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Android-Fragmentierung: Was ist es und ist es schlimm?


20.09.2012, 18:15 Uhr

android-fragmentatierung

Ein immer wiederkehrendes Thema, wenn es um Android geht, ist die Fragmentierung, die in regelmäßigen Abständen zum Mittelpunkt teilweise hitzig geführter Debatten wird. Dabei ist oftmals gar nicht ganz klar, um was es sich dabei eigentlich wirklich handelt. In folgendem Artikel wollen wir das Thema daher einmal etwas genauer beleuchten.

Jeden Monat veröffentlicht Google bekanntlich die aktuellen Verteilungszahlen der unterschiedlichen Android-Versionen und dabei wir immer wieder klar, dass die aktuellste Version lediglich auf einer verschwindend geringen Anzahl von Geräten läuft, während der Großteil auf einer älteren und längst überholten Android-Köstlichkeit hängengeblieben ist. Gleichzeitig gibt es in unregelmäßigen Abständen App-Entwickler, die sich darüber beklagen, wie schwierig es ist, für all die unterschiedlichen Android-Smartphones und -Tablets zu programmieren. Da beide Bereiche unter demselben Sammelbegriff diskutiert werden, wird schnell deutlich, dass Fragmentierung nicht gleich Fragmentierung ist.

So gibt es zwei unterschiedliche Arten der Fragmentierung:

Hardware-Fragmentierung
Dieser Begriff bezeichnet die Tatsache, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt Geräte einer bestimmten Software-Plattform, zum Beispiel Android, mit unterschiedlicher Hardware (Prozessor, Display-Größe und so weiter) laufen. Dieses Problem betrifft nicht nur Android sondern jedes Betriebssystem, von Linux über Windows (Phone) bis hin zu iOS – nur ist es bei unterschiedlichen Software-Plattformen unterschiedlich stark ausgeprägt. Für Entwickler sollte dies aber kein großes Problem darstellen, da für die Software-Entwickler Tools (wie die Fragments API) bereitgestellt werden, die eine einfache Programmierung für alle Hardware-Varianten ermöglichen.

Software-Fragmentierung
Anders als bei der Hardware-Fragmentierung ist hier der Umstand gemeint, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt Geräte einer Software-Plattform mit unterschiedlichen Versionen des Betriebssystems laufen. Auch diese Form von Fragmentierung ist nicht Android-exklusiv, fällt hier aber stärker auf als bei anderen Betriebssystemen.

Wie jeden Monat auf’s Neue deutlich wird, laufen die meisten Android-Geräte noch auf älteren Versionen des OS, während die neuen Iterationen um erste Marktanteile kämpfen. Dies liegt vor allem darin begründet, dass die Hersteller hauptsächlich die aktuellen Geräte mit Updates versorgen und ältere Geräte meist aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und manchmal auch schlicht aufgrund nicht ausreichend performanter Hardware auf der Strecke bleiben müssen. Anfangs wurde die Adaptierung der neuen OS-Versionen sogar als Verschwendung von Entwickler-Ressourcen angesehen. Als Vergleich wird hier häufig Apples iOS angeführt, bei dem mehr als 85 Prozent der Geräte mit der aktuellsten OS-Version ausgestattet sind. Natürlich ist es für ein Unternehmen wie Apple einfacher, die neueste Software auf die Geräte zu bringen, wenn man selber der einzige Hersteller von unterstützter Hardware ist – aber selbst hier zeigen sich langsam erste Fragmentierungserscheinungen.

Nachdem wir die unterschiedlichen Formen der Fragmentierung also geklärt haben, stellt sich natürlich die Frage, wie schlimm diese denn jeweils sind: Bei der Hardware-Fragmentierung hatte ich bereits angedeutet, dass sie kein großes Problem darstellt. Die häufigsten Klagen können wir, vor allem die von App-Entwicklern, also der Software-Fragmentierung zuschreiben. Alle paar Wochen kann von App-Entwicklern lesen, die sich darüber beschweren, wie schwierig es im Vergleich zu iOS sei, eine App für alle Android-Versionen und -Geräte zu programmieren – allerdings häufen sich auch immer mehr Gegenstimmen, die behaupten, dass die Android-Fragmentierung gar nicht so schlimm sei.

Wenn man sich die Verteilungszahlen der verschiedenen Android-Versionen aus dem August ansieht, wird schnell klar, dass Android 2.3 mit 57 Prozent ganz klar den größten Anteil besitzt. Wenn ein Entwickler seine App also für Gingerbread und eine weitere Versionsnummer mit großen Anteilen, wie zum Beispiel Ice Cream Sandwich (immerhin 20 Prozent) optimiert, sind bereits 77 Prozent aller Geräte abgedeckt; zusammen mit Froyo wären es schon 91 Prozent und das nur durch die Berücksichtigung von drei Versionen. Bei der Hardware-Fragmentierung verhält es sich ganz ähnlich – da eine App nicht auf jedem einzelnen verfügbaren Gerät getestet werden muss, gilt auch hier: Mit einer kleinen Auswahl an häufig verkauften Geräten sollte ein Entwickler die Kompatibilität für den Großteil der Android-Geräte sicherstellen können.

Abschließend kann also festgehalten werden, dass die Fragmentierung unter Android gar nicht so schlimm ist, wie sie oft dargestellt wird: Da Google viel unternimmt, um sie einzudämmen, wird sie in Zukunft wahrscheinlich sogar zurückgehen, während sich beim direkten Konkurrenten und angeblich Fragmentierungs-freien Betriebssystem iOS langsam die Probleme häufen: Neue Geräte mit neuen Display-Auflösungen machen es den Entwicklern nicht leicht, die Apps zu optimieren und ältere Geräte kommen auch schon längst nicht mehr in den Genuss aller Features einer neuen iOS-Iteration.

Wie ist eure Meinung zur Fragmentierung unter Android? Ist es ein reales Problem, oder doch eher übertrieben? In den Kommentaren könnt ihr euch an der Debatte beteiligen.

Bildquelle: Android Authority

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