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BATMAN und SPAN: Android-Ad-hoc-Netze könnten WLAN (fast) überflüssig machen


15.02.2013, 17:10 Uhr

batmandroid

Ad Hoc-Netzwerke sind dezentrale Netze, die spontan aus mehreren kompatiblen Geräten gebildet werden können und die ohne einen zentralen Zugangspunkt auskommen. Ein Projekt könnte Ad-hoc-Netzwerke, speziell auf Android-Geräten, voranbringen: BATMAN. Dabei handelt es sich um ein Routing-Protokoll, mit dem mehrere Android-Geräte untereinander kommunizieren können – ganz ohne Verbindung zum Internet oder einem zentralen Server. Mit SPAN steht bereits ein Tool für Android bereit, das BATMAN integrieren könnte.

BATMAN steht nicht für den dunklen Rächer aus Gotham City, sondern in diesem Falls als gewiefte Abkürzung für „Better Approach to Mobile Adhoc Networking“. Das Protokoll wird von der deutschen Freifunk-Community entwickelt, die bereits seit Jahren Router in städteweiten Mesh-Netzwerken verknüpfen, um ihren Mitgliedern Internetzugang zu gewähren.

Man kann sich ein Ad-hoc-Netzwerk wie die direkte Verbindung zwischen zwei Geräten per Bluetooth oder Wifi Direct vorstellen – nur mit viel mehr Geräten und ohne das Client-Server-Prinzip. Jedes einzelne der Geräte kann sowohl als Einstiegs-, Austiegspunkt als als Vermittler eines Datenpakets dienen. Dabei stellt das Routing der Datenpakete zwischen den Geräten die größte Herausforderung dar, denn ein dezentrales Netzwerk muss sich selbst organisieren, um den besten Weg für die Datenübertragung zu ermitteln.

BATMAN stellt einen neuen Ansatz im Ad-hoc-Networking dar. Vorteil ist, dass dessen Netzqualität mit einer hohen Anzahl Peers sehr gut ist und das Netz sehr robust ist gegenüber ausfallenden einzelnen Geräten.

Die Einsatzszenarien von BATMAN sind vielfältig: Von einfachem Austausch von Dateien in lokal begrenzten Gebieten über Messaging bis hin zu VoIP-Telefonie sind viele Dinge denkbar. So könnte man damit in Krisenregionen auch ohne Verbindung zum Mobilfunknetz kommunizieren. Auch der schnelle Dateiaustasch in Lerngruppen, auf Konferenzen oder Ähnliches ist möglich. Des Weiteren können auf diese Weise auch Internetverbindungen freigegeben werden – ein mit BATMAN ausgestattetes Smartphone wäre somit in der Lage, als Quasi-Repeater zu fungieren und die Reichweite des Netzes zu erweitern.

BATMAN als Protokoll existiert bereits seit einigen Jahren. Nun bestehen aber Chancen, dass das Protokoll in SPAN implementiert wird, das berichtet Geek.com, auch in der Google-Gruppe von SPAN sind entsprechende Absichten verzeichnet. SPAN eine quelloffene Software für dezentrales Ad-hoc-Networking, die auf Android-Geräten läuft, allerdings spezielle Wifi-Erweiterungen benötigt und damit auf viele Geräten noch einen Custom Kernel verlangt. Mehr Infos gibt es in der Programmbeschreibung auf Google Play.

Download: SPAN kostenlos)
SPAN kostenlos) qr code

In diesem Interview mit SPAN-Mastermind Josh „m0nk“ Thomas im Rahmen der Sicherheitskonferenz BlackHat wird der Hintergedanke deutlich, und auch hier kommt BATMAN kurz zur Sprache (etwa bei 4:08).

Davon, dass AdHoc-Netzwerke über BATMAN/SPAN in nächster Zeit an Verbreitung gewinnen, ist nicht auszugehen. Für kleinere lokale Projekte scheint das Konzept, zumindest SPAN, jedoch ausreichend weit gediehen. Und wer weiß – vielleicht ist die Zeit ja reif, dass ein großes Projekt wie CyanogenMod oder gar Google auf den Zug aufspringt und dezentrales Ad-hoc-Networking nativ in Android implementiert? Die denkbaren Einsatzzwecke für diese Technologie wären jedenfalls nahezu grenzenlos – neben Kommunikation in Krisengebieten könnten die GSM-Netzwerke deutlich entlastet, Multiplayer-Gaming vereinfacht, eine Software wie Android Beam auch ohne NFC realisiert werden und vieles mehr.

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