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HTC: ZTE an Übernahme interessiert – Lenovo und Huawei ebenso


23.08.2013, 18:36 Uhr

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HTC taumelt trotz seiner neuen, großartigen One-Modelle: Seit 2011 hat das taiwanische Unternehmen 88 Prozent seines Börsenwertes verloren. Erste Technologie-Unternehmen zeigen bereits Interesse, sich die arg angeschlagenen Smartphone-Spezialisten einzuverleiben — ZTE hat mittlerweile sogar öffentlich bekundet, HTC übernehmen zu wollen. Aber auch Lenovo und Huawei liebäugeln Berichten zufolge damit, dem Unternehmen ein Angebot zu unterbreiten.

HTCs Manager haben in den vergangenen Jahren kein glückliches Händchen bewiesen, was die Geschicke des Unternehmens anbelangt. Der Smartphone-Spezialist, der vor 2006 in erster Linie als OEM-Hersteller von Geräten für O2, die Telekom und andere Netzbetreiber fungierte und anschließend unter eigener Flagge Geräte auf den Markt brachte, hat seinen Zenit 2011 überschritten. Das Unternehmen das ehemals sehr erfolgreich und beinahe auf einer Höhe mit Samsung und Apple war, kränkelt seither so dahin. Dies zeigt sich nicht nur an den mitunter haarsträubenden Quartalszahlen der letzten Jahre, auch intern ist nicht so alles Gold was glänzt: So laufen HTC die Führungskräfte weg und CEO Peter Chou, der seit zehn Jahren die Geschicke des Unternehmens leitet, wird mittlerweile als eines der größeren Hindernisse für einen erfolgreichen Aufschwung betrachtet.

All diese düsteren Nachrichten kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn das Jahr 2013 sah von außen angesichts der viel versprechenden Neuvorstellungen wie dem HTC One (Test), dem jüngst präsentierten One mini (Test) und dem Start einer milliardenschweren Marketing-Kampagne, die über mehrere Jahre ausgelegt und mit Superstar Robert Downey jr. aka „Iron Man“ als Markenbotschafter bewaffnet ist, recht positiv aus. Dass HTC alles versucht, um das Ruder herumzureißen, ist im Grunde nicht zu übersehen.

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HTC: Mit Robert Downey jr. aus der Krise?

Ob das allerdings funktioniert, ist dem Unternehmen zwar zu wünschen, doch es ist alles andere als sicher: Der aktuelle Börsenwert von HTC wird auf etwa 4,2 Milliarden US-Dollar geschätzt — dies ist beispielsweise nur ein Drittel dessen, was Google für Motorola auf den Tisch gelegt hat. Hersteller wie ZTE, Lenovo und Huawei zeigen aus diesem Grund großes Interesse an HTC, das trotz seiner aktuellen Situation eine hohe Markenbekannheit und Expertise in der Smartphone-Entwicklung besitzt.

Diese Faktoren, und natürlich noch einige mehr, sind auf dem Smartphone-Markt essenziell – einigen Unternehmen, die auf dem Sektor Fuß fassen beziehungsweise weiter wachsen wollen, fehlen diese Qualitäten zum Teil. Nach Aussage von Brian Blair und Charles Golvin von Forrester Research gehören ZTE und Huawei, zu den Kandidaten, die durch einen Kauf des Unternehmens stark profitieren würden. Die beiden in China sehr erfolgreichen Unternehmen versuchen seit geraumer Zeit außerhalb ihres Kernmarktes Fuß zu fassen, was wegen ihrer geringen Markenbekanntheit in anderen Regionen kein Leichtes ist.

Außer den beiden bereits großen Smartphone-Herstellern soll laut Pierre Ferragu, Analyst bei der Investment-Management-Firma Sanford C. Bernstein, mit Lenovo auch einer der weltgrößten Hersteller von PCs und Notebooks Interesse an HTC haben. Das Unternehmen suche nach Gelegenheiten, sich breiter aufzustellen — zumal der Smartphone-und Tablet-Sektor immer mehr an Relevanz gewinnt, Lenovo auf diesem Gebiet aber noch hinterherlaufe.

Ob es überhaupt zu einem Verkauf von HTC kommt, bleibt abzuwarten — wenn es nach der HTC-Vorstandsvorsitzenden Cher Wang, deren Familie Anteile an dem Unternehmen hält, geht, wird keine Übernahme durch fremde Unternehmen geben. Aber auch nach Einschätzung des ZTE-Firmensprechers David Dai wird es in diesem Jahr noch nicht zu einem Verkauf kommen — sollte es mit HTC jedoch weiter bergab gehen, was wir nicht hoffen, könnten die Gedankenspiele der potenziellen Käufer allerdings schneller Realität werden, als man „Hold this cat“ sagen kann.

Wir drücken HTC derweil natürlich die Daumen, dass sie die Kurve bekommen und sich wieder aufrappeln.

Quelle: Bloomberg [via Golem]

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