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Elgato EyeTV micro und OEO iDTV-S im Test: DVB-T per Micro-USB aufs Smartphone


03.07.2013, 15:36 Uhr

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In Asien dank entsprechender in Handys eingebauter Komponenten längst gang und gäbe, fristet das mobile Fernsehen via DVB-T auf dem Smartphone oder Tablet in Europa eigentlich ein Gar-nicht-Dasein. Weil der Unterwegs-Empfang des laufenden TV-Programms vor allem auf den immer größer werdenden Displays aber eigentlich eine sehr praktische Sache ist, gibt es auch hierzulande externe Lösungen, die nicht allzu viel kosten und erstaunlich gute Dienste verrichten. Wir haben mit dem EyeTV micro und dessen Lizenzableger OEO iDTV-S zwei Micro-USB-Dongles für den mobilen DVB-T-Empfang ausprobiert, die unter 60 Euro kosten.

Der Sommer scheint endlich wiedererstarkt und so wird es in den nächsten Wochen auch den Nerd und Geek und Smartphone-Junkie wieder vermehrt ins Freie zu drängen. Auf der grünen Wiese, im Park oder auch nur im Café angekommen, lässt sich mit Smartphone und Tablet ja schließlich mittlerweile genauso gut Arbeiten und Herumspielen wie zuhause. Nur Fernsehen geht nicht — und das, wo doch gerade die Formel 1 wieder so spannend geworden ist, es während des Tatorts draußen immer noch so lauschig ist und irgendeine neue Staffel von Bauer sucht Schwiegertochter gestartet ist.

Eine Lösung dieses Dilemmas bieten beispielsweise der Elgato EyeTV micro- oder der OEO iDTV-S-Micro-USB-Dongle, die über diesen Port und mittels einer dezidierten App Live-Fernsehen auf den Smartphone-Screen zaubern. Die kleinen DVB-T-Empfänger kosten rund 57 Euro respektive 40 Euro, sind so kompakt, dass sie in jede Hosentasche passen, leicht zu benutzen und funktionieren — entsprechenden terrestrischen Empfang vorausgesetzt — ausgezeichnet.

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Design und Verarbeitung

Technisch sind beide Dongles quasi baugleich — das OEO-Gadget nutzt die Elgato-Technik unter Lizenz —, optisch unterscheiden sie sich drastisch: Während der EyeTV micro, sagen wir pragmatisch designt ist und in rechteckigem Schwarz mit ausziehbarer Antennen daherkommt, spricht der iDTV-S eher die Fernsehkieker an, die auch neben dem Geschehen auf dem Display ihre Augen auch von der Hardware verwöhnen lassen wollen: Unser Testexemplar kam in schickem Weiß, sieht in seiner Form wie ein kleiner USB-Stick aus und statt Antenne versteckt sich die Empfangshilfe in einer gummierten Schlaufe. Leider hat das auch etwas Einfluss auf die Empfangsleistung: Im Test fand der EyeTV micro mit der klassischen Antenne stets ein paar Sender mehr, als das schicke OEO-Pendant … Schönheit hat eben ihren Preis.

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Dem iDTV-Stick liegt noch ein Plastik-Standfuß für Smartphone oder Tablet bei, der EyeTV kommt zusätzlich mit einer externen Stand-Antenne mit Magnetfuß sowie einem Micro-USB-in-auf-USB-Kabel, denn der Dongle lässt sich auch am Mac oder PC benutzen; ein Download-Code für die nötige Software findet sich ebenfalls in der Verpackung.

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Zwar wirken beide Dongles eher filigran und wenig robust — vor allem um die Antenne des EyeTV macht man sich stets ein wenig Sorgen; nach mehreren Wochen des zugegeben recht achtlosen Herumtragens beider Empfänger in Umhänge- und Hosentaschen, können wir aber festhalten, das ihnen so schnell nichts geschieht und sowohl iDTV S als auch EyeTV micro noch heile sind und klaglos ihre Dienste verrichten.

Software und Empfang

Auch in Sachen Software setzten beide Dongles auf ein fast gleichartige Produkte: Die EyeTV Micro-App und die iDTV Mobile TV-Anwendung ähneln sich deutlich — mit dem Unterschied, dass bei letztgenanntem Lizenzprodukt der Elektronische Programmführer (EPG) fehlt.

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Links: Das Hauptmenü der EyeTV-App, rechts das vom iDTV-S

Wer möchte, kann bei Apps so einstellen, dass sie beim Einstecken des jeweiligen Dongles automatisch starten, vor dem TV-Genuss steht aber zunächst die Sendersuche: In Ballungsräumen oder ganz allgemein da, wo der DVB-T-Empfang gut ist, werden an die 50 TV- und Radio-Stationen gefunden — sowohl unter freiem Himmel als auch in Gebäuden —, in ländlicheren Regionen sind es schon mal deutlich weniger oder man hat gar keinen Empfang. So konnte ich in unseren Redaktionsräumen in Berlin locker 49 (EyeTV) beziehungsweise 44 (iDTV) Sender empfangen, auf dem Oberpfuhl See im schönen Lychen waren es dann nur noch ein Dutzend und noch tiefer im Brandenburgischen half dann auch stetiges Drehen und Wenden des Nutzers und der Antenne nichts mehr — aber das ist natürlich ein systemimmanentes Problem der DVB-T-Versorgung in der Provinz und kann den Dongles nicht angelastet werden.

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Die Senderübersicht — links EyeTV, rechts iDTV-S

Sind die Sender gefunden, kann es losgehen: Einfach den gewünschten Kanal in der Übersicht antippen und schon erscheint das TV-Bild auf dem Screen — natürlich nicht in HD, das kann DVB-T leider nicht. Dafür ermöglichen beide Dongles und Apps das Timeshiften, also das zeitversetzte Anschauen von Programmen. Zu diesem Zweck lässt sich in den Einstellungen der jeweiligen Anwendung die Größe eines Cache-Speichers und damit die Zeitspanne festlegen, über die die laufende Sendung im Hintergrund mitgeschnitten wird. Die EyeTV-App erlaubt überdies noch die direkte Aufnahme des Programms, dass dann später im sogenannten Filmarchiv aufgerufen und betrachtet werden kann — so kann man zum Beispiel den strengen Richter Hold nicht mehr nur am Vormittag genießen.

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Das Einstellungsmenü und eine gespeicherte Aufnahme beim EyeTV

Die Haken: Akkuverbrauch und Kompatibilität

So gut das alles funktioniert und so praktisch und simpel die Benutzung der Dongles auch ist — Nachteile bringen beide Sticks mit sich: Zum einen sind sie nur zu bestimmten, aber wenigstens recht weit verbreiteten Geräte kompatibel. Diese müssen nämlich zwingend den USB-Host-Modus unterstützen, um den eingesteckten DVB-T-Tuner überhaupt zu erkennen. Beide Geräte weisen sämtliche Nexus-Geräte seit dem Galaxy Nexus, mit Ausnahme des Nexus 4, sowie quasi alle High End-Galaxy-Modelle von Samsung (S2, S3, Note 1&2), diverse ASUS-Geräte (TF201, Padfone 2), das HTC One X und ein paar weitere Modelle von Acer und Archos als kompatibel aus. Grundsätzlich und ohne Garantie sollten die Dongles mit allen Smartphones und Tablets zusammenarbeiten, die USB-OTG unterstützen, mindestens mit Android 4.0.3 laufen und MPEG-4/H.264-Video mittels NEON-Unterstützung wiedergeben können.

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Das Overlay-Menü beim EyeTV mit Timesshift- und Aufnahme-Buttons

Zweites Problem: Der Akkuverbrauch. Natürlich ist das Display während des TV-Konsums konstant an und arbeitet — und das frisst Strom. Auf meinem Samsung Galaxy S3 genehmigten sich beide Apps im Schnitt 10 Prozent-Akkukapazität pro halbe Stunde (!). Auch das ist systemimmanent und kann weder den Dongles noch den Anwendungen angelastet werden; dennoch lassen sich somit keine TV-Marathons auf dem Smartphone realisieren — zumal der Micro-USB-Anschluss ja konzeptbedingt blockiert ist, das Gerät also nicht einmal parallel geladen werden kann.

Fazit

Auch wenn sich also in der Praxis mit dem EyeTV micro und dem OEO iDTV-S das TV-Programm eher spontan und punktuell genießen lässt, hat uns die Technik im Test sehr gut gefallen: Ich konnte am vergangenen Sonntag in einem Frühstückscafé im Hamburger Schanzenviertel entspannt den Großen Preis von Großbritannien verfolgen (oh my, Pirelli!) und hatte nach zwei Stunden immerhin noch genug Akkulaufzeit um per Google Navigation wieder ins Hotel zurückzufinden. Und genau dafür sind die Dongles gedacht und nützlich: Eine wichtige Sendung oder Sportübertragung unterwegs schauen zu können, ohne dafür dringend eine Kneipe mit Fernseher aufsuchen zu müssen — oder gar gleich zuhause zu bleiben.

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Allen, die unterwegs gerne mal „TV glotzen“ möchten und dies mit Smartphone oder Tablet tun wollen, sei also grundsätzlich die Anschaffung eines DVB-T-Dongles für den Micro-USB-Port ans Herz gelegt. Bleibt die Frage, für welchen der beiden Dongles man sich entscheiden sollte. Wer nun wirklich ganz viel Wert auf die Optik legt, kann zum OEO iDTV S greifen — nimmt dann aber im Vergleich zum nur etwa 17 Euro teureren EyeTv micro schlechteren Empfang und abgespeckte Software in Kauf. Wir empfehlen daher den beileibe nicht etwa hässlichen EyeTv micro, weil er einfach mehr Empfang und App-Umfang fürs bisschen mehr Geld bietet. Und darum geht es ja schließlich, oder?

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