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Android vs. iOS: Warum Games zuerst für iPhone und iPad erscheinen


16.09.2013, 13:50 Uhr

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Auch wenn Android mittlerweile mit deutlichem Abstand das meistverbreitete Mobile-OS ist, hat Apples iOS mit iPhone und iPad als Spieleplattform nach wie vor die Nase vorn. Das zeigt sich daran, dass viele Titel immer noch entweder exklusiv oder mit deutlichem zeitlichen Vorsprung für die Apple-Geräte erscheinen — jüngst etwa Plants vs. Zombies 2. Ein anonymer Indie-Entwickler äußert sich nun zur Frage, warum Google Probleme hat, mit dem Play Store aufzuschließen.

„Die Wahrheit ist: Für Indie-Entwickler ist Android immer noch besch… eiden“. Mit diesen leider recht deutlichen und hier sinngemäß übersetzten Worten beschreibt ein Indie-Entwickler, der nicht namentlich genannt werden will, in einem Artikel auf der Spielewebsite penny-arcade.com die Gründe für das Hinterherhinken von Android im Spielebereich und die Probleme mit Googles Ökosystem – aus seiner Sicht.

Fragmentierung

Eines der wichtigsten Themen sei nach wie vor das Problem der Android-Fragmentierung. Das allerdings weniger im klassisch verstandenen Sinne; die Anpassungen an die Myriaden von Android-Geräten ist kein so großes Problem mehr, seitdem Entwicklungsumgebungen wie Unity und Corona den Löwenanteil dieser Problematik abfangen.

Stattdessen ist die Lage diffiziler: So habe die massenhafte Verfügbarkeit von Android-Endgeräten (sprich: die preiswerten Smartphones) dafür gesorgt, dass es im Android-Lager deutlich mehr Nutzer gibt, denen nicht bewusst ist, wenn sie an einem Support-relevanten Problem selbst schuld sind. Zudem gäbe es häufig – im Gegensatz zu Apple mit seinen Genius Bars – keinen erreichbaren zentralen Support, der klären kann, ob das Problem beim Nutzer, der Hard- oder der Software liegt.

Das Problem mag zunächst ein wenig vorgeschoben klingen, wirkt sich in der Realität aber dramatisch aus: So erhalten Indie-Entwickler, die Games für beide Plattformen herausbringen, zehn- bis 50-mal so viele Supportanfragen pro Download für die Android-Version eines Spieles als für die iOS-Version. Man habe lediglich die Wahl, neue Leute für den Support einzustellen (für Indie-Entwickler finanziell nicht tragbar) oder keinen Support mehr zu liefern (sorgt für schlechte Bewertungen im Play Store).

Dazu kommt Googles Unfähigkeit, lange bekannte Probleme mit dem Play Store zu beheben — beispielhaft genannt wird etwa der Fehler, dass eine legal gekaufte App als nicht lizenziert bezeichnet und beendet wird. Auch wir in der androidnext-Redaktion sind kürzlich in einem Spiel mit In-App-Käufen wieder auf das Problem gestoßen, dass das gekaufte Item nach einer Neuinstallation nicht verfügbar war. So etwas sorgt für Frustration beim Nutzer, die er in den meisten Fällen den Spielentwicklern anlastet. Generell, so der Entwickler zwischen den Zeilen, sei der Ton bei Android-Nutzern deutlich schärfer als bei den Nutzern von Apple-Geräten.

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Googles unangebrachte Eitelkeit

Der andere große Problemkomplex ist Google selbst. Denn im Play Store werden nicht nur relativ wenige Apps gefeaturet, auch werden Apps mit Vorzug behandelt, die exklusiv für Android herauskommen. Portierungen von iOS-Umsetzungen haben so deutlich weniger Chancen auf eine exponierte Position in den Spiele-Empfehlungen — selbst wenn diese sich auf dem iPhone und iPad als Hits bewiesen haben. Im Gegensatz zu Apple gibt es bei Google auch keine oder nur schwer erreichbare Ansprechpartner — sodass sich Entwickler weniger aufgehoben fühlen. Dazu kommt, dass die Android-Community verstreuter sei und es deutlich weniger Gaming-spezifische Seiten gibt, die den Hits der Indie-Entwickler eine Plattform bieten könnten.

All diese Effekte sorgen dafür, dass sich die meisten Spieleentwickler im Zweifel zuerst auf iOS als Entwicklungsplattform konzentrieren, was wiederum dem Gusto von Google widerspricht, Android-exklusive Games zu featuren – ein Teufelskreis.

Auch wenn diese Erfahrungen partikular sind, also denen eines Entwicklers entsprechen, kommen wir nicht umhin festzustellen, dass sie nach berechtigter Kritik klingen. Wie seht ihr das? Bleibt Android das dritte Rad am Wagen der Spieleentwickler? Falls ja, sind vom Play Store abgetrennte Ökosysteme wie OUYA, der Amazon App-Store oder das Humble Bundle ein Ausweg? Vielleicht sind ja gar Indie-Entwickler unter unseren Lesern – decken sich eure Erfahrungen mit den hier geschilderten? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Quelle: Penny Arcade [via MobileSyrup]

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