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Phonebloks: Warum das modulare Smartphone keine Realität werden kann


16.09.2013, 10:06 Uhr

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Phonebloks ist ein interessantes Projekt, das wir in der vergangenen Woche aufgegriffen hatten und das heftige Reaktionen hervorgerufen hat. Das modulare Smartphone-Konzept, in dem man einzelne Komponenten wie CPU, Display und Speicher über so genannte Bloks einfach austauschen kann, um das Gerät preiswert aufzurüsten oder zu reparieren, hat offenbar einen Nerv getroffen. Leider ist es aber technisch nicht ohne weiteres realisierbar, wie das Blogposting eines Hardware-Hackers zeigt.

Bereits in unserem ersten Artikel zu Phonebloks haben wir uns skeptisch zu dem Konzept positioniert, auch in unserem letzten blub!-Podcast äußerten Lukas und ich unseren Unglauben zur Realisierbarkeit des Projekts.

Auf die Gefahr hin, als Phonebloks-Mobber zu gelten (sind wir nicht; wir würden uns sehr wünschen, dass das Konzept Realität werden würde) — derzeit macht ein Blogposting von Hardware-Hacker George Hahn die Runde, welches weitere Argumente gegen Phonebloks sammelt. Die fanden wir so interessant und nachvollziehbar, dass wir sie hier ebenfalls wiedergeben wollen.

Abgesehen von Argumenten des Marktes (der Trend geht zu Komplett-Systemen, Chiphersteller dürften Phonebloks aufgrund zu erwartender Verluste eher nicht unterstützen) und des Formfaktors (ein modulares Smartphone würde zwangsweise größer sein), die wir schon gebracht haben, erklärt Hahn weitere Rahmenbedingungen, die das Konzept, zumindest aus heutiger Sicht, unrealistisch erscheinen lassen.

Zum einen sind die Gründe physikalischer Natur. Aufgrund der hohen Datendurchsätze in heutigen Geräten ist es notwendig, dass Komponenten „näher zusammenrücken“: Zum Beispiel sind Hauptprozessor, Arbeitsspeicher und Funkchips in Smartphones heutzutage alle auf einem Silizium-Die vereinigt. Dem kann das Phonebloks-Konzept nicht gerecht werden. Problematisch ist auch die Kommunikation der Komponenten untereinander, denn nahezu alle sind direkt mit dem Prozessor verbunden — alleine diese Tatsache schränkt im Phonebloks-Konzept bereits die Größe einzelner Blocks und deren Platzierung stark ein. Andernfalls müssten neue schnelle Übertragungswege gefunden werden, deren Entwicklung und Produktion sehr teuer sind. Selbst beim Speicher, der keiner so schnellen Anbindung bedürfe, würde die Modularisierbarkeit einen Preis von 2 bis 5 Dollar pro Gerät auf die Herstellungskosten hinzufügen — der Endkonsument müsste dafür noch einmal ungleich mehr (bis zu 20 Dollar) zahlen.

Schließlich, und das ist der Kernpunkt von George Hahn, ist aber die Entwicklung gemeinsamer Kommunikations-Standards das das größte Hindernis auf diesem Weg. Alleine das Testen und Debuggen, das notwendig wäre, um die Kompatibilität aller Komponenten untereinander sicherzustellen, sei unheimlich aufwändig.

Schließlich lobt Hahn aber noch den Gedanken hinter Phonebloks, denn ein E-Waste-Problem existiere tatsächlich. Allerdings schränkt er ein, dass das Konzept wohl nicht der richtige Weg sei — zumindest bis optische Interoperabilität zwischen den Komponenten on Chip realisiert werden könne. Um in näherer Zukunft Elektronik-Müll zu vermeiden, wäre wichtiger, dass den Menschen Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, mit denen sie ihre Smartphones Software-seitig verbessern und auf Seiten der Hardware selbst reparieren können, etwa durch austauschbare Akkus.

Das sind lobenswerte Forderungen, denen wir uns gerne anschließen. Denn auch wenn Phonebloks wahrscheinlich nicht Realität wird — einige Komponenten sind auch in heutigen Smartphones schon bzw. noch austauschbar. Wem die Umwelt am Herzen liegt, der sollte entsprechend Geräte kaufen, in denen man den Akku tauschen und den Speicher per micro SD erweitern kann, das Gerät mithilfe von normalem Werkzeug auseinandernehmen und zumindest einige Teile im Zweifel selbst austauschen bzw. reparieren kann. Eine gute Anlaufstelle für weiterführende Informationen ist beispielsweise die Website ifixit.com, die für Smartphones eine Wertung nach Reparierbarkeit vergibt.

Quelle: George Hahn

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