll zurück. Wir haben das Alu-Schmuckstück auf Herz und Nieren getestet und sind — so viel sei vorweg verraten — sehr angetan, von einem Gerät, das nicht nur betörend gut aussieht, sondern auch technisch bis auf einige Mankos fast alles richtig macht. Wo das One seine Defizite hat und ob es insgesamt dennoch für den Interimstitel „Bestes Smartphone des Jahres“ reicht, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

Zugegeben, die Überschrift dieses Testberichtes klingt auf den ersten Blick etwas übertrieben — kann ein Smartphone überhaupt das „beste der Welt“ sein? Sollte es das sein? Dann könnten theoretisch ja alle anderen Hersteller dicht machen und auch HTC bräuchte künftig nichts mehr herstellen. Viele Menschen wären arbeitslos und auch wir in der Redaktion hätten nicht mehr allzu viel zu berichten. Warum also das Streben nach dem Superlativ? Nun, in den Wochen vor der offiziellen Präsentation des One hat man ahnen können, wie sehr man bei HTC hinter diesem Smartphone steht, wie viel für das Unternehmen an ihm hängt; wir haben jüngst gehört, das CEO Peter Chou gar zurücktreten möchte, sollte der 4,7-Zoller keine Erfolg werden. Sind das zu große Hoffnungen, die man in Taiwan in ein einziges Smartphones steckt? Ist das HTC One so viel Vertrauen wert? Kann es so ein (metaphorisches) Gewicht haben, dass es über Gedeih und Verderb eines Herstellers entscheiden darf? Ist es wirklich das eine Gerät, das der Kunde 2013 kaufen sollte?

HTC-One1

Seit der Vorstellung des in Aluminium gekleideten Full HD-Phones wogt jedenfalls eine Welle der Begeisterung durch die Techblogs, die Smartphone-affinen Medien, deren Kommentar-Bereich und die einschlägigen Foren — Journalisten, Blogger und Nutzer scheinen sich einig, dass das One ein äußerst begehrenswertes Stück Technik ist und bis auf ein paar kleinere Mängel hinsichtlich der Kamera, der Akkulaufzeit und dem leidigen Thema Sense-UI alles richtig macht. Auch wir in der androidnext-Redaktion waren vom ersten Anblick des Gerätes beim Launch bis zum ersten Befühlen während der Berlin-Präsentation geradezu verzaubert vom One. Seit zwei Wochen befindet sich das Testgerät nun in meinen Händen, in meiner Tasche, liegt auf meinem Schreib- und Nachttisch und begeistert mich wie am ersten Tag mit dem makellosen Design und der fantastischen Haptik. Doch wie schlägt es sich abseits von Äußerlichkeiten im Alltag, wie gut ist die Software, wie potent der Akku, was können das 1080p-Display und die ungewöhnliche Ultrapixel-Kamera sowie die stark nach Marketing klingenden Features BoomSound, BlinkFeed und Zoe wirklich?

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Das HTC One im Video

Bevor wir den aufgeworfenen Fragen detailliert nachgehen, bewundern wird das One, quasi zur Einstimmung, noch einmal in bewegten Bildern — in Form unseres Unboxings sowie der erstens des Hardware- und des Software-Hands-Ons:

HTC One im Unboxing


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HTC One im Hardware Hands-On


    YouTube-Logo

HTC One im Software Hands-On


    YouTube-Logo

Design, Haptik und Verarbeitung des HTC One

HTC-One-blck-white-front

Auch wenn die Tech-Welt quasi unisono festgestellt hat, dass das One ein Meisterstück des Gadget-Design anno 2013 ist und auch wenn wir jedes Mal, wenn wir postulieren, wie schön dieses Smartphone ist, gleichzeitig Angst haben, ihm damit etwas von seiner Anmut zu stehlen (gleich einem tollen Song, der im Radio kaputtgespielt wird), kommen wir in diesem Test natürlich nicht umhin, die Gestalt des One noch einmal eingehen zu beleuchten. Gerade auch, weil das One Gefahr läuft, uns im wahrsten Sinne des Wortes mit seinen äußeren Reizen zu bezirzen und eventuell über die eine oder andere Schwäche hinweg sehen zu lassen, muss speziell dieses Smartphone ganz genau betrachtet werde. Schwärmen wir also zunächst ausgiebig.

HTC-One-Rücken-Klinke

Wenn ein überzeugter (und sonst wenig Technik-affiner) iPhone-Besitzer mir gegenüber beim Befühlen des HTC One zwar zu Protokoll gibt, dass er „niemals ein anderes Smartphone als eines von Apple nutzen“ werde, gleichzeitig aber eingesteht, dass das HTC One so viel schöner sei als das Pendant aus Cupertino; wenn ein eingefleischter Galaxy S-Serien-Nutzer wie ich, der bislang auf Materialwahl und Wertigkeit eines Smartphones zugunsten roher Hardware-Power gepfiffen hat, diese Ignoranz beim ersten Anblick des HTC One über Bord wirft und spätestens beim ersten Anfassen des Alu-Unibodys verliebt versucht ist, den ansonsten ausgezeichneten Polycarbonat-Geräten aus Korea den Rücken zu kehren, um sich das betörende taiwanische Flaggschiff zuzulegen, dann spricht das eine zugegeben subjektive aber deutliche Sprache. Das HTC One sieht umwerfend gut aus und liegt perfekt in der Hand.

HTC-One-vs-S3-back

Egal ob das stealth-schwarze Modell oder sie silber-graue Version (die ich persönlich bevorzuge), das schlichte Industrie-Design mit dem zurückhaltenden Understatement und den gleichzeitig so wirksamen Detailarbeiten wirkt derart stimmig und — ja, bemühen wir ruhig dieses Adjektiv — perfekt, dass man sich zuweilen fragt, warum Smartphones nicht immer so aussehen und ob es überhaupt Sinn macht, dass künftige Geräte anders gestaltet werden.

Dies liegt vorrangig am verwendeten Material — das One präsentiert sich im traditionellen HTC-Alu-Unibody —, am schnörkellosen Design und an den erwähnten Details, derer man sich erst auf den zweiten Blick, eigentlich sogar erst beim dritten oder vierten Anfassen bewusst wird: Insgesamt ist das One flach und geradlinig — ja, es gibt abgerundete Ecken, der Screen und die Front sind aber plan, ohne die zuletzt so häufig gesehenen Wölbungen nach außen. Sämtliche Buttons und Buchsen an den Rändern sind so gestaltet, dass sie beim frontalen Blick auf das Gerät kaum herausstehen.

HTC-One-LED

Auf der Front stechen zunächst die beiden großen Stereo-Lautsprecher auf der oberen und unteren Leiste ins Auge, die den BoomSound liefern (dazu später mehr), dazwischen liegt das Full HD-Display mit den beiden Softbuttons „Zurück“ und „Home“, mittig das HTC-Logo. Oben rechts neben dem Speaker befindet sich die Weitwinkel-Frontkamera, linkerhand sind Näherungs- und Helligkeitssensor platziert, die Benachrichtungs-LED ist unter dem Lautsprechergrill verbaut (unterste Zeile, dritte Öffnung von links). Am rechten Rand positioniert sich die Lautstärkewippe, die quasi völlig plan in das Gehäuse integriert und damit relativ schwer zu ertasten ist; dafür punktet sie mit güt spürbaren Druckpunkten. Auf der linken Seite parkt einzig der Schlitten für die MicroSIM-Karte, der wie beim iPhone mittels eines speziellen dünnen Metallstifts ausgefahren wird. Am unteren Rahmen sind Micro-USB-Buchse und das Mikrofon platziert, oben finden sich der 3,5 Millimeter-Klinkenstecker und ziemlich weit links der Powerbutton, der gleichzeitig der IR-Blaster beherbergt. Die Positionierung des Power-Buttons ist ziemlich ungewöhnlich: Zwar ist er beim Halten der Gerätes in der rechten Hand mit dem Zeigefinger gut erreichbar, dennoch ist hier ein wenig Umgewöhnung gefordert, wenn man etwa an die Positionierung der Powertaste am rechten Rand gewöhnt ist wie bei Samsung.

HTC-One-Lautstärkewippe

Die Rückseite des One ist nicht plan sondern leicht gewölbt, wodurch das Smartphone im Zusammenspiel mit den optisch wie haptisch wirkungsvoll und schön abgeschliffenen Kanten ganz ausgezeichnet in der Hand liegt: Anders als beim Sony Xperia Z schmerzt oder stört keine Kante das stimmige Haltegefühl; und besonders bei der silbernen Variante wirken die durch den Schleifprozess glänzenden Kanten auch visuell sehr hübsch. Durch die Wölbung misst das One in der Mitte zwar ordentliche 9,3 Millimeter in der Mitte, verjüngt sich zu den Seiten aber auf knapp 5 Millimeter, was die Haptik ebenfalls begünstigt — genauso wie das für ein in Aluminium gekleidetes Gerät recht geringe Gewicht von nur 143 Gramm — Galaxy S3 und Galaxy S4 wiegen mit ihren Kunststoff-Gehäusen auch nur 10 Gramm respektive 13 Gramm weniger, das Xperia Z bringt immerhin 146 Gramm auf die Waage. In der Breite misst das One 68,2 Millimeter, in der Länge kommen 137,4 zustande.

HTC-One-MicroSIM-Schlitten

Besonderheit auf der Rückseite sind neben der recht groß geratenen Linse der 4,1 Ultrapixel-Kamera und der zugehörigen LED-Leuchte die zwei Kunststoffstreifen, die sich oberen und unteren Bereich finden — unter ihnen liegen die verschiedenen Antennen des One versteckt, was trotz Alu-Schale optimalen Empfang garantieren soll. Außerdem ist hier auch das Umgebungsmikro eingelassen. Optisch wird so zwar der Alu-Look unterbrochen, designtechnisch tut das dem One aber keinen Abbruch. Mittig prangt ein großes HTC-Logo, unten noch das beatsaudio-Logo und darunter, wie schon beim Xperia Z, die unschönen Norm- und Warn-Infos, die in Ermangelung eines Akkudeckels wohl nicht einfach ins Innere des Gerätes gestanzt werden konnten.

HTC-One-black-white-back

Die Verarbeitungsqualität des HTC One ist genauso erstaunlich wie seine Optik: Nichts wackelt, nichts knarzt, es gibt keine nennenswerten Spaltmaße oder unsauber gearbeiteten Stellen am Gerät, alles sitzt genauso, wie es soll. Wer im Vorfeld Sorge hatte, dass vor allem bei der schwarzen Variante, wie damals beim One S, über kurz oder lang der Lack absplittert, der kann von uns beruhigt werden: Nach zwei Wochen intensiver, wenn auch liebevoller Benutzung sieht unser Testgerät quasi aus wie neu — Kratzer, Splitter oder Dellen sind auf dem Gehäuse faktisch nicht vorhanden. Auf dem Gorilla Glass 2-bewehrten Screen finden sich inzwischen aber leider durchaus ein paar Mikrokratzer.

HTC-One-Rücken-Klinke

Fassen wir noch einmal zusammen: Das One ist wunderschön, liegt fantastisch in der Hand und ist perfekt verarbeitet — wenn darunter nicht die Vielfalt leiden würde, würde ich mir wünschen, dass alle tragbaren Geräte künftig so aussehen und sich so anfühlen. Und wenn es nur nach dem Äußeren gehen würde, könnten wir an dieser Stelle aufhören, Sony, Samsung und selbst Google und ASUS könnten für dieses Jahr einpacken und wir hätten in Sachen Smartphones die nächsten Monate nichts mehr zu tun. Ein Android-Smartphone muss aber natürlich deutlich mehr können, als nur gut auszusehen und robust zu sein …

Das Full HD-Display des HTC One

HTC-One-Screen1

Ich bin AMOLED-verwöhnt, das dürfte regelmäßigen androidnext-Lesern nicht neu sein: Ich mag die satten, von mir aus auch etwas übertriebenen, Farben der Samsung-Flaggschiffe, ich mag das tiefe Schwarz und konnte bislang mit den nicht allzu leuchtstarken Screens und den (unter der Lupe) ausgefransten Kanten, die diese Screens aufweisen, gut leben — zumal mir beinahe alle LC-Screens, die mir bisher untergekommen sind, zu blass und farbschwach erschienen. Der Quasi-Vorgänger des HTC One, das One X, stellt in meinen Augen die einzige Ausnahme dar.

HTC-One-vs-S3-front

Beim One ist das alles anders: Sein 4,7 Zoll großes Super LCD 3, das in Full HD auflöst, stellt in Sachen Schärfe und Farbkraft alles in den Schatten, was ich bis jetzt im LCD-Bereich gesehen habe — und selbst mit dem Super AMOLED-Screen des Galaxy S3 kann es das One problemlos aufnehmen. Hier ist Schwarz schwarz, Weiß ist richtig weiß, die Farben sind satt und kräftig, die Kontraste beeindruckend, die Blickwinkel überragend und garantieren selbst bei extremer Neigung, abgesehen von den dann auftretenden Spiegelungen im Display, ein komplett unverfälschtes Bild.

HTC-One-Display-draußen

HTC-One-Blickwinkel

Dass der Screen überdies mit seinen 1920 x 1080 Pixeln auf einer Fläche mit der Bilddiagonale von 4,7 Zoll und den draus resultierenden 468 ppi knackscharf ist, braucht eigentlich nicht extra erwähnt werden — der Vollständigkeit halber aber: Der Screen des HTC One ist knackscharf! Und das macht sich sowohl beim Navigieren durch den App Drawer, über die Home Screens und durch die Einstellungen positiv bemerkbar, wie auch beim Surfen im Netz und beim Lesen aller möglichen Texte. Selbst YouTube-Videos und Spiele, die gar nicht für Full HD optimiert sind, wirken auf dem HTC One irgendwie schöner, schärfer und besser.

HTC-One-Screen-Detail

Einziges klitzekleines Manko am Screen des One ist dessen etwas zu geringe Helligkeit — hätte man die Option, den Schiebregler bei Bedarf noch ein kleines bisschen weiter nach rechts ziehen zu dürfen und somit in bestimmten Situationen noch ein Quäntchen mehr Leuchtkraft aus dem SLCD 3 holen zu können, würde auch der Screen von mir das Testurteil „best of 2013“ bekommen. So reicht es immerhin für ein „Sehr gut“ mit dickem Sternchen; zumal die Ablesbarkeit des Displays auch draußen in der bald hoffentlich wieder häufiger scheinenden Sonne grundsätzlich gewährleistet ist. Und selbst die automatische Helligkeitsregelung im HTC One macht ihren Job etwas besser, als bei der Konkurrenz und dunkelt den Screen zumindest in hellen Umgebungen nicht so übertrieben ab.

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Hardware und Performance des HTC One

Leistungstechnisch spielt das One ebenfalls ganz oben mit: Dank Snapdragon 600-Chipsatz, der im HTC-Boliden mit 1,7 GHz taktet und auf 2 GB RAM zurückgreifen kann, konnte sich das Gerät kurz nach seiner Präsentation mit rund 24.000 Punkten im AnTuTu-Benchmark kurzzeitig sogar an die Spitze der synthetischen gemessenen Smartphones setzen; dann kam freilich das Samsung Galaxy S4 mit seinem um 200 MHz höher getakteten 600er und rückte die Dinge wieder nach Samsung-Maßstäben zurecht. Aber auch, wenn sich am Horizont das nächstschnellere Smartphone abzeichnet, kann das HTC One mit Fug und Recht als hochperformant bezeichnet werden: Mit der verbauten Hardware, so auch dem Adreno 320-Grafikbeschleuniger stehen Leistungsreserven en masse zur Verfügung, die aktuell kein High-End-Spiel ausreizen kann und auch in näherer Zukunft nicht ausreizen wird. Und wenn doch mal etwas ruckeln sollte, wie beispielsweise beim Cruisen durch GTA Vice City, dann kann das kaum dem Chipsatz des One angelastet werden. Im Fazit läuft im Grunde alles, was man mit dem Gerät tut, butterweich und flüssig.

Hier unsere Ergebnisse in einigen beliebten Benchmarks, im Vergleich mit anderen verbreiteten Geräten:

Benchmark Samsung Galaxy S3 Sony Xperia Z HTC One
Antutu (Total) 16366 20537 24666
Antutu (CPU) 7669 8687 11299
Antutu (GPU) 4579 7623 8271
Antutu (RAM) 3228 3322 4189
Antutu (I/O) 890 905 907
CF-Bench (Overall) 13268 17635 23693
CF-Bench (Java) 6623 13693 21283
CF-Bench (Native) 23236 23548 27308
GLBenchmark 2.5.1
(Egypt HD C24Z16 Offscreen)
1681 Frames
15 fps
3314 Frames
29 fps
3838 Frames
34 fps
GLBenchmark 2.5.1
(Egypt HD C24Z16 Fixed timestep Offscreen)
105450 msec
11 fps
43245 msec
26 fps
37505 msec
30 fps

Diese stets überbordende Leistung und der schöne Screen fordern natürlich ihren Tribut — und zwar in Sachen Akku. Dazu später mehr, aber so viel vorweg: Man merkt bei intensiver Nutzung des Gerätes durchaus, dass das 2.300 mAh-Kraftwerk dem hochauflösenden Display und dem potenten Chipsatz nicht ganz gewachsen ist.

HTC-One-white-Logo

Außerdem ist anzumerken, dass der Alu-Rücken des One unter Vollast, zeitweise aber auch, wenn sich irgendeine App im Hintergrund kaputt arbeitet, sehr warm werden kann — dies kam in unserem Testlauf allerdings nur selten vor und ließ sich in diesen Ausnahmefällen mit einem Neustart des Gerätes sofort beheben.

Die Software des HTC One

Bevor wir uns Sense 5 auf dem One widmen, einige Worte zu den kapazitiven Hardware-Buttons. HTC verzichtet beim One auf einen Multitasking- oder Menü-Button und platziert mittig zwischen „Zurück“ und „Home“ lediglich das funktionslose HTC-Logo. Aus diesem Grund muss der Home-Button gleich dreifach belegt werden: Ein Tipp führt auf den Homescreen, ein Doppeltipp öffnet den Taskmanager, in dem die laufenden und kürzlich geöffneten Apps neben- und übereinander angezeigt und per Wisch nach oben entfernt werden, ein langes Halten öffnet Google Now. Dass sich HTC für diese etwas überbelastete Anordnung mit den zwei Bedienfeldern entschieden hat, bleibt verwunderlich — zumal wir inzwischen wissen, dass die komplette Leiste technisch in der Lage ist, zusätzliche Positionen des Fingers zu registrieren. Man gewöhnt sich aber schnell daran.

HTC-One-Dock

Sense 5 also — zu Recht stellen sich bei vielen Android-Powerusern im Angesicht von Hersteller-UIs die Nackenhaare hoch; zwar haben Samsung und HTC, die beiden Hersteller mit den bislang wohl umfassendsten Softwareanpassungen, in letzter Zeit mit der TouchWiz Nature UX und mit Sense 5 vieles besser gemacht, dennoch liegen diese Benutzeroberflächen für viele User zu schwer über dem Android-OS. Und so sorgte das UI des One also schon im Vorfeld vielerorts für Besorgnis; zumal mit dem Blinkfeed genannten Feature ein nicht abschaltbarer News- und Social Media-Feed im Flipboard-Stil fester Bestandteil des Homescreens auf dem One ist. Und tatsächlich ist Sense 5 zwar deutlich dezenter als noch die Vorgänger-Versionen, dennoch nervt das UI unnötigerweise an zahlreichen Stellen.

HTC-One-BlinkFeed

Beginnen wir mit dem Blinkfeed: Auf dem ganz linken Homescreen liegt HTCs neues Zentrum für (ausgesuchte) News, Facebook, die Zoe-Filmchen (siehe Abschnitt Kamera) und TV-Infos aus der TV-App (siehe Abschnitt Konnektivität). Schön und gut – wer das nutzen mag, freut sich. Wem der Blinkfeed nicht gefällt, beispielsweise, weil er kein echter RSS-Reader ist und man somit nur bestimmte Newsquellen wählen kann, weil die Größe und das Layout der Facebook-Beiträge scheinbar erratisch gewählt wird oder weil man ein solches Feature schlicht nicht nutzen möchte, der kann ihn nicht ausschalten. Klingt komisch, ist aber so — der Blinkfeed ist da und da bleibt er auch. Das Maximum was mit Bordmitteln, also ohne Einsatz eines alternativen Launchers, geht, ist die Synchronisierung auf WLAN-only zu stellen, alle Feedquellen unter „Themen und Dienste“ abzuwählen und einen anderen Homescreen als Startbildschirm zu definieren. Das sollte im Ergebnis dazu führen, dass der Blinkfeed kaum Daten und Strom verbraucht und man möglichst wenig von ihm mitbekommt — solange man nicht versehentlich nach links wischt. Warum HTC den Nutzern nicht gleich die Möglichkeit gibt, das Feature komplett abzuschalten, statt es nur (im wahrsten Wortsinne) links liegen zu lassen, bleibt uns ein Rätsel.

Hat man sich irgendwann mit dem Blinkfeed abgefunden, beginnen andere Dinge an der Software des One zu nerven: Warum gibt es keine Schnellzugriffe in der Benachrichtigungsleiste? Das sollte inzwischen doch Standard sein — zumal stattdessen die ganze Zeit die nicht wegwischbare Benachrichtigung zum Aktivieren des Energiesparmodus dort herumlungert. Warum kann ich App-Verknüpfungen nur aus dem Drawer heraus ins Dock schieben, und nicht vom Homescreen aus — da muss man erst mal drauf kommen! Und warum sich der App Drawer ausschließlich vertikal durchscrollen lässt, frage ich besser gar nicht. Und warum springt Sense zu oft beim Tippen auf den Zurück-Button direkt wieder auf den Homescreen, statt wie üblich in die zuvor geöffnete/genutzte App? Und wieso darf ich keine Ordner anlegen, wenn der App Drawer alphabetisch oder nach Installationsdatum sortiert ist?

HTC-One-Benachrichtungsleiste

HTC-One-Appdrawer

Praktisch ist zwar, dass beim vollständigen Hochscrollen im App Drawer eine Leiste mit App-Suche, Schnellzugriff auf den Play Store sowie den diversen Drawer-Einstellmöglichkeiten erscheint; befindet man sich aber weiter unter im Raster, so muss zum Öffnen dieser entweder wieder ganz hochgescrollt, oder sehr langsam gescrollt werden, damit sie sich auch in unteren Regionen des Drawers zeigt — das ist an sich gut gedacht, führt im Alltag aber zu oft dazu, dass man versehentlich ein Symbol hält und somit dessen Verschiebung aktiviert.

HTC-On-AppDrawer-Options

Abseits dieser Ärgernisse finden sich im App Drawer neben erfreulich wenigen Bloatware-Anwendungen (7Digital, HTC Watch, Stocks, Best Deals) ein paar durchaus nützliche Apps: Die Wetter-App sieht gut aus und ist informativ, Tipps & Hilfe gibt zahllose mehr oder weniger nützliche Hinweise zu komplexeren Funktionen des One, wie dem Erstellen und Teilen von Zoes, aber auch simplen Aufgaben wie dem Versenden von SMS oder dem Anpassen der Display-Helligkeit. Das Office-Paket von Polaris dürfte vielen Nutzern bekannt sein, der Kindermodus erlaubt auch den kleinsten HTC One-Fans die sichere und kindgerechte Nutzung des Gerätes. Außerdem gibt es noch eine Notizen-App, die Tonaufnahmen und Zeichnungen erlaubt und sich mit Evernote synchronisieren lässt, sowie eine Aufgabenverwaltung, die sich mit den Google Tasks verbindet. Was allerdings fehlt, ist ein nativer Dateimanager – hier muss der Nutzer eine der Alternativen aus dem Play Store beziehen.

HTC-One-Aufgaben

HTC-One-Clock-Notizen-Wetter

Auch die Galerie-App, auf dem One schlicht „Album“ genannt, nervt: Warum werden hier zwingend die Fotos aller Kontakte und Seiten, denen ich auf Facebook folge, angezeigt? Warum gibt es separate Ordner für „Kameraaufnahmen“ und „Eigene Fotos“? Warum liegen hinter letzterem Punkt wiederum zig Alben, aus denen sich die Zoes aber nur erstellen lassen, wenn ich sie nach „Ereignissen“ sprich Datum sortieren lasse? Irgendwie wirkt die Album-App des One, als sei sie zu fanatisch auf Online- und Social Media-Nutzung ausgelegt, während der schlichte Offline-Gebrauch ohne Schnickschnack einfach vergessen oder bewusst ignoriert wurde. Ich möchte in meiner Galerie jedenfalls nicht immer die ganze Fotos aus der Cloud und, schlimmer noch, aller Facebook-Kontakte sehen, sondern vorrangig meine eigenen Bilder betrachten, bearbeiten und eventuell teilen — das geht zwar alles natürlich, ist aber unnötig unkomfortabel und teilweise unschlüssig gestaltet.

HTC-One-Album

Im Fazit ist HTC Sense 5 und das, was sich auf dem One, das unter dem UI übrigens mit Android 4.1.2 läuft, an Software befindet okay — nervte mich aber in Kleinigkeiten dennoch allzu oft. Zwar lassen sich die meisten Kritikpunkte mit der Installation eines alternativen Launchers und Ersatz-Apps aus dem Play Store beheben, wir bewerten wie gehabt aber den Ist-Zustand des Gerätes; und so gibt es leider leichte Abzüge für die Software des One.

Die Ultrapixel-Kamera

Viel wurde im Vorfeld geschrieben über die Ultrapixel-Kamera des HTC One — statt den (der Bildqualität zuweilen abträglichen) Megapixel-Wahn mitzugehen, vergrößert HTC die Pixelsensoren selbst und verpasst dem One lediglich 4,1 Millionen davon. Da diese aber durch ihre größere Fläche mehr Licht aufnehmen, soll das vor allem bei Aufnahmen im Dämmerlicht und nachts von Vorteil sein.

HTC-One-Rückkamera

Außerdem gingen zuletzt Meldungen durch Netz, nach denen das One einen Bug bei der manuellen Auswahl des ISO-Wertes aufweise und die Kamera zahlreicher Review-Modelle matschigere Bilder produziere, als die nun erscheinenden Seriengeräte. Zum ISO-Bug können wir nicht mehr sagen, als dass die Kamera des One nach unserem Verständnis im Auto-Modus alles eben automatisch richtig macht und bei manueller ISO-Einstellung bislang wohl weiterhin im Auto-Modus bleibt; das ist ein Bug, ja, aber einer, der in unseren Test-Szenarien und wohl auch im normalen Anwendungsfall eine untergeordnete Rolle spielt.

HTC-One-Kamera2

HTC-One-Kamera3

Gewichtiger ist da schon die Tatsache, dass auch unser erstes Testmodell beim Hereinzoomen sehr verwaschene, matschige Fotos produziert hat, während ein zweites Testgerät, das uns kurzfristig zur Verfügung gestellt wurde und dem ab jetzt in den Verkauf gehenden Serienstandard entspricht, sichtbar bessere Fotos produziert — in einem separaten Artikel erklären wir die Hintergründe. Wir haben unten sowohl die Bilder des aktuelleren Gerätes mit Motiven aus dem Berlin Winter Frühling als auch, zum Vergleich, ein paar der zumindest hinsichtlich der Motive attraktiveren Schnappschüsse aus New York eingebunden.

Testfotos (Serienmodell)

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Testfotos (Vorserienmodell)

2013-03-15 11.33.45-1 2013-03-15 11.48.07-2 2013-03-14 12.52.17-1

2013-03-15 16.36.38 2013-03-16 11.24.18 2013-03-16 11.24.34

2013-03-16 10.59.53 2013-03-14 12.30.39-3 2013-03-14 15.22.43-4

2013-03-16 11.24.53 2013-03-14 11.50.17-4 2013-03-14 12.36.02

Insgesamt lässt sich über die Ultrapixel-Kamera des One sagen, dass sie spätestens nach unserem „Geräte-Update“ sehr ordentliche Fotos produzierte. Ja, diese sind nur 4,1 MP groß und in der Kamera-App gibt es auch keine Option, die Auflösung zu ändern — aber mal ehrlich, wer braucht das oder mehr Auflösung in einem Smartphone? Im direkten Vergleich mit den hervorragenden Bildern, die zum Beispiel ein Galaxy S3 schießt, müssen wir allerdings festhalten, dass die Fotos, die mit dem One aufgenommen wurden, beim Heranzoomen nicht ganz so feinporig wirken. Auch die Nacht- und Dämmeraufnahmen wirken im Ergebnis zwar sehr hell, wirklich rauschfrei und übermäßig scharf sind sie aber auch nicht.

HTC-One-Frontkamera

Besonderes Lob verdient die 88-Grad-Weitwinkel-Frontkamera des One: Solche schönen Selbstportraits mit genug Platz für den einen oder anderen New Yorker Feuerwehrmann oder auch den gelegentlichen Bloggerkollegen aus einer Alpenrepublik bekommt man mit einer 2,1 MP-Frontknipse in anderen Smartphones wohl kaum hin:

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Videoaufnahme und HTC Zoe

Die 1080p-Videoaufnahmen, die die Rückkamera des One schießt, gehen völlig in Ordnung und entsprechen im Ergebnis dem, was man aktuell auch mit guten Konkurrenzgeräten erhält — Rolling Shutter-Effekt leider inklusive. Außerdem kann die Cam auch Zeitlupenvideos aufnehmen, was ein netter Bonus ist.


    YouTube-Logo

Die Kamera-Funktionalität des HTC One wäre aber nicht vollständig beschrieben, wenn die Zoes keine Erwähnung finden würden: Im Hinblick auf die Hauptnutzung von mit dem Smartphone geschossenen Fotos, nämlich deren Teilen in den sozialen Netzwerken und dem Verschicken an Freunde, hat HTC dem One ein Feature spendiert, dass dieses bebilderte Sharen respektive Mitteilen der eigenen Erlebnisse auf die nächste Stufe hebt — mit der Zoe-Funktion nimmt die Ultrapixel-Kamera des One zum einen bei Bedarf kurze, dreisekündige Clips auf (und zwar schon bevor der Nutzer auf den Auslöser drückt). Diese werden sowohl als Video als auch in Einzelbildern im Album abgelegt. Was wiederum etwas nervig ist, weil man so zu jedem Zoe noch etwa 15 einzelne Fotos auf dem Gerät sortieren oder löschen muss, aber dazu dienen soll, wie bei einer Burst-Aufnahme den besten Schnappschuss eines bewegten Motivs wählen zu können. Da es aber auch möglich ist, einzelne Bilder aus den Zoe-Videos heraus abzugreifen, scheint uns die Ablage all der Standbilder redundant.

Der eigentlich beste Grund, die kurzen Clips aufzunehmen — neben der Möglichkeit über den Bildeditor so automatisch auch unliebsame Personen oder Gegenstände aus dem Wunschfoto zu entfernen, ist aber das, was im Album in Sachen Zoe geschieht: Das One ordnet die Fotos und Clips wie erwähnt anhand der Aufahmezeitpunkte und der Standortdaten nach Ereignissen — und diese können sich dann per Knopfdruck in äußerst stimmige 30-Sekunden-Videos verwandeln lassen, komplett mit musikalischer Untermalung, automatischen Schnitten und Bildeffekten.

Hier drei unterschiedlich gestylte Zoes aus Manhattan:


    YouTube-Logo


    YouTube-Logo


    YouTube-Logo

So technisch simpel das an sich sein mag, so effektiv und toll ist es im Ergebnis: Es macht einfach tierischen Spaß, sich den zurückliegenden Tag noch einmal in einem Zoe anzusehen, aus den verschiedene Stilvorlagen die passendste für die jeweiligen Bilder auszusuchen und den fertigen Clip dann auf Facebook, YouTube oder per Mail mit den Freunden und Followern zu teilen. Allein dieses Feature macht das Knipsen mit dem HTC One zu einem einzigartigen Erlebnis und hebt die mobile Fotografiererei auf eine neue, großartige Ebene — und macht die Kamera(-App) des One noch besser.

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Speicher, Konnektivität und Telefonie

Wie erwähnt kommt das HTC One in Deutschland zunächst mit 32 GB internem Speicher, wovon dem Nutzer immerhin rund 26 GB zur Verfügung stehen — das ist eine Menge und sollte in normalen Anwendungsszenarien völlig ausreichen. Wer aber natürlich viel knipst, oder schlimmer noch, viele Full HD-Videos aufnimmt, tausende von Musiktiteln mit sich führen möchte, massig Spiele und Apps installiert hat und womöglich noch ein paar Serien und Spielfilme in der Hosentaschen haben möchte, der wird über kurz oder lang an Speichergrenzen stoßen. Und in diesem Fall bietet das One leider keinen Micro SD-Kartenslot zur Erweiterung oder zum Austausch der Daten.

HTC-One-MicroUSB

Zum Trost für Poweruser bleibt zu vermelden, dass USB-to-go mit einem handelsüblichen Adapter-Kabel aber problemlos funktioniert und man zumindest so den Speicher des One mittels USB-Sticks doch vorübergehend erweitern kann. Außerdem spendieren HTC und Dropbox Nutzern des One 25 GB zusätzlichen Cloud-Speicher.

Verbindung mit dem Internet nimmt das One über WLAN nach 802.11-Protokoll bis zum schnellen n-Standard auf; als eines der ersten Smartphones überhaupt unterstützt das One aber auch 802.11ac und ist damit, ein entsprechendes Wireless-Netz vorausgesetzt, mit Gigabit-Geschwindigkeit unterwegs. Alternativ funkt das Smartphone mit LTE, HSPA, UMTS, EDGE und GPRS. Im Testbetrieb mit einer SIM-Karte von Vodafone im LTE-Modus musste das Gerät allerdings erst händisch einmal vom Auto-Modus auf GSM-Betrieb geschaltet werden, bevor es dann bei erneuten Wechsel in die automatische Netzauswahl auch LTE als Übertragungsstandard angezeigt wurde — dies als Tipp für alle, die zukünftig auf 4G wechseln möchten oder einen solchen Tarif vom Start weg im One nutzen werden.

Das GPS-Modul, das auch GLONASS unterstützt, findet die Position des Gerätes unter freiem Himmel problemlos und schnell. Außerdem beherrscht das One NFC, DLNA, MHL und Bluetooth 4.0 mit aptX.

HTC-One-Sensoren

In Sachen Telefonie gibt es keine besonderen Vorkommnisse, Gesprächspartner werden stets gut verstanden und verstehen den HTC One-Nutzer ihrerseits ohne Probleme. Dank der Stereo-Lautsprecher macht auch das Freisprechen mit dem One durchaus Spaß und Sinn — zumindest für den, der das HTC-Gerät nutzt; der jeweilige Konterpart muss naturgegeben natürlich mit etwas schlechterem Sound dank der größeren Entfernung des Sprechers vom Mikro leben.

Das HTC One als Fernbedienung

HTC-One-IR-Blaster

Eine Besonderheit, die das One aber mit dem Galaxy S4 und dem Note 8.0 teilen wird, ist der IR Blaster, der im Powerbutton integriert ist. Damit kann das Smartphone, wie einst das Sony Tablet S, als Fernbedienung für diverse Home-Entertainment-Geräte verwendet werden, die eben über Infrarot angesteuert werden. Die Programmierung geht über die dafür vorinstallierte App an sich relativ simpel von der Hand, wenn auch zuweilen etwas umständlich und vor allem nicht so, wie man sich das beim ersten Ansinnen idealerweise vorstellt: So muss der Nutzer beim Starten der TV-Anwendung zunächst zwingend seinen Standort mit Postleitzahl und seinen digitalen Kabeldienstanbieter angeben — auch wenn man einen solchen gar nicht nutzt, eine Möglichkeit zum Überspringen dieses Schrittes gibt es nicht (außer, man deaktiviert die Internet-Verbindung).

HTC-One-TV1

Hat man sich also im schlechtesten Fall für einen Anbieter entschieden, den man gar nicht hat, folgt die Auswahl der verfügbaren TV-Sender, On Demand-Services und Serien-Favoriten; außerdem muss man noch zwingend zustimmen, dass HTC die mit der App erhobenen Sehgewohnheiten des Nutzers zur „Verbesserung der Empfehlungen“ nutzten darf. War mir zwar egal, weil ja alle meine Angaben ausgedacht waren, wer aber wirklich einen digitalen TV-Dienst nutzt, muss damit leben, diese Daten mit der Nutzung der TV-App mit HTC zu teilen.

Eingebaut haben die Taiwaner diese Abfragen, weil sie dem Nutzer im Ergebnis einen elektronischen Programmführer (EPG) präsentieren, über den sich die jeweils dargestellten Sendungen bei erfolgreicher Kopplung mit dem TV dann direkt einschalten lassen. Ich konnte das aus den genannten Gründen nicht ausprobieren, plädiere aber ungeachtet der Effektivität dieses Features stark dafür, das HTC die Nutzung der IR-Schnittstelle zur Fernbedienung der eigenen HE-Geräte mit einem künftigen App-Update auch für Nutzer freigibt, die einfach nur ihren Fernseher mit dem Smartphone fernsteuern möchten. Eine entsprechende API zur Ansteuerung des IR-Ports für App-Entwickler ist immerhin schon freigegeben.

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Die Programmierung der Fernbedienung hat allerdings auch ihre Tücken: Zunächst einmal können — nachdem alle obigen Schritte ausgeführt sind — nur Kombipakete aus TV, Kabelbox und Soundsystem eingerichtet werden; soll heißen: Ein Fernsehgerät ist immer das Master-Device, Kabelbox und Soundanlage werden daran gekoppelt. Weiterhin funktioniert die automatische Erkennung bei TVs (habe das mit einem Modell von Samsung und einem von Toshiba ausprobiert) auch ganz famos; hier müssen ab und an lediglich einzelne Buttons wie der TV-in durch Drücken des Knopfes auf der Original-Fernbedienung direkt vor dem IR-Blaster des One, nachgestellt werden. Die Programmierung meiner Logitech-Surround-Anlage oder einem Media Player von Western Digital funktionierte aber schon nicht mehr, auch bei der manuellen Nachprogrammierung der Buttons funktionierten im Ergebnis nur ein paar Wenige.

HTC-One-TV3

Im Fazit scheitert die an sich gute Idee, das One auch als Fernbedienung für unterschiedliche Unterhaltungselektronik zu nutzen, an der überkomplizierten App, die zu sehr auf EPG und digitales Fernsehen ausgerichtet ist, statt dem Nutzer die Freiheit zu geben, seine Geräte nach Bedarf frei einrichten zu können — das hat Sony seinerzeit mit seinen Tablets besser gelöst. Wir wünschen uns sehr, dass HTC hier softwareseitig schnell nachbessert und vielleicht einfach eine zweite Anwendung zur Nutzung des IR-Blasters nachliefert. Wer aber wirklich nur einen TV mit dem HTC One fernsteuern möchte und sich nicht an der Geschichte mit dem digitalen Kabeldienstanbieter stört (oder einen solchen tatsächlich nutzt), der wird auch zum aktuellen Stand zufrieden sein.

Sound und Multimedia

BoomSound nennt HTC etwas infantil die Anordnung mit zwei vollwertigen Stereolautsprechern auf der Front des HTC One zusammen mit der Klangverbesserungstechnologie Beats Audio — so doof unser dieser Name erscheinen mag, er trifft das, was das Feature tut, vortrefflich: Mir ist kein Smartphone bekannt, welches — egal, ob gerade Musik, Videos oder Spiele darauf laufen — einen derart satten, lauten und wohlklingenden Sound verbreitet wie das One. Man ist regelmäßig erstaunt, mit welcher Macht es in Anbetracht des kleinen Korpus des Gerätes aus den beiden Speakern dröhnt und wie gut der Stereoeffekt vor allem beim Schauen von Videos und in Games funktioniert. Verblüffend auch, wie gut der Klang selbst aus einigen Metern Entfernung ist – würde man es nicht besser wissen, könnte man glatt eine der momentan so angesagten mobilen Boomboxen hinter der Akustik vermuten. Viel Gutes tut hier tatsächlich Beats Audio, das als Equalizer fungiert; schaltet man dieses Feature spaßeshalber ab, wird der Sound trotz der guten Lautsprecher plötzlich deutlich flacher.

HTC-One-Kanten

Natürlich ist dieses gute Erleben des akustischen Mittendrin-Gefühls größtenteils auch der Tatsache geschuldet, dass man so etwas bislang eben im mobilen Bereich nicht kannte. Das schmälert aber nicht den Verdienst HTCs und diesen weiteren fetten (um mal im BoomSound-Duktus zu bleiben) Pluspunkt, mit dem sich das One von der Konkurrenz abhebt. Wer gerne mobil laut Musik hört und unterwegs oder abends im Bettchen das eine oder andere Video ohne Kopfhörer konsumieren möchte, der wird das One für seine Akustik lieben — und aktuell nichts Vergleichbares am Markt finden. Nein, auch nicht bei der Firma mit dem Apfel.

HTC-One-beatsaudio

Das Dual-Membran-Mikro des One, das besonders klare Soundaufnahmen garantieren soll, macht sich derweil nicht so drastisch bemerkbar — Sprachmemos oder Musikaufnahmen weisen eine gute aber nicht weiter beeindruckende Klangqualität auf.

Akkulaufzeit

Größter Knackpunkt aktueller High End-Smartphones sind im Moment die Akkus: Zwar werden die Chipsätze immer stromsparender, aber die riesigen Screens mit Full HD-Auflösung fordern harten Tribut — so punkten viele Geräte zuweilen zwar mit relativ langen Standby-Zeiten, wird das Smartphone aber häufig genutzt, sprich das Display aktiviert, fällt der Ladestand der Batterie rapide ab.

Leider geschieht dies auch beim HTC One mit seinem 2.300 mAh-Akku: An Tagen, an denen ich das Gerät größtenteils in der Hosen- oder Jackentasche herum getragen habe, verzeichnete ich abends teilweise noch rund ein Drittel Reststromkapazität; an anderen gab der Akku schon nach 11 bis 12 Stunden auf und das Gerät schaltete sich auf dem Heimweg in der S-Bahn ab. Noch konkreter: Während eines Tages, der mit dem Schreiben dieses Testberichtes vor dem heimischen PC gefüllt war, an dem ich also ab und an auf das Gerät schaute, etwas ausprobierte, dafür aber nicht exzessiv gezockt oder Videos geschaut habe und sich das One die meiste Zeit im WLAN aufhielt, war nach dem Abziehen vom Strom um 8:00 Uhr morgens um bereits 22:00 Uhr am Abend Sense.

HTC-One-Akku

Auch die Übersicht über die Akku-Nutzung in den Einstellungen des HTC One, die leider (oder aus gutem Grund) den Stromverbrauch des Display nicht anzeigt, bestätigt diesen Eindruck: Im Schnitt genehmigte sich der 4,7 Zoller in unserem Testzeitraum satte 10 Prozent Akkukapazität pro Stunde! Möglich, dass HTC hier softwareseitig noch nachbessern kann, sie sollten es auf jeden Fall erwägen, offizielle Äußerungen gibt es dahingehend von den Taiwanern bislang aber nicht. Der Vollständigkeit halber und gerechterweise sei angemerkt, dass wir keine der beiden Stromsparmaßnahmen aktiviert hatten — weil auch beim One, wie schon beim Xperia Z unserer Meinung nach gilt, dass das Abschalten der Datenverbindung im Standby-Modus für ein High End-Gerät mit der Zielgruppe Poweruser kein akzeptables Mittel zu Akku-Ökonomie sein kann. Und da der Akku des One nicht auswechselbar ist, lässt sich das Problem für eben solche Nutzer auch nicht einfach durch den Kauf eines größeren Kraftwerkes lösen.

Das bedeutet: Wer sein Smartphone viel nutzt, wird von Zeit zu Zeit Probleme haben, mit seinem HTC One über einen geschäftigen Tag zu kommen. Und ans Stromkabel muss der 4,7 Zoller faktisch jede Nacht; sicherheitshalber sollte man sich aber schon in den Abendstunden nach einer Lademöglichkeit umsehen.

Dieses Defizit hat das One allerdings mit dem Xperia Z und, wie jüngste Tests mutmaßen lassen, auch mit dem Galaxy S4 gemein. Wer darauf Wert legt, notfalls weiterhin auch anderthalb Tage oder mehr bei intensiver Nutzung mit einer Akkuladung überbrücken zu können, der sollte einen Bogen um die bisherige 2013er Full HD-Armada machen und sich auf einige der 720p-Geräte des Vorjahres besinnen.

HTC One: Das Fazit

HTC-One-Logo

Drei Geräte standen Anfang 2013 auf unserer Wettbewerber-Liste um den Titel des besten Smartphones des Jahres. Nach unserem ausführlichen Test des Sony Xperia Z scheint der Snapdragon S4 Pro-Bolide aus Japan aus dem Rennen, es verbleiben das HTC One und das Samsung Galaxy S4. Den Samsung-Beitrag konnten wir noch nicht ausführlich testen, ich durfte in beim Launch in New York aber bereist extensiv befühlen und ausprobieren — das ist zu wenig, um mir ein fundiertes Urteil zu erlauben, aber genug, um ein Bauchgefühl zu haben: Das HTC One könnte nach aktuellem Stand tatsächlich das beste Smartphone 2013 werden — zumindest für alle Nutzer, die mehr Wert auf Design, Verarbeitung und Material, denn auf überbordende Software-Funktionen Wert legen.

Das One macht so vieles so eindrucksvoll richtig, dass man tatsächlich Gefahr läuft, über die eine oder andere Schwäche hinweg zu sehen — da sind sie aber dennoch: Trotz 32 GB internem Speicher (ob die 64 GB-Variante nach Deutschland kommt und was diese dann kosten wird, bleibt abzuwarten) fehlt mir die Möglichkeit, via Micro-SD-Karte schnell ein paar GB nachzulegen oder auf diesem Weg Daten vom und auf das Gerät zu schaufeln; das Sense 5-UI und Teile der Software, die sich auf dem One befinden, nerven zuweilen gewaltig — auch wenn hier die Ärgernisse nur subjektiv so schwer wiegen; weil diese Mängel in so krassem Gegensatz zur beinahe perfekten Hardware des Gerätes stehen.

Gravierendstes, wenn auch in Anbetracht der vergleichbaren Konkurrenz ein systemimmanentes Problem der 1080p-Geräte ist aber die Akkulaufzeit: Ich als Poweruser kann einfach mit einem Gerät, dass mich im Idealfall mit Ach und Krach über den Tag bringt nicht wirklich leben — da kann es schön sein, wie es will, da kann es mit Zoes und BoomSound brillieren, da kann es vor Hardware-Potenz nur so strotzen.

HTC-One-vs-S3-seite

Und jetzt kommt der Story-Twist: Hatte ich eingangs des Tests noch aus wirklich voller Überzeugung postuliert, mein S3 für das One zu verlassen, so musste ich dieses Vorhaben im Laufe des Verfassens dieses Reviews wortwörtlich stornieren — Grund sind die Akkulaufzeit und die Software; beides macht mein altgedientes S3 besser, beides ist mir zu wichtig, um es für den Glanz und die Gloria, die das One versprüht, oder auch den grandiosen BoomSound und die feine Zoe-Funktion aufzugeben. Und tatsächlich treibt es mir fast die Tränen in die Augen, dass meine große Liebe zum One, die Leidenschaft und all die Träumereien an der harten, profanen Realität meiner alltäglichen Notwendigkeiten scheitern müssen. Das One hat mich zwar verzaubert, aber es wird mich auf lange Sicht nicht glücklich machen können …

Insofern ist ein Fazit dieses Tests, dass zumindest hinsichtlich der Akkulaufzeit das beste Smartphone der Welt weder das HTC One, noch das Sony Xperia Z und sehr wahrscheinlich auch nicht das Samsung Galaxy S4 ist, sondern schon eher die 720p-Geräte aus dem Vorjahr, die einfach länger durchhalten — oder zukünftige Smartphones, die das Akku-Problem effektiv angehen.

Nachtrag: Mittlerweile ist das Konkurrenz-Flaggschiff von Samsung erschienen. Wie sich das gegen das HTC One schlägt, erfährt man in unserem ausführlichen Testbericht zum Samsung Galaxy S4.

Ob das HTC One wenigstens das beste Gerät 2013 werden kann, bleibt abzuwarten, bis das S4 unseren Parcours absolviert hat — aktuell ist es in Punkten und in Sachen Leistung, Multimedia, Kamera-Features, Design und Display jedenfalls zusammengenommen das Beste und vor allem Schönste, das wir je testen durften. Und für dieses Erlebnis bedanken wir uns aufrichtig und mit vor Ehrfurcht zugeschnürter Kehle bei HTC.

HTC One: Die Wertung

  • Display: 5/5
  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 5/5
  • Kamera: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltagstauglichkeit: 4/5

Gesamt: 4,5/5

htc-one-rating-badge

Pro

  • Das schönste Smartphone aller Zeiten
  • Umwerfender Sound
  • Fantastischer 1080p-Screen

Kontra

  • Unterdurchschnittliche Akkulaufzeit
  • Zuweilen nervige Software (Sense 5, BlinkFeed)
  • Kein MicroSD-Kartenslot

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