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Android 2013: 10 Prognosen für das neue Jahr


03.01.2013, 09:07 Uhr

android-2013

Der Kater nach dem Silvesterfest ist überstanden, der letzte Böllerknall verhallt und die Straßenreinigung beendet die Aufräumarbeiten — ein neues Jahr hat begonnen und richtet sich häuslich ein. Höchste Zeit für uns, mal nach vorne zu sehen: Was bringt das neue Jahr für die Tech-Welt und Android im Speziellen? Wir geben 10 Prognosen für 2013 ab.

Nein, in diesem Jahr gibt es keinen epischen Jahresausblick wie den im vergangenen Jahr. Der hatte sich zwar in einem überwältigenden Ausmaß der Punkte bewahrheitet, aber viele davon lagen auch auf der Hand. Wir greifen uns heuer stattdessen 10 Thesen heraus, die zumindest etwas provokant sind — und sagen, warum wir daran glauben.

Prognose 1: Die OUYA wird ein Erfolg

Wir haben bereits ausführlich das Für und Wider der 99 Dollar-Spielkonsole auf Android-Basis beleuchtet. Das Dilemma lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Kann eine weitere Spielkonsole mit den allmächtigen Konkurrenten Sony, Nintendo und Microsoft mithalten, noch dazu mit – aus Sicht des Jahres 2013 betrachtet – eher dürftigen technischen Spezifikationen? Wir glauben: Jein. Die Verkaufszahlen einer PlayStation 4 oder einer Xbox 720 wird der kleine Kubus nicht erreichen, aber seine Fans wird das Gerät definitiv finden, dafür spricht schon der gewaltige Erfolg auf Kickstarter. Warum? Zum einen, weil Spiele für den Konsumenten günstig verfügbar sind und in der Entwicklung wenig Arbeit machen (zumindest, wenn schon eine Vorlage für das reguläre Android vorliegt). Zum anderen, weil man mit der Spielkonsole auch gleich ein praktisches Mediacenter im Wohnzimmer hat, denn mittelfristig kann man sich die OUYA auch als direkten Konkurrenten zu Apple TV und Google TV vorstellen, der Offenheit des Konzepts sei Dank.

Prognose 2: Project Glass wird 2013 sterben

Es klingt beinahe ein bisschen zu „spacy“, um wahr zu sein: Eine Brille, die das Smartphone ergänzt, das Sichtfeld des Trägers permanent filmt und nützliche Informationen zur Umgebung in einem Head-mounted-Display anzeigt. Auch wenn das Produkt 2013 noch keine Marktreife erlangt, werden bereits in Kürze die ersten Developer-Versionen der Google Glasses herausgehen. Wir glauben, dass man danach kaum noch etwas von den Google Glasses hören wird. Auch wenn es sich um ein von Sergej Brin massiv protegiertes Lieblingsprojekt handelt, ist immer noch kein Einsatzzweck mit einem wirklichen Nutzen denkbar – so war erst kürzlich aus Kreisen bei Google zu hören, dass man sich noch immer in der Phase der Sinnsuche für das Projekt befindet. Noch fataler als die Konzeptlosigkeit des Projekts ist wohl die Tatsache, dass Gesetzgeber in aller Welt bei der Zulassung herummosern werden: Allein Datenschutz und Verkehrssicherheit sind bereits gute Gründe, warum die Google Glasses in manchen Ländern gar nicht erst in den Handel kommen werden.

Prognose 3: Key Lime Pie wird Android stark verändern

Lockscreen Widgets, ein halbgares Tablet-Layout, unnütze Daydream-Bildschirmschoner, dysfunktionale Quick-Settings, der berüchtigte Dezember-Bug — die Liste der Unperfektion von Android 4.2 ist lang und lässt das letzte OS-Update 2012 wie einen Schnellschuss erscheinen. Einiges spricht dafür, dass das auf der nächsten Google I/O vorgestellte Android 5.0 „Key Lime Pie“ diese Scharten auswetzen wird — und zwar über reine Performanceverbesserungen und Alibi-Neuerungen hinweg. Ein komplett neues Framework und eine erneuerte Designsprache sind wahrscheinlich. Ein zentralisiertes Messaging-Center, das Hangouts, Google+ Messenger, Google Talk und Voice vereint, wird die wichtigste Software-Neuerung 2013 sein. Gegenwärtige Entwicklungen wie die wachsende Integration von Google+ in alle Google-Services sowie die stete Verbesserung des Play Stores werden fortgeführt.

Prognose 4: Moore’s Law wird sich verlangsamen

Das Mooresche Gesetz, nach dem sich die Anzahl der Transistoren und damit die Performance von CPUs etwa alle 18 Monate verdoppelt, wird in den kommenden Monaten an Bedeutung verlieren, vor allem im mobilen Bereich – 2013 steigt das Leistungsspektrum von ARM-basierten SoCs deutlich weniger rasant an als in den vergangenen zwei Jahren.

Qualcomm wird seine Rolle als wichtigster Chiplieferant 2013 ausbauen: Auch wenn das Quad Core-SoC Snapdragon S4 Pro bereits Ende 2012 serienreif war, wird es tief ins Jahr 2013 zur Leistungsspitze gehören. Tegra 4 wird an dessen Performance wohl nicht herankommen, Samsungs Quad Core-Exynos 5 kann sich trotz etwas schnellerer GPU auch nicht deutlich genug absetzen. Qualcomm hat zudem den Vorteil, LTE-Modems mit breiter Kompatibilität bereits in die Chips integriert zu haben —- woran die Konkurrenten noch arbeiten. Unsere Prognose: Mit im Detail verbesserten Chips bleibt Qualcomm oben, insgesamt stagniert aber die Hardware-Entwicklung im Spitzenbereich. Auch wenn vereinzelt 8-Core-CPUs auftauchen werden, spielen diese 2013 in Android-Geräten nur eine untergeordnete Rolle.

Spannender sind da die Entwicklungen in den unteren Preisbereichen: Single Core stirbt 2013 endlich aus; Android 4.1+, beschleunigt von preiswerten Dual Core-SoCs aus Häusern wie ST Ericsson und Rockchip, gelangt im Low Cost-Bereich an und macht Android endlich auch auf Geräten der 100-Euro-Klasse so flüssig, wie es sich gehört.

Eine große Unbekannte ist allerdings Intel: Die Medfield-Plattform kam 2012 mit erheblicher Verspätung am Markt an – ob der Nachfolger mit 2 physischen und 4 virtuellen Kernen überzeugen kann, steht noch in den Sternen. Die für die neue CPU-Generation anberaumte 22 nm-Fertigung und das integrierte LTE-Modem lassen zumindest auf Großes hoffen. Abhängig ist der Erfolg der Medfield-Chips davon, ob Intel ausreichend Hardwarepartner findet.

Prognose 5: Smartphones und Tablets chinesischer Firmen werden konkurrenzfähiger

Ja, den Aufstieg chinesischer Firmen hatten wir schon im vergangenen Jahr vorausgesagt. Zum Teil ist der auch eingetreten, wenn auch nicht unbedingt in Europa: ZTE hat sich in Nordamerika besser im Markt der Mittelklassemodelle positioniert, Huawei hingegen scheiterte an Problemen mit den eigenen Lieferketten und dem hehren Anspruch, Qualcomm, Nvidia und Samsung mit eigenen SoCs Konkurrenz zu machen. Im neuen Jahr rüsten nicht nur diese beiden Hersteller auf — ZTE mit einem massiven Vorstoß in die Oberklasse (vor allem mit dem schicken Grand S), Huawei mit dem mutigen Phablet Ascend Mate (und dem Versuch, die hausgemachten Verfügbarkeitsprobleme in den Griff zu kriegen).

Mit Meizu, Xiaomi oder Oppo wird mindestens einer von drei weiteren bekannten chinesischen Herstellern seinen Weg in westlichere Märkte finden. Aber auch viele kleinere, kaum bekannte Hardwarehersteller aus China bereichern die Märkte und werden den etablierten Größen Marktanteile abknöpfen — allerdings überwiegend in der Unterklasse. (Bild: Meizu MX2)

Prognose 6: Das Samsung Galaxy S4 wird einiges anders machen (oder enttäuschen)

Unzweifelhaft ist das Samsung Galaxy S4 das meisterwartete Android-Smartphone im neuen Jahr. Samsung ist in einer schwierigen Position, denn trotz traumhafter Verkäufe des Galaxy S3 hat der Konzern im neuen Jahr starke Konkurrenz, im Mainstream durch das Nexus 4 (sofern sich dessen Verfügbarkeit verbessert), in der Oberklasse durch die Welle an 5 Zoll/1080p/S4 Pro-Smartphones — exemplarisch seien das HTC M7, das ZTE Nubia Z5 und das Sony Xperia Z genannt. Den neuen Standard von 1080p-Displays wird Samsung mit seinen Super AMOLED-Displays wohl (noch) nicht in der Massenproduktion bedienen können. Fragt sich, ob die Koreaner auf ein LC-Display umschwenken oder weiter mit 720p-Screens arbeiten, eventuell mit einem kleineren Formfaktor als den 4,8 Zoll des Galaxy S3. Wir hoffen das Zweite, erwarten aber das Erste. In jedem Fall wird sich etwas ändern bei Samsung — ändern müssen, denn auch die mittlerweile etwas angestaubt wirkende Samsung-Software und die mittelmäßige Verarbeitung der 2012er-Geräte werden im neuen Jahr auf weniger Gegenliebe stoßen.

Prognose 7: 7-Zoll-Tablets sind Trend der ersten Jahreshälfte; Induktionsladung Trend der zweiten Jahreshälfte

Oh Wunder, nach einem Jahr erfolgloser Bemühungen, sündhaft teure 10-Zoll-Tablets mit Android an den Mann zu bringen, kamen ASUS und Google 2012 auf die glorreiche Idee, Tabletgröße und Preis zu verringern. Ergebnis: Das auf das Wesentliche reduzierte Nexus 7 für 200 Dollar/Euro war ein großer Erfolg. In der ersten Hälfte 2013 werden daher (neben der offensichtlichen Schwemme an FullHD-Smartphones) zahlreiche weitere preiswerte 7-Zoller erscheinen, selbst Markenhersteller streben dabei die magische Preisgrenze von 99 Dollar bzw. Euro an. Von Samsung erwarten wir ein Note-Gerät mit diesem Formfaktor.

Nexus 4 wireless charging

Das Nexus 4 und diverse neue Windows Phones von HTC und Nokia besitzen bereits die Fähigkeit, per Induktion nach dem Qi-Standard geladen zu werden. Ab dem Sommer werden zahlreiche weitere Geräte auf den Markt kommen, die auf diese Weise geladen werden können. Warum? Im Gegensatz zu eher abstrakten Technologien wie NFC ist der Sinn von kabellosem Laden jedem sofort ersichtlich. Auch wenn der Einstieg durch die notwendige Anschaffung einer Qi-kompatiblen Ladestation etwas erschwert wird: Der Komfortgewinn durch diese Technologie — wer hasst es nicht, mit micro USB-Kabeln herumzuhantieren? — und die Tatsache, dass es sich um einen offenen Standard handelt, kommt ihr zugute.

Prognose 8: Smartphones und Tablets werden billiger

Nexus 4 und Nexus 7 haben in der zweiten Hälfte 2012 ihre jeweiligen Märkte durchgerüttelt. Ja, der Preisverfall bei Android-Geräte war immer schon eklatant, aber nun werden die Hersteller dazu gezwungen, Preise von Anfang an niedriger, lies: realistischer, anzusetzen. Gesetzt den Fall, Google schafft es, die Verfügbarkeit aktueller und zukünftiger Nexus-Devices sicherzustellen, dann werden sich die Hersteller Nischen suchen müssen – sei es ein Stylus, ein hochauflösendes Display, ein Riesenakku, oder die Einbindung in Hersteller-Ökosysteme (siehe Sony) — um mit Googles Mainstream-Hammern mithalten zu können. Wer keinen deutlichen Mehrwert aufbietet, wird zukünftig nicht mehr mit den Nexus-Geräten konkurrieren können. Was übrig bleibt, ist, die Preise zu senken — aus Sicht der Hersteller besonders schmerzhaft bei Spitzengeräten, die einst die höchsten Gewinnmargen besaßen.

Prognose 9: HTC bleibt in der Krise, Sony holt auf

HTC hatte hehre Ziele für 2012: Man wollte die Produktpalette einengen und nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ lieber wenige neue Geräte vorstellen, die dafür qualitativ die Konkurrenz vor Neid erstarren lassen sollte. Und trotz kleinerer Kritikpunkte waren One X und One S dann auch sehr gute Smartphones. Das Krisenjahr 2012 hatte andere Gründe, die One-Serie litt nicht an fehlender Qualität, sondern daran, dass die anderen Hersteller aufholten und ebenfalls gute Produkte anboten. Die Produktlebenszyklen bei Android-Smartphones sind aufgrund der Konkurrenz der Hersteller untereinander so kurz, dass kein Platz für eine One Shot-Taktik ist. Es mag eine unter den Fans unpopuläre Maßnahme sein, aber über das Jahr verteilt immerfort neue Geräte auf den Markt zu bringen, sichert einem Smartphone-Hersteller das Überleben.

Ende 2012 schluckte HTC endlich die bittere Pille und verbreiterte die Produktpalette wieder: Mit One X+, Desire X und One SV sowie den neuen Windows Phones kamen dann auch Geräte auf den Markt, die prompt die Bilanzen leicht verbesserten. 2013 bringt HTC wahrscheinlich wieder mehr neue Devices, aber die wachsende Konkurrenz durch Samsungs Ominipräsenz, das Nexus 4, Sonys Ober- und Mittelklasse sowie neuer Konkurrenten aus China macht es dem angeschlagenen Konzern noch schwerer, Boden zurückzugewinnen.

Sony hingegen positioniert sich mit seiner Produktpalette weiter breit in der Mittel- und Unterklasse und Geräten mit gutem Preis-Leistungsverhältnis. Die Geräte profitieren überdies vom guten Ruf Sonys in der Developer-Szene, der perfekten Integration in Sonys Content-Ökosysteme, vor allem mit der PlayStation-Marke, und der Interoperabilität mit anderen Sony-Produkten. In der Oberklasse bringt Sony 2013 endlich Flaggschiffe auf den Markt, die bei den technischen Spezifikationen mithalten können. Dies sind aber eher Prestige-Projekte, die Umsätze liegen für Sony in der Mittelklasse – und dort sammeln sie die Japaner auch ein. Sony wird einer der Gewinner 2013 sein.

Prognose 10: Motorola rückt näher an Google — und wird dadurch erfolgreicher

2013 wird Google in wachsendem Maß Einfluss auf die Geschicke der neuen Unterdivision Motorola Mobility nehmen: Google ist klug und wird sich nach einem schmerzhaften „Gesundschrumpfungsprozess“ auf die Stärken von Motorola besinnen — das hervorragende Industriedesign der RAZR-Geräte — und versuchen, die Schwächen zu minimieren. Das wird sich unter anderem in neuen UI-Konzepten äußern, die wesentlich mehr mit Stock-Android zu tun haben als gegenwärtig. Unabhängig vom ominösen X Tablet und X Phone wird mindestens ein Nexus-Gerät von Motorola kommen.

Jetzt seid ihr dran. Haltet ihr unsere Prognosen für realistisch oder möchtet ihr ihnen widersprechen? Was sind eure Voraussagen für 2013? Wir freuen uns auf eure Diskussionsbeiträge im Kommentarbereich.

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