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Root und Flash: EU-Richtlinie erlaubt Software-Modifikationen [Update]


07.11.2012, 14:08 Uhr

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Für viele Besitzer von Android-Smartphones oder -Tablets gehört das Rooten des Gerätes zu einem der ersten Schritte nach der Inbetriebnahme. Nicht wenige Nutzer schrecken allerdings davor zurück, da sie fürchten, die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer zu verlieren – laut einer EU-Richtlinie ist dies aber nicht der Fall.

Das Rooten eines Android-Geräts und das Flashen von Custom Firmwares und Kernels bringt in der Regel viele Vorteile mit sich. Aber auch wenn die Gefahr, das Gerät bei dem Vorgang zu beschädigen eher gering ist, ist sie doch vorhanden. Aus diesem Grund schrecken viele Nutzer davor zurück, selber Hand an das eigene Gerät zu legen, da im Fall der Fälle die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer erlöschen – soweit bisher die landläufige Meinung. Das juristische Team der Free Software Foundation Europe (FSFE) hat sich nun ausführlich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und nach ausführlicher Prüfung eine Stellungnahme veröffentlicht.

Demnach ist das Team zu dem Schluss gekommen, dass laut EU-Richtlinie 1999/44/CE die Gewährleistungsansprüche auch nach Rooten oder Verändern der Software eines Smartphones erhalten bleiben. Natürlich kann es durch veränderte Software zu Schäden an der Hardware kommen, zum Beispiel durch Übertakten des Prozessors – in diesem Fall darf der Verkäufer die Gewährleistung verweigern. Wichtig ist allerdings, dass der Verkäufer in der Beweispflicht steht – er muss also beweisen, dass der Schaden am Gerät durch nicht-normale Verwendung des Gerätes verursacht wurde.

[Update] Viele Leser haben uns darauf hingewiesen, dass die Aussage im Quelltext, dass der Händler in der Beweispflicht ist, so nicht richtig ist – nach den ersten sechs Monaten dreht sich die Beweislast um und der Kunde muss nachweisen, dass der Schaden bereits beim Kauf vorlag. Danke für die zahlreichen Hinweise. [/Update]

Kann der Verkäufer nicht beweisen, dass der Schaden durch veränderte Software oder Root hervorgerufen wurde, greift die übliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren. Für Android-Nutzer heißt dies also, dass man munter drauf los Rooten und Flashen kann, allerdings sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass diese Vorgänge trotzdem Gefahren bergen und man trotz der gesetzlichen Absicherung mit der nötigen Vorsicht vorgehen sollte.

Was haltet ihr von der Richtlinie? Traut ihr euch jetzt auch, euer Android-Gerät zu rooten, oder hat euch der gedrohte Verlust der Gewährleistung bisher eh nicht davon abgehalten?

Quelle: piana.eu [via Netzpolitik.org]

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