Artikel empfehlen

Tim Cook: Heutiger Apple-Chef wollte Samsung nicht verklagen


11.02.2013, 09:36 Uhr

tim-cook-apple

Steve Jobs trat zu Lebzeiten massiv für eine Klagewelle gegen Samsung ein. Wie nun bekannt wurde, war dieser Kurs selbst in der Apple-Führungsriege nicht unumstritten. Tim Cook, heute Apple-Boss und damals COO, war gegen Jobs’ juristischen Eskalationskurs.

Steve Jobs mochte Android nicht. Auch wenn Apple sich in seiner eigenen Firmengeschichte ebenfalls gelegentlich deutlich hatte von Konkurrenten inspirieren lassen, sah der Apple-Boss Android als so dreistes Plagiat an, dass er ihm den „thermonuklearen Krieg“ erklärte. Teil der Strategie war, die Hersteller von Android-Geräten mit einer internationalen Klagewelle zu überziehen, die bis heute andauert. Wichtigstes Opfer: Samsung. Dieser Kurs brachte Apple viel Kritik ein und war offenbar, wie jetzt herauskam, auch intern nicht unumstritten.

So war selbst Apple-Vize Tim Cook, der nach dem Tod Steve Jobs’ das Ruder übernahm, dagegen, Samsung auf so breiter Front zu verklagen. Dies berichtet Reuters in einem aktuellen Report. Gründe waren für den damaligen Apple-COO allerdings weder Freundschaft zu den Koreanern noch Altersmilde, sein Argument gegen den juristischen Feldzug war die immense taktische Bedeutung von Samsung als Zulieferer von Komponenten für Apples Geräte. In dem – insgesamt lesenswerten – Report heißt es, dass nach der Veröffentlichung der, aus Apple-Sicht, von iPhone und iPad kopierten Geräte Galaxy S und Galaxy Tab Uneinigkeit zur Vorgehensweise in der Chefetage herrschte (Übersetzung von uns):

Cook war besorgt bezüglich der kritischen Beziehung (zu Samsung) als Lieferant und daher dagegen, Samsung zu verklagen. Aber Jobs hatte keine Geduld mehr und spekulierte, dass sich Samsung zu sehr auf seine Zulieferer-Rolle als Verteidigung gegen Vergeltungsmaßnahmen verließ.

Der Rest ist Geschichte: Steve Jobs setzte sich durch, die Klagen begannen im April 2011 und führten beispielsweise dazu, dass das Galaxy Tab 7.7 in Deutschland nicht erschien, das Galaxy Tab 10.1 hierzulande nur als veränderte N-Version auf den Markt kam. Samsung setzte dessen ungeachtet die in der Tätigkeit als Zulieferer für Apple erlangten Fähigkeiten für die eigenen Geräte ein, positionierte sich nicht zuletzt durch entsprechende Werbemaßnahmen als Antithese zu Apple und wurde immer erfolgreicher. Das Galaxy S3 konnte 2012 erstmals in Sachen Verkaufszahlen ernsthaft mit dem iPhone konkurrieren, ironischerweise dürfte der ebenfalls 2012 verlorene Milliardenprozess in den USA einen immensen Werbeeffekt für Samsung bedeutet haben.

Ob Cooks einstige Oppositionshaltung mittelfristig sich in einem Ende der Klagen gegen Samsung auswirken wird, wagen wir zu bezweifeln. Dafür war dessen Argument zu zweckmäßig. Apple hat zwischenzeitlich zudem immer mehr Abhängigkeiten zu Samsung als Zulieferer gekappt, außerdem werden uns bereits die gegenwärtigen Klagen noch für mehrere Jahre beschäftigen.

Tim Cook hat einen anderen Führungsstil als Jobs, der für seine Unnachlässigkeit bekannt war. Die überraschende Einigung mit HTC geht auf Cooks Konto und dürfte Apple viel Geld in die Kassen spülen. Momentan scheint eine ähnliche Einigung mit dem erbitterten Erzfeind Samsung unmöglich, aber wer weiß – vielleicht ist in einigen Jahren ja Platz für eine friedliche Koexistenz zwischen Apple und Samsung? Wir werden sehen.

Quelle: Reuters [via Phone Arena]
Bild: Apple

Bewerte diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Ø 4.17 von 5 - 6 Bewertung(en)
Loading ...
Folge androidnext auf Facebook

Verwandte Artikel