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Nexus 4, 7, 10 und Android 4.2: Was der gestrige Abend für die Zukunft bedeutet [Analyse]


30.10.2012, 10:02 Uhr

nexus-devices

Boom! Wer hätte damit gerechnet, dass Google trotz des abgesagten Events seine Geräte und Android 4.2 gestern Abend noch vorstellen würde? Auch wenn es keine formelle Veranstaltung gab, hat der gestrige Abend Auswirkungen, die nicht nur das Android-Ökosystem durchschütteln werden, sondern die gesamte Industrie verändern könnten. Wir sagen welche.

Die neuen Nexus-Geräte setzen Dinge in Perspektive

Das Nexus 4 ist ein Top-Notch-Smartphone, das bis weit ins nächste Jahr hinein zur Oberklasse zählen wird: S4 Pro Quad Core-CPU, 2 GB RAM, HD-Display und natürlich stets die aktuellsten Android-Updates. Und das zu einem Preis, den man aktuell für ein Mittelklassegerät zahlt: 299 Euro für die 8 GB-Version, 349 Euro für eine 16 GB-Version —- das ist konkurrenzlos preiswert. Hier einige Smartphones, die derzeit zwischen 300 und 350 Euro (Straßenpreis) kosten:

All diese Geräte haben schlechtere Spezifikationen. Das bedeutet: Diverse Geräte dürften sich im Lichte des Nexus 4 ab Mitte November kaum noch verkaufen. Im Bereich der 7- und 10-Zoll-Tablets sieht es zweifelsohne ähnlich aus. Nun, da Google zum ersten mal ein Smartphone — nach wie vor die Kernplattform von Android — so aggressiv bepreist, sind nicht nur die externe Konkurrenz (Apple, Windows Phone-Hersteller) unter Zugzwang, sondern auch die Android-Hardwarepartner. Als Beispiel sei hier HTC genannt: Zwar bauen die Taiwaner immer noch die in Sachen Haptik besten Geräte aus der Android-Sphäre, der Konzern ist aber jetzt schon in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die nach unten weisende Preisspirale wird zu einem weiteren massiven Problem für HTC. Wir rechnen nicht nur mit einem erdrutschartigen Preisabfall bei allen Android-Geräten und damit weiter sinkenden Gewinnmargen, sondern auch mit Unfrieden zwischen manchem Gerätehersteller und Google — denn dass Mountain View bestimmte Hersteller wie LG im Falle das Nexus 4 so protegiert, zerstört den Markt der anderen.

Zwar ist noch Raum für die anderen Hardwarepartner, sich in mehr oder weniger großen Nischen zu positionieren (zum Beispiel preiswertere Geräte, Phablets, LTE-fähige Devices, Smartphones mit 1080p-Displays) — das ändert aber nichts daran, dass das Nexus 4 die Bedürfnisse eines großen Teils der bestehenden und potenziellen Smartphone-Nutzer abdeckt und den Konkurrenten so das Wasser abgräbt. Möglich, dass sich der eine oder andere Hersteller 2013 vom sowieso schon übersättigten Android-Markt zurückzieht.

Nexus wird zur Marke

Die Nexus-Devices haben sich nie gut verkauft, das änderte sich erst mit dem im Sommer auf den Markt gebrachten Nexus 7. Auch wenn uns keine offiziellen Zahlen vorliegen, ist anhand verschiedener Indizien deutlich, dass Google und ASUS damit einen Millionenseller gelandet haben. Aufgrund von Googles aggressiver Preisgestaltung ist davon auszugehen, dass sich auch die neuen Varianten des Nexus 7, das Nexus 4 und das Nexus 10 (letzteres in kleinerem Rahmen) wie geschnitten Brot verkaufen werden. Und das nicht nur in der spitzen Zielgruppe der Technikaffinen. Mit den gestern vorgestellten Geräten wird Google den Markt aufrollen und Nexus als Marke von hochqualitativen Produkten mit niedrigem Preis etablieren, die zudem die Android gern vorgeworfene Problematik fehlender Updates eliminieren. Und was kommt nun? Der nächste logische Schritt wäre aus unserer Sicht die Konzeption eines Low Cost-Nexus-Modell für unter 200 Dollar/Euro.

Android-Tablets kommen an, und damit auch die Apps

Scherzhaft äußerte ich jüngst, als Apple sein iPad Mini vorstellte, dass Apfelnutzer nach Möglichkeit noch einmal so laut wie möglich die fehlenden Tablet-optimierten Apps im Android-Ökosystem beklagen sollten, denn dieses Argument wird nicht mehr lange valide sein. Android-Tablets kommen endlich bei den Nutzern an — wobei das Nexus 7 das stärkere Zugpferd bleiben wird — und jeden Tag werden neue Apps für Displaygrößen jenseits der 5 Zoll optimiert. Aber nicht nur das — dank flexiblerer Layouts (Stichworte: Fragments, Action Bar) ist die Anpassung von Android-Apps an Myriaden von Displaygrößen aus Entwicklersicht deutlich sinnvollen als das „Pixelschubsen“ in vordefinierten Displaygrößen bei iPhone und iPad. Schwarze Balken, weil Apps auf eine bestimmte Displaygröße nicht angepasst sind, wird es unter Android nicht geben.

Android mit Innovation, Apple mit Stagnation

Android 4.2 heißt genau wie die Vorgängerversion 4.1 „Jelly Bean“. Mit dieser Maßnahme macht Google deutlich, dass es sich nur um einen kleinen Schritt in Sachen Software handelt. Allerdings sind mit der Panorama-Kamera, Wischtastatur, aktualisierten Apps (Google Mail, Google Now) und vielen Kleinigkeiten so viele Neuerungen in diesem kleinen Versionssprung enthalten, wie in fast jedem der letzten Major Releases von iOS.

Mit Android 4.0 hat Google die größten Versäumnisse gegenüber iOS egalisiert, jetzt geht es in Riesenschritten nach vorne: Egal ob Benachrichtigungen, NFC, Anpassbarkeit oder Offenheit — die Innovation passieren bei Android (und teils auch bei Windwows Phone), und lang nicht mehr bei den Apple-Geräten. Apple wirkt gerade zerfahren und krisengebeutelt, rennt Trends hinterher, die von anderen gesetzt wurden. Klar, Cupertino wird viele seiner Fans behalten, aber Google schaut mit Android in die Zukunft und hat dafür die bessere Strategie. Und so ist dann auch ein Treppenwitz, das ausgerechnet an Googles großem Nexus-Abend iOS-Architekt Scott Forstall aufgrund seines Versagens und fehlenden Schuldbewusstseins hinsichtlich des Maps-Desaster bei Apple herausgeschmissen wird.

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    [...] auch der richtige Weg? Wie im Artikel gestern angedeutet hat mir das nicht zu 100% geschmeckt. Die “Analyse” von androidnext zur Zukunft hat mir dann klar gemacht [...]

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