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Ubuntu Phone: Erster Eindruck der Entwicklerversion


22.02.2013, 12:12 Uhr

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Seit gestern Abend stellt Canonical den Smartphone- und Tablet-Ableger seines Ubuntu-Linux für Entwickler zur Verfügung. Wir sind zwar keine Entwickler, dafür aber von Natur aus neugierig und haben deshalb flugs ein Nexus 7 in ein Ubuntu-Tablet verwandelt. Die ersten Eindrücke findet man hier zusammengefasst.

Eine Entwicklerversion soll in erster Linie dazu dienen, Programmierern in spe den Aufbau des Systems vorzuführen und ihnen Tools, APIs und Entwicklungsumgebungen an die Hand zu geben. Genau dies tut auch die Ubuntu-Dev-Preview — und nicht mehr. Wer ein einsatzfähiges System erwartet, das sich – vielleicht mit einigen Einschränkungen – für den täglichen Gebrauch eignet, wird definitiv enttäuscht werden.

Die Installation

Während Canonical offiziell nur einen Installer bereitstellt, der vom Ubuntu-Rechner aus das System auf Galaxy Nexus, Nexus 4, 7 oder 10 installiert, haben Entwickler die Daten inzwischen so verpackt, dass sie problemlos von einer Custom Recovery wie ClockworkMod aus geflasht werden können. Dies funktioniert trotz der Dateigröße von fast 500 Megabyte recht flott und problemlos.

Das gestrige Gerücht, nach dem die Dateien Code der CyanogenMod enthalten, hat sich übrigens bestätigt. Allerdings umfasst der Code nur die nötigen Systeme, um das Ubuntu Phone OS auf Android-optimierter Hardware laufen zu lassen. Es handelt sich also definitiv um mehr als ein Android-System mit schicker Oberfläche. Sobald eigene Hardware zur Verfügung steht, versichert man, wird man auf diese Codefragmente verzichten.

Was funktioniert

Beim ersten Start wird man von der jetzt schon ikonischen Uhr in typischem Ubuntu-Orange begrüßt. Mit einem Wisch vom rechten Bildschirmrand nach innen gelangt man zur letzten geöffneten Anwendung, wischt man von links, öffnen sich zunächst Shortcuts zu einigen Apps, zieht man den Finger weiter, befindet man sich auf dem Homescreen – diese Gesten sind in jeder Anwendung verfügbar und bilden den Grundstein der Navigation durch das Ubuntu Phone OS.

Das Hauptmenü besteht aus fünf Ansichten: Von links finden sich Musik und Kontakte, von rechts Videos und Apps. Zentral positioniert sich der Homescreen, der die Favoriten aus jeder dieser Kategorien auf einen Blick darstellt.

Ein besonders interessantes Feature stellt der dynamische Benachrichtigungsbereich dar: Android nicht unähnlich zeigt die obere Leiste Uhrzeit, Netzwerkverbindung, Lautstärkemodus sowie Benachrichtigungen über eingegangene Nachrichten an. Der Inhalt der expandierten Benachrichtigungen richtet sich aber nach dem Icon, von dem die Wischbewegung nach unten ausgeht — wischt man vom E-Mail-Icon herunter, so werden Tweets, Facebook-Nachrichten sowie E-Mails angezeigt, ein Swipe vom Netzwerk-Icon aus zeigt verfügbare WLANs an und so weiter. Tippt man kurz auf die Benachrichtigungsleiste, so erhält man eine Übersicht über alle verfügbaren Benachrichtigungen und Funktionen.

Eine vierte Geste ist nur innerhalb von Anwendungen verfügbar: Wischt man von unten nach oben, so öffnet sich ein kontextabhängiges Menü, das in der Galerie-Übersicht etwa das Markieren mehrerer Elemente ermöglicht, beim Betrachten eines Bildes dagegen Optionen zur Bildbearbeitung einblendet.

Was nicht funktioniert

Bis auf die oben genannte Galerie-App sind keinerlei Anwendungen funktionsfähig. Bei den sichtbaren Icons handelt es sich um simple Web-Ansichten wie im Falle von Facebook und Twitter oder gar um schnöde Platzhalter ohne Funktion. Entsprechend können weder Konten angemeldet werden, um beispielsweise die Benachrichtigungen zu testen, noch funktionieren Musik- oder Videowiedergabe. Auch die Hardwareunterstützung scheint bei weitem noch nicht ausgereift, navigiert es sich doch recht zäh durch sämtliche Menüs. Die einzelnen Geräte leiden zudem noch unter spezifischen Problemen, das vorliegende Nexus 7 lässt sich beispielsweise nicht in den Landscape-Modus rotieren und zeigt so die eigentlich für Smartphones gedachte Oberfläche.

Vorläufiges Fazit

Das Ubuntu Phone OS zeigt einige innovative Ideen: Die Benachrichtigungen sind durch das gezielte aufrufen einzelner Funktionen deutlich übersichtlicher als bei der Konkurrenz und auch der Homescreen wirkt trotz seiner statischen Natur gut durchdacht. Der Erfolg des Systems wird in erster Linie davon abhängen, wie viele Entwickler sich seiner annehmen werden und wie reibungslos die Produktion eigener Hardware ablaufen wird. Wir verfolgen die Entwicklung gespannt weiter und berichten von allen größeren Neuerungen.

Ubuntu Phone
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