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Codeworkx im Interview: Warum der CyanogenMod-Dev das Galaxy S3 fallenlässt


28.09.2012, 21:40 Uhr

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Daniel „Codeworkx“ Hillenbrand ist eines der bekanntesten Mitglieder des Teams der CyanogenMod. In den vergangenen Jahren hat er sich als „Device Maintainer“ und Mitglied von TeamHacksung um die Portierung der CyanogenMod auf die Smartphone-Flaggschiffe aus Samsungs Galaxy S-Serie sowie das Galaxy Nexus verdient gemacht. Jetzt steigt er bei den Samsung-Geräten aus. Im androidnext-Interview erklärt ein frustriert klingender Codeworkx die Beweggründe für die Entscheidung und seine zukünftigen Pläne.

We provide this interview in an english version for our international readers, too.
Wir stellen dieses Interview für internationale Leser auch in englischer Übersetzung zur Verfügung.

androidnext: Hallo Daniel. Wie ist der letzte Stand der CyanogenMod 10 auf dem Samsung Galaxy S3 GT-i9300? Wo liegen die Probleme?

Daniel Hillenbrand aka codeworkxCodeworkx: Ich bin recht unzufrieden mit dem aktuellen Stand. Momentan ist Tethering per WLAN und Bluetooth nicht benutzbar, einige Nutzer berichten von schlechten bzw. instabilen Bluetooth-Verbindungen bei Abständen von mehr als einem Meter. Die Kamera hat noch einige Macken, beispielsweise funktionieren Touch-to-Focus und die Video-Effekte noch nicht. Außerdem saugt Mobilfunk nach wie vor den Akku leer – ein Problem, das uns seit dem Samsung Galaxy S GT-I9000 plagt und das wir wohl auch ohne Unterstützung nicht lösen werden können.

Dass das FM-Radio nicht unterstützt wird, werte ich mal nicht als I9300-Problem, da CyanogenMod seit Version 9 generell keinen Support mehr dafür bietet. Über TV-Out brauchen wir, denke ich, auch nicht sprechen.

Weniger nervig, aber trotzdem vorhanden sind die Grafikprobleme der Mali-GPU: Das berühmte Speicherleck scheint zwar behoben zu sein, jedoch beschweren sich Nutzer über nicht flüssige Animationen. Mein Galaxy Nexus mit wesentlich weniger Hardware-Power macht hier eine um Längen bessere Figur.

androidnext: Du hast dich mehrfach öffentlich über die fehlende Kooperation und Unterstützung von Samsung beklagt …

codeworkx: Uns wurde damals vor Erscheinen des Galaxy S II das Zurverfügungstellen von Geräten und Unterstützung angekündigt. Die Geräte haben wir bekommen, die ganze Community hat Samsung gelobt. Ich nenne das einen guten PR-Gag, denn vom angekündigten Support fehlt immer noch jede Spur. Samsung weigert sich dagegen massiv, auch nur eine Information oder eine Zeile Code an uns weiterzureichen. Unsere Kontaktperson bei Samsung scheint uns unterstützen zu wollen, wird aber wohl von ihrem Vorgesetzten bzw. dem Management geblockt.

androidnext: Woran genau fehlt es euch?

Codeworkx: Woran es mangelt, ist der Quellcode für die Exynos-Plattform. Qualcomm und Texas Instruments haben mit codeaurora.org und omapzoom.org jeweils Plattformen, auf denen Quellcode zur Verfügung gestellt wird – wie sich das gehört recht zügig und mit kompletter Historie. TI und Qualcomm stellen seit geraumer Zeit Release-Branches für Jelly Bean zur Verfügung, teilweise sogar für alte Plattformen, etwa OMAP3. Für Samsung-Entwicklerboards wie das Origen Board gab es bisher insignal.co.kr (Google Cache). Die Seite ist völlig unaktuell, zurzeit wieder einmal nicht erreichbar, unvollständig, hat keine Historie und der Inhalt ist völlig inkompatibel zu dem, was Samsung auf seinen Geräten ausliefert.

Momentan lautet die Formel:
Qualcomm + TI = gute Chancen auf AOSP
Samsung + Nvidia = schlechte bis keine Chancen

androidnext: Kann man in dem Zusammenhang Hilfe von (dem CyanogenMod-Gründer und Samsung-Angestellen -d.Red.) Steve Kondik erwarten?

Codeworkx:Von Steve darf man nichts erwarten. Er ist Samsung-Mitarbeiter und für den US-Markt zuständig. Ich glaube kaum, dass er seinen Job riskieren würde, um heimlich Quellcode zu veröffentlichen. Solange sich das Samsung-Management querstellt, wird sich nichts bessern.

androidnext: Du hast in einem Blogeintrag angekündigt, dass du planst, auf das Sony Xperia T umzusteigen (hier im androidnext-Hands-On). Warum ausgerechnet dieses Smartphone?

Codeworkx: Mir gefällt der Look des Xperia T, die Tatsache, dass ein Qualcomm-SoC darin werkelt sowie die Qualität des Gerätes und der Software. Das Gerät ist hier noch nicht wirklich verfügbar, aber es soll Entwickler geben, die schon ein Gerät von Sony zur Verfügung gestellt bekommen haben. Solche Leute sind natürlich eine gute Anlaufstelle wenn man Fragen vor dem Kauf hat.

Der Kernel-Quellcode für das XT ist seit Wochen verfügbar und sehr nahe am Qualcomm-Referenzcode, was Entwicklerherzen natürlich höher schlagen lässt. Sicher kann oder möchte auch Sony nicht alle Teile des Codes veröffentlichen, aber sie sind bereit, AOSP/CM-kompatible Binaries zur Verfügung zu stellen. Einfach nur awesome. Der Community-Dev-Support scheint hier wirklich sehr gut zu sein.

androidnext: Trotzdem werden viele unserer Leser traurig sein, dass du die CM10-Entwicklung am Galaxy S3 an deinen TeamHacksung-Kollegen XplodWild abgibst. Existiert eine Chance, dass du irgendwann zu Samsung-Devices zurückkehrst?

Codeworkx: Nein. Ich habe das S3 von XDA zur Verfügung gestellt bekommen, um darauf zu entwickeln. Leider bin ich mit dem Gerät überhaupt nicht zufrieden.

Zwischen Display und Bezel ist der Lack beschädigt, der Home-Button hat Kratzer, das Display ist nicht durch den Rand geschützt, sondern vorstehend, der Akkudeckel knarzt, das Backlight der Touchkeys leuchtet in das Display hinein – und dann ist da natürlich noch der schlechte Support von Samsung für die eigene Plattform. Mein Gerät sieht nicht so aus, weil ich es schlecht behandelt habe, das kam so aus der Box. Das Gerät meines Bruders sieht ebenfalls so aus und das scheint beim S3 normal zu sein. Es tut mir leid, aber bei einem Gerät in dieser Preisklasse ist das einfach nicht akzeptabel, man kann es nur als „Billigschrott“ bezeichnen.

Ich habe das Gerät nicht eingetauscht, denn einem geschenkten Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul. Das S3 ist für mich sowieso nur ein Spielzeug. ;-) Ich nutze weiterhin mein Galaxy Nexus für den Alltag.

Vor kurzem habe ich mal öffentlich geäußert „Haltet euch fern von Exynos-Geräten“. Das darf man so natürlich nicht verallgemeinern. Es spricht nichts dagegen, einem Otto-Normal-Verbraucher ein Samsung-Gerät zu empfehlen. Die Updatepolitik ist bekanntermaßen bei allen Herstellern mies, aber wem ein Samsung-Gerät gefällt, der sollte auch zugreifen. Wenn man jedoch AOSP oder CM darauf laufen lassen möchte, dann sollte man sich von Exynos-Geräten fernhalten, denn diese werden diesem Anspruch nicht gerecht. Stattdessen sollte man sich Nexus-Devices oder Qualcomm/OMAP-Geräte kaufen, die durch den Hersteller nicht gnadenlos verpfuscht wurden.

androidnext: Möchtest du unseren Lesern sonst noch etwas mitteilen?

Codeworkx: Ich habe meine Lektion gelernt, nachdem ich zum dritten Mal enttäuscht wurde. Mir wird Samsung so schnell nicht wieder passieren.

androidnext: Daniel, danke für das Gespräch.

Daniel „Codeworkx“ Hillenbrand hat ein Blog, man kann ihm auch auf Twitter und Google+ folgen.

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