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Tweet Lanes, Boid: Twitter-Clients für Android eingestellt


20.11.2012, 16:03 Uhr

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Zwei viel versprechende Twitter-Clients, die dieses Jahr von sich hören lassen haben, waren Boid und Tweet Lanes. Beide wussten mit aufgeräumter Funktionsvielfalt im Holo-Look von Android 4.x zu gefallen, und beide Clients werden ab sofort nicht mehr weiterentwickelt. Grund sind Twitters seit August bestehend API-Regeln, die es nahezu unmöglich machen, neue Drittanbieter-Clients zu lancieren.

Über Jahre hinweg war Twitter ein Hort der Freiheit, was Apps und Tools anging, die nicht von Twitter selbst stammen. Diese Zeiten sind vorbei, seitdem Twitter Mitte August eine komplette Kehrtwende durchführte. Mutmaßlich, um die eigenen Clients zu stärken, wurde neben strengen Richtlinien, wie etwa ein Tweet dargestellt werden muss, ein so genanntes „Token Limit“ für Apps und Anwendungen eingeführt, die per API auf Twitter zugreifen wollten. Grob gesagt bedeutet das, dass eine neue Twitter-App maximal 100.000 Nutzer, egal ob aktiv oder inaktiv, haben darf. (Alte Twitter-Apps dürfen immerhin noch die doppelte Menge an Tokens erreichen, die sie zum Zeitpunkt der Einführung der API-Änderungen besaßen.) Außerdem behält sich Twitter das Recht vor, Anwendungen zu blockieren, die nicht den Regeln entsprechend gestaltet sind und deren Entwickler auszusperren. Dieser Politikwechsel war Anlass für herbe Kritik aus der Entwickler-Community, beispielhaft sei hier die hier die Sezierung der API-Nutzungsbedingungen von Marco Arment genannt.

Die Entwicklung hat absurde und häufig fatale Konsequenzen für die Entwickler alternativer Twitter-Apps, deren Geschäftsfeld von heute auf morgen zerstört wurde. Tweetbot für den Mac etwa kostet deswegen 20 US-Dollar, damit das Programm nicht so schnell an sein Nutzerlimit kommt (!) und die Entwicklung der App trotzdem noch finanziert werden kann. Tweetro war der einzige Twitter-Client für die Modern UI von Windows 8 – hier gibt es nicht einmal eine offizielle App von Twitter – , musste aber wegen des Token-Limits eingestellt werden.

Nun führ Twitters API-Änderung auch zum Exitus für zwei viel versprechende Twitter-Apps für Android, die der nativen Twitter-App in vielerlei Hinsicht überlegen waren. Boid und Tweet Lanes sind im Laufe dieses Jahres erschienen, bei beiden Twitter-Apps stand im Vodergrund, Twitter besser an Android-Designstandards anzupassen, also mit der Holo UI zu versehen. Binnen kürzester Zeit konnten beide Apps so eine beachtliche Fanbasis erreichen, die die Entstehung der Apps als Work-in-Progress-Projekte in ihren jeweiligen Beta-Phasen begleiteten.

Nun sind sowohl Boid als auch Tweet Lanes eingestellt worden. In einem persönlichen Blogposting nimmt Boid-Mitentwickler Graham Macphee zwar nicht direkt Bezug auf die Entwicklung bei Twitter, sondern gibt an, dass sein Vorhaben, andere Entwickler zu inspirieren, nun vollendet sei. Dennoch gehen wir davon aus, dass das Token-Limit von Twitter einen deutlichen Einfluss auf die Entscheidung des Boid-Teams gehabt hat, die Arbeit mehrerer Monate einfach zu beenden. Das wird dann auch, aller Schönfärberei zum Trotz, in einem Tweet bestätigt.

Der Entwickler von Tweet Lanes ist da ein bisschen direkter. In einem Posting auf Google+ gibt Chris Lacy an, versucht zu haben, in direkter Kommunikation mit Twitter eine Anhebung des Limits von 100.000 Usern zu erreichen, was fehlschlug. Mit diesem Limit vor Augen mache es aus seiner Sicht keinen Sinn, Tweet Lanes weiterzuentwickeln. Besonders schade ist aus der Sicht von Lacy, dass Tweet Lanes so nie alle Features erreichen konnte, die er dafür geplant hatte. Sollte Twitter je das Token-Limit aufheben, würde er mit der Entwicklung von Tweet Lanes fortfahren.

Zwei für Twitter-Nutzer traurige Geschichten mit demselben Hintergrund. Twitter scheint derweil vom eigenen API-Kurs nicht abrücken zu wollen, der einzige Grund ist das Protegieren der eigenen, nicht gerade optimalen Clients. Das ist insbesondere deswegen schade, weil die Offenheit des Dienstes gegenüber anderen Tools und Programmen in der Vergangenheit einen guten Teil des Erfolgs von Twitter ausmachten.

Was man tun kann

Wer Twitter aufgrund der Regelungen partout nicht mehr verwenden will, findet im Netz ausreichend Alternativen: Mit app.net und identi.ca existieren funktionsähnliche freie Twitter-Alternativen, die zwar nicht die große Nutzerbasis von Twitter haben, aber immerhin keine drakonischen Maßnahmen gegen Drittanbieter-Clients anbringen. Ebenfalls empfehlenswert, wenn auch funktional etwas anders gelagert, ist aus unserer Sicht natürlich Google+.

Wer bei Twitter bleiben, und die Hersteller von alternativen Apps unterstützen will, sollte in seine Twitter-Applikations-Einstellungen gehen und nicht mehr benötigte Anwendungs-Verknüpfungen widerrufen. Dann wird wieder ein Token für einen anderen User der entsprechenden Anwendung frei.

Was haltet ihr vom API-Kurs bei Twitter und dem Ausscheiden der genannten Twitter-Clients? Meinungen in die Kommentare.

[via DroidDog, reddit]

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