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Android 2012: Unser Jahresausblick in alphabetischer Form (Teil 2: N bis Z)


02.01.2012, 20:15 Uhr

android-2012

Willkommen zum zweiten Teil unseres Ausblicks auf das Jahre 2012 aus Sicht von Android. Gestern sind wir bis zum Buchstaben M gekommen, heute nehmen wir uns den Rest vor: Die Lettern N bis Z. Auf geht’s!

Wir glauben, dass NFC 2012 seinen großen Durchbruch erlebt. Denn NFC-Chips werden billiger und können im neuen Jahr in weitaus mehr Geräte eingebaut werden. Zudem besitzt NFC Einsatzfelder, die wir höchstens im Ansatz überblicken können. Problemloses Einchecken in Orte bei Foursquare und Co.? Bargeldloses Bezahlen? Schnelles Einrichten von Wifi-Direct-Verbindungen zum Austausch von Dateien? Aufsperren und kabelloses Bezahlen von Mietwagen oder -fahrrädern? Schnelles Verbinden mehrerer Geräte für Multiplayer-Games? Gegenseitiges Hinzufügen als Kontakt in Social Networks? Alles denkbar, dank NFC. Weil Android die entsprechenden APIs zur Verfügung stellt, werden binnen kürzester Zeit zahllose Entwickler kreative Einsatzformen von NFC und der darauf basierenden Beam-Technik entwickeln.

Android zeigt 2012 Omnipräsenz. Soll heißen: Android kommt nicht mehr nur als Betriebssystem in Smartphones und Tablets zum Einsatz, sondern auf allen Geräten und deren Hund. Als da wären Set Top-Boxen mit Google TV (an deren Erfolg in der Breite wir jedoch weiterhin nicht so recht glauben), Armbanduhren, Radiowecker, Spielekonsolen, MP3-Player, E-Book-Reader, Festnetztelefone und … PCs. Gerade bei letzteren stehen die Zeichen günstig: Android wird kompatibel mit x86-CPUs von Intel und AMD, unterstützt externe Eingabegeräte wie USB-Tastaturen besser. Mit dem Transformer Prime ist bereits ein Quasi-Netbook erschienen und dank android-x86 existieren schon fertige Android-Distributionen für diverse Laptop- und Netbook-Modelle. Gut möglich, dass Google auch seine bis dato wenig überzeugenden Chromebooks nicht mehr auf einer eigenen Linux-Distribution basieren lässt, sondern auf Android umstellt. Nein, Android wird 2012 keine Konkurrenz für Windows auf „echten“ Rechnern. Aber es streckt seine Fühler aus.

Der Krieg um Patente und Geschmacksmuster wird sich 2012 weiter verschärfen und noch absurdere Züge annehmen. Apple fühlt sich dem Wunsch seines toten Visonärs Steve Jobs verpflichtet und verklagt jeden, der etwas mit einer vage rechteckigen Form herstellt. Microsoft nötigt Smartphone-Hersteller weiterhin, Windows Phone 7-Geräte zu produzieren, um diesen dafür großmütig einen Rabatt auf die üppigen Lizenzgebühren zu genehmigen. Patenttrolle wie IPcom werden auch 2012 versuchen, Geld für nichts einzustreichen. Der Wahnsinn nimmt keine Ende und Innovationen werden gehemmt, weil die Scheu der Firmen steigt, bestehende Konzepte zu verfeinern. Profitieren wird von diesem Geplänkel niemand.

2012 ist das Jahr der Quadcore-CPUs. Qualcomms “Krait”-Snapdragon, eine Vierkern-Exynos von Samsung und natürlich Nvidias Tegra 3 – ein Chipsatz, der strenggenommen eine Quintcore-CPU beherbergt – sind die Speerspitze der Performance und halten Einzug in diverse Oberklassegeräte. Damit steigt das Leistungspotential bei gleichbleibendem Stromverbrauch und ermöglicht, nun ja, in erster Linie hübschere Games.

Der Trend zu Riesen-Smartphones, auch Superphones genannt, setzt sich fort. Einen Anfang macht HTC, glaubt man den Gerüchten, mit dem 4,7-Zoll-Giganten Elite. Auch Samsung wird das Galaxy S3 vermutlich an die 4,65 Zoll des Galaxy Nexus angleichen und ein neues Galaxy Note mit mindestens 5,3 Zoll Diagonale anbieten. Auch wenn in den neuen Modellen häufig ein Teil der größeren Fläche auf die seit Ice Cream Sandwich möglichen Software-Buttons abfällt, sind die Gigantophones doch in der Regel zu groß, um sie mit einer Hand zu bedienen. Die Erkenntnis, dass die Zeit reif für ein Smartphone mit einem Innenleben auf dem aktuellesten Stand der Technik und einem Display ist, das nur 3,7 oder 4 Zoll in der Diagonale misst, wird die Hersteller 2012 zum größten Teil noch nicht erreichen.

Keine Überraschungen bei Samsung: Auf dem Mobile World Congess Ende Februr wird das Samsung Galaxy S III vorgestellt, das dünner ist, mit einem Super AMOLED HD-Display und Quadcore-CPU ausgestattet sein und alle Verkaufsrekorde brechen wird. Oder wettet jemand dagegen?

acer iconia a500Tablets mit Android 3.x „Honeycomb“ hatten es schwer im Jahr 2011: Es gab zu viele Exemplare am Markt, die sich zu wenig voneinander unterschieden und die Konkurrenz durch das starke iPad 2 von Apple war übermächtig. 2012 werden diverse Hersteller einsehen, dass mit Android-Tablets nicht viel Geld zu verdienen ist und ihr Engagement auf diesem Markt zurückfahren. Da Ice Cream Sandwich schneller verfeinert wird als noch Honeycomb, birgt diese Entwicklung Chancen für drei oder vier Spitzenmodelle, richtig durchzustarten. Trotzdem werden Tablets weiter deutlich billiger, denn in den Warenlagern verstauben noch viele Tablets aus dem Jahr 2011, die erst ab Preisen von deutlich unter 300 Euro signifikante Käuferschichten ansprechen – ein stückweit kannibalisiert sich der Markt also selbst. Schnäppchenjäger freuen sich darüber, denn auch die Tegra 2-Geräte des alten Jahres gehören technisch noch nicht zum alten Eisen. Da der Ice Cream Sandwich-Quellcode im Gegensatz zu Honeycomb offen ist, wird die Custom ROM-Kultur auch für Tablets aufblühen und – wenn schon nicht auf dem offiziellen Weg – so auch Tablet-Mauerblümchen aus dem letzten Jahr fit für Ice Cream Sandwich machen.

Ice Cream Sandwich ist Chance und Risiko zugleich für uns als Konsumenten. Einerseits wird der Druck, den Anwender auf die Hersteller ausüben, um Updates auf die jüngste Android-Version zu erreichen, ungleich höher sein. Andererseits ist auch der Aufwand, den die Hersteller zur Anpassung von ICS an ihre Hardware beziehungsweise die eigenen Benutzeroberflächen investieren müssen, größer als etwa von Froyo zu Gingerbread. Zumal Hersteller wie HTC und Samsung mittlerweile Portfolios von mehreren Dutzend Modellen haben. Summa summarum: Nicht alle Geräte, die technisch in der Lage wären, Ice Cream Sandwich auszuführen, werden ein offizielles Update erhalten. Und das wird böses Blut geben. Unser Rat und Appell an die Gerätehersteller: Wenn ihr kein Android 4.0-Update liefern könnt oder wollt, dann gebt wenigstens der Community Werzeuge an die Hand, um sich selbst zu behelfen: Entsperrte Bootloader, Treiber, Kernel-Quellcodes, Flashanleitungen. Wir Android-Enthusiasten werden es euch danken.

Apps und Webservices, die bis jetzt nur den US-Amerikanern vorbehalten waren, werden es im neuen Jahr nach Deutschland schaffen. Stellvertretend sei Google Voice genannt, bei dem die Vorbereitungen dem Vernehmen nach schon ziemlich weit gediehen sind. Ebenfalls sehr wahrscheinlich wird Google Wallet irgendwann 2012 auch auf deutschen Android-Geräten mit NFC verfügbar sein, denn Mobile Payment ist ein zentraler Bestandteil von Googles Strategie in den nächsten Monaten. Nicht unwahrscheinlich ist, dass Amazons Appstore 2012 auch in Deutschland an den Start geht. Bei Musikdiensten wie Google Music, dem Amazon MP3-Cloud Storage Locker und Spotify sind wir skeptisch, denn die Blockadehaltung der GEMA gegenüber allen nach 1970 entwickelten digitalen Errungenschaften ist ja fast schon sprichwörtlich. Etwas besser stehen da die Deutschlandstart-Chancen für Filmstreamingdienste wie Netflix, Hulu und die Filme im Android Market. Aber beschwören möchten wir es nicht.

Auch 2012 werden wir wieder von Statistiken penetriert, die mal iOS und mal Android die Marktherrschaft andichten. Global gesehen glauben wir, dass das reale Wachstum von Android ansteigt, denn in diesem Jahr sterben Featurephones langsam aus — wer ein neues Handy kauft, kauft wahrscheinlich ein Smartphone, und kauft somit wahrscheinlich ein Android-Gerät. Auch im Verhältnis zu anderen Mobil-Betriebssystemen ist noch ein wenig Wachstum drin, was vor allem dem Fall der BlackBerries und Symbian-Smartphones anzurechnen ist. Dieses Wachstum stagniert aber etwas im Vergleich zu den Fabelwerten der letzten Jahre – zumindest in den Industrienationen. Günstige Smartphones mit Android werden sich jedoch – wie 2011 in Kenia zu beobachten – in Entwicklungs- und Schwellenländern weiter verbreiten. Für Androiden der 100 Euro-Klasse hat Apple kein Äquivalent und wird auch keines herstellen.

Was wird aus der Xperia-Marke, wenn Sony Ericsson zu Sony wird? Was wird aus der Niederlassung in Schweden, der 2011 mühsam erkämpften Rückbesinnung auf den Kunden und dem engagierten Developer-Programm von Sony Ericsson? Antworten auf diese Fragen werden wir vermutlich am ENde dieses Jahres haben.

yoda-android

Yoda auch im neuen Jahr kein Verhältnis zu Android hat. Aber auch egal das ist. Leider nichts zu Y uns sonst eingefallen ist.

china-androidZTE soll zum Schluss exemplarisch für diverse Firmen aus China stehen, die sich 2012 stärker in Europa und den USA profilieren werden – auch außerhalb des Budgetsektors. Meizu und Huawei sind weitere Beispiele. Letztere wollen bereits auf der CES ein Oberklasse-Smartphone zeigen, auch beim guten Huawei Vision konnten wir ja bereits eine Abkehr vom Billig-Smartphone beobachten. Und das gestern in China gestartete Meizu MX ist ein potentieller Knaller, bei dem wir einem Deutschlandstart freudig entgegenblicken würden. Wir sind sehr gespannt, was 2012 an Android-Geräten aus dem Reich der Mitte kommen wird.

Das war der zweite und letzte Teil unserer Vorschau auf das Jahr 2012. (Hier der erste, falls ihr ihn noch nicht gelesen habt) Ob wir wirklich mit unseren Mutmaßungen rechthaben sehen wir, wenn das Licht angeht Jahr vorüber ist. Einstweilen freuen wir uns auf ein 2012 voller Gerüchte, Bestätigungen, Aufreger, Entdeckungen und Erkenntnisse. Wir hoffen, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet. Euch und uns: Viel Spaß dabei!

Bild Droid-Yoda: bite.ca

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    Ich dachte der Quellcode von Honeycomb wär seit dem Launch von ICS auch offen oder irre ich mich da?

  • http://twitter.com/maliaslantas M.A.

    well done

  • Markus (motu90)

    Ja, ist quasi darin enthalten.

  • Markus (motu90)

    Eine gute Zusammenfassung, auch wenn ich die Formulierung beim Punkt “Patente” doch etwas zu drastisch finde.

    Eine andere Sache: scheinbar habt ihr die Zahl der Werbeeinblendungen erhöht – auch wenn aus finanzieller Sicht verständlich, trotzdem schade. Ihr habt doch ein begabtes Team, bitte stellt doch Flattr-Buttons und Donatebutttons für uns Leser zur Verfügung :)

  • FrankZ

    Also bei Y hätte Euch ja Yopoly einfallen können. :-) http://www.yopoly.de

  • Karpfenpfeifer

    Das “kurz bevorstehen” von Google Voice haben Sie schon im September so beschrieben (und verweisen im Artikel auch auf diesen Beitrag).

    Seit Ihrem Posting ist aber irgendwie nichts passiert. Gibt es da überhaupt keine Neuigkeiten?

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