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Facebook Home: Was Zuckerberg mit Android vorhat


01.04.2013, 12:06 Uhr

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Die Presseeinladung besagt vollmundig „Come see our new home on Android“ – am Donnerstag dieser Woche will Facebook also eine „neue Heimat“ unter Android vorzustellen. In den vergangen Tage gab es dazu viele Spekulationen; neueste Gerüchte besagen, dass es sich dabei um eine eigene Homescreen-Experience von Android handelt, die zunächst auf einem HTC-Smartphone laufen wird. Wir spekulieren und analysieren, was dahinter steckt.

Facebook Home: Wie alles (vielleicht) anfing

Man stelle sich folgende Situation vor: Im kalifornischen Menlo Park im Silicon Valley sitzt die für die Android-App zuständige Facebook-Division zusammen. Gerade hat man eine neue Version der Facebook-App für Android veröffentlicht, die nicht mehr auf HTML5 basiert, sondern nativ programmiert ist und somit merklich besser performt. Die Presse überschlägt sich mit Lob ob der Tatsache, dass die App endlich nicht mehr furchtbar, sondern – nun ja – beinahe mittelmäßig sei. Das Team berät sich, was man als nächstes tun werde.

„Wie sieht’s aus, wollen wir mal die Kernel Wakelocks angehen? Es ist doch eigentlich nicht notwendig, dass man so viel weniger Akkulaufzeit hat, nur weil Facebook auf dem Telefon installiert ist.“
„Wir könnten uns auch mal der blödsinnigen GPS-Anfragen annehmen, die die App ständig abfeuert.“
„Wie wäre es, wenn wir den Datenverbrauch der App reduzieren? Schließlich gibt es Leute da draußen, die nicht erste mehrere MB runterladen wollen, wenn sie die App starten. Vor allem unterwegs ist das lästig.“
„Wir könnten auch mal das Design der App aufmotzen. Schaut euch mal an, wie Google+ unter Android mittlerweile aussieht, dagegen wirkt unsere App geradezu steinzeitlich.“

Mark Zuckerberg, der bis jetzt schweigend daneben gesessen hat, ergreift das Wort.

„Nobel, eure Ideen, und sicher gut gemeint. Aber es gibt ein wichtigeres Unterfangen, in das wir unsere Zeit investieren sollten.“

Es ist schlagartig ruhig im Raum, alles wendet sich Zuck zu, der eine gedankenschwere Pause einlegt.

„Wir forken Android.“

facebook-android-inviteWir wissen nicht, ob dieses Meeting so stattgefunden hat (vermutlich nicht), aber vieles deutet darauf hin, dass Facebook seine Aufmerksamkeit in Bezug auf die Android-App derzeit nicht auf dringend notwendige Fixes richtet. Stattdessen arbeitet man, offenbar schon seit geraumer Zeit, an einer eigenen umfassenderen Facebook Experience unter Android, die „Facebook Home“ heißen soll und am 4.4. vorgestellt wird – das zumindest besagen mehrere voneinander unabhängige Quellen.

TechCrunch behauptet, dass es sich dabei nicht, wie aus unserer Sicht naheliegend wäre, um einen bloßen Launcher handelt, sondern gar einen Android-Fork, eine angepasste und von Facebook selbst kompilierte Version von Android, ähnlich etwa wie das Android, das Amazon auf seinen Kindle Fire-Geräten vorinstalliert. Wir sind skeptisch, ob das stimmt und glauben eher an einen Launcher und mehrere neue Apps. Warum? Dazu später mehr.

Das „Facebook Phone“ kommt von HTC

Der bekennende Samsung-Fan Mark Zuckerberg wird auf dem Event am Donnerstag offenbar ein gemeinsam mit HTC entwickeltes Smartphone vorstellen, dass diese Software-Anpassungen bereits enthält. Jenes Gerät kursiert unter dem Decknamen Myst bereits seit einigen Wochen durch die Gerüchteküche, HTC und Facebook planen angeblich gemeinsam eine größere Werbekampagne. Es soll sich um ein Smartphone der unteren Mittelklasse handeln, das neben einer Snapdragon S4 Dual Core-CPU mit 1 GHz und 1 GB RAM auch ein 4,3 Zoll-Display mit 720p-Auflösung besitzt. Optisch soll das Myst ein wenig an das iPhone erinnern (abgerundete Ecken, zentraler Home-Button, allerdings zwischen zwei kapazitiven Tasten, ähnliche Größe).

Angesichts dieser Spezifikationen und der starken Konkurrenz in diesem Marktsegment gehen wir davon aus, dass das Gerät am Markt lediglich 250 bis 300 Euro kosten dürfte, zumal es erst Mitte des Jahres erscheinen soll. Kann man das Gerät als das ominöse „Facebook Phone“ sehen? Jein – denn es wird nicht von Facebook selbst gefertigt; und das ist vielleicht auch besser so. Mit aggressivem Marketing könnte es dennoch klappen, das Gerät als „das“ Facebook-Smartphone in der Zielgruppe ankommen zu lassen.

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Kein Erfolg: Die „Facebook-Phones“ HTC ChaCha (links) und Salsa von 2011

Dass HTC 2011 mit dem Salsa und dem ChaCha zwei ebenfalls tief mit Facebook integrierte Geräte produziert hatte, die seinerzeit grandios gescheitert waren, sollte im Rahmen der Bewerbung des Myst besser unerwähnt bleiben.

Ungeklärte Fragen

Es stellen sich für uns einige Fragen an. Erstens: Welche Inhalte wird Facebook Home bieten? Naheliegende und bereits kolportierte Features sind wohl eine Timeline auf dem Homescreen, die direkt nach dem Entsperren des Gerätes angezeigt wird, eine direkte Integration der Kontakte, Messaging und Telefonie über Facebooks jetzt auch bei uns gestartetes VoIP-Feature, sowie bessere /einfachere Sharing-Optionen. Denkbar ist auch, dass Facebook seine separate Kamera-App wieder aus der Mottenkiste holt. Für all diese Features braucht man aber keinen Android-Fork – ein separater Launcher und ein paar neue Apps reichen.

Schließt sich die zweite Frage an: Wie tief wird Facebook Home in das System integriert? Wir glauben angesichts der Informationslage nicht daran, dass Facebook Home ein eigener Android-Fork ist. Dagegen sprechen mehrere Argumente: Zum einen müssten, mal abgesehen von Käufern des HTC Myst, Nutzer diesen Fork genauso auf ihr Gerät flashen wie jede andere Custom ROM – ein zu „geekiger“ Vorgang, um weite Verbreitung mit Facebook Home zu erreichen. Zum zweiten besteht die Gefahr, dass Google beim Ersetzen von Android-Kern-Apps nicht mitspielt und dem Myst die Lizenzierung entzieht. Einem Facebook-Phone ohne Play Store, Gmail und Google Maps würden viele Verkaufsargumente fehlen, die Facebook höchstens mit einer engen Kooperation mit Microsoft und Bing ausgleichen könnte – und das auch nur teilweise. Zu guter Letzt zitiert @evleaks auf Twitter einen Textstring, der darauf hindeutet, dass man Facebook Home zumindest aus der Facebook-App heraus installieren kann – leider ohne Quellenangabe. Das wäre bei einem Fork so kaum möglich.

Fassen wir zusammen: Wahrscheinlich wird Facebook am Donnerstag ein Homescreen Replacement vorstellen, das FB-Fans glücklich machen soll. Ob es das auch tun wird, muss sich zeigen – wir sind angesichts der Geschichte von Facebook unter Android aber sehr skeptisch. Außerdem gibt’s ein technisch wohl nicht allzu beeindruckendes Smartphone von HTC zu sehen.

Eine Frage, die gestattet sein muss: Braucht’s das? Die meisten Smartphone-Nutzer sind bereits bei Facebook und verwenden den Dienst schon mobil. Möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn Facebook mehr Aufwand in eine Runderneuerung der eigenen App gesteckt hätte. Möglich natürlich, dass wir auch das am Donnerstag zu sehen bekommen werden, aber die Chancen sind – aus unserer Sicht – eher gering.

Wie nutzt ihr Facebook am Smartphone? Würdet ihr einem Facebook-Launcher eine Chance geben? Wie sähe es bei eine Facebook-Custom ROM aus? Sagt’s uns – in den Kommentaren.

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