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Instagram erklärt AGB: „Eure Fotos bleiben eure Fotos. Punkt.“


19.12.2012, 10:16 Uhr

Instagram-sorry

Gestern fegte nicht ganz zu Unrecht ein Sturm der Entrüstung durch die Tech- und Newsseiten der Welt, als bekannt wurde, dass sich Instagram mit einer Änderung seiner AGB fortan das Recht einräumte, Fotos seiner Nutzer ungefragt und ohne Kompensation zu Werbezwecken einzusetzen. Einen Tag später, nachdem bereits viele Nutzer ihre Accounts gelöscht haben, entschuldigt sich das zu Facebook gehörige Unternehmen — und erklärt, dass man sich nur unglücklich ausgedrückt habe. Wir bleiben allerdings skeptisch.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen …“ Nee, das war ein Anderer — so: „In aller Deutlichkeit: Es ist nicht unsere Absicht, eure Fotos zu verkaufen“, erklärt Instagram-Mitbegründer und -CEO Kevin Systrom auf dem hauseigenen Blog, und weiter: „Instagram-Nutzer sind Besitzer ihrer Inhalte und Instagram hegt keinerlei Besitz-Ansprüche gegenüber den von Nutzern erstellten Fotos.“ Das ganze gestrige Trara sei lediglich unglücklicher Formulierungen in den neuen AGB geschuldet, man arbeite daran, diese sprachlich zu glätten.

Stattdessen arbeite man an „innovativen Werbekonzepten“, zum Beispiel solchen, in denen das Folgen einer Marke zusammen mit dem Profilfoto des jeweiligen Nutzers öffentlich angezeigt würde. Ziel solcher Konzepte sei es, die App auch weiterhin frei von Werbebannern zu halten, da diese laut Systrom die User Experience beeinträchtigen würden.

So weit, so beruhigend. Stutzig macht uns aber die Aussage, dass „auf privat gesetzte Fotos privat bleiben und nur mit dem selbst gewählten Nutzerkreis geteilt werden.“ Was ist aber mit nicht privaten Fotos? Nilay Patel von The Verge hat einen längeren Artikel verfasst, der erklärt, wozu Instagram mit den neuen, aber auch schon mit den vorherigen AGB berechtig wäre: Danach könnten Werbekunden Nutzerfotos in der eigenen Timeline platzieren — beispielsweise unter dem Motto „Die besten Fotos unserer Follower.“ Verändert dürften diese Fotos zwar nicht werden, ein Firmenlogo direkt daneben zu platzieren, wäre aber möglich.

Nutzerfotos, die nicht explizit als privat markiert sind, können theoretisch zu Werbezwecken genutzt, wenn auch nicht direkt verkauft oder manipuliert werden — ob das nun wirklich beruhigend ist oder im Endergebnis nicht dennoch auf dasselbe Dilemma hinausläuft, muss jeder Nutzer für sich selbst beantworten. Da diese Maßnahmen aber, wie erwähnt, auch schon vor der AGB-Änderung möglich war und vor allem bei Instagrams Besitzerin Facebook in ähnlicher Form ohnehin Gang und Gäbe ist, kann man Instagram in diesem Fall nur eine reichlich verunglückte Kommunikation vorwerfen.

Wir Nutzer müssen uns also vielmehr die Frage stellen, welche Daten wir ohnehin minütlich und tagtäglich unters Volk und Werbetreibenden vor die Füße werfen — oder wie The Verges Nilay Patel seinen Artikel pointiert schließt: „Die eigentliche Moral der Geschichte handelt nicht von den neuen AGB von Instagram, sondern davon, wie wenig wir Facebook vertrauen.“

Instagram-Blog [via Phone Arena, The Verge]

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