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Fairphone: Vorbestellungen ab sofort möglich, Specs enthüllt


15.05.2013, 21:15 Uhr

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Vor gut einem Monat haben wir ein Interview online gestellt, das Kollege Amir mit Joe Mier von Fairphone geführt hat. Zur Erinnerung: Fairphone hat es sich zum Ziel gesetzt, Smartphones unter möglichst weitgehendem Verzicht auf Rohstoffe zu produzieren, die unter ethisch fragwürdigen Bedingungen gewonnen werden. Ab sofort nimmt Fairphone Vorbestellungen entgegen und hat erstmals die genauen Specs und den Preis seines ersten Smartphones offengelegt.

Von Warlords kontrollierte Minen in Bürgerkriegsregionen, unmenschliche Arbeitsbedingungen bei der Montage in China und anderswo in der dritten Welt – Smartphone-Hersteller sind bei der Auswahl ihrer Rohstofflieferanten und Montagebetriebe oft nicht zimperlich, solange nur die Kosten so gering wie möglich gehalten werden.

Firmen wie Apple (Stichwort Foxconn) und Samsung stehen deswegen zwar immer mal wieder in der Kritik und fangen sich schlechte Presse ein, können sich aber ebenso wie die Politik auf das kurze Gedächtnis und zudem auf den in Deutschland besonders ausgeprägten Geiz des Publikums verlassen. Ist erst der Schnäppchenjäger in uns erwacht, ist es vielen von uns anscheinend eher gleichgültig, welchen Preis die an der Produktion beteiligten Menschen und die Umwelt zahlen müssen, damit wir möglichst günstig an unser neues Spielzeug gelangen.

Bei der Frage, wer in diesem Spiel denn nun eigentlich der Böse ist, ergibt sich das typische Henne-Ei-Problem: Sind wir Verbraucher es, die die Hersteller praktisch zu Ausbeutung und Umweltvandalismus anhalten, weil es nie billig genug sein kann, oder sind es die Hersteller, die es versäumen, uns Alternativen aufzuzeigen und uns im Sinne einer besseren Welt an die Hand zu nehmen?

Genau hier setzt das Fairphone an: Ziel des Startups ist es neben der Produktion von fair hergestellten Smartphones erklärtermaßen auch, ein Beispiel für Industrie und Verbraucher zu geben, wie man es besser machen kann und das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen.

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Dass man dieses Ziel nicht erreicht, indem man korrekte, letztlich aber unattraktive Produkte auf den Markt bringt, hat Fairphone zum Glück gleich bei seinem Erstling beherzigt: Das ab dem 14.05.2013 in Europa zu einem Preis von 325 Euro vorbestellbare Smartphone sieht verdammt schick aus, kommt mit einem Quadcore-SoC von Mediatek und bietet einen mit „Dragontrail Glass“-geschützten 4,3-Zoll-Bildschirm mit qHD-Auflösung. Es ist für ein Smartphone dieser Größe mit 165 Gramm relativ schwer und hat auf der Rückseite eine Kamera mit 8 MP. Die Stromversorgung übernimmt ein Akku mit 2.000 mAh. Der Flashspeicher beläuft sich auf 16 GB und kann durch micro SD-Karten erweitert werden. Die sonstige Ausstattung entspricht dem Standard in der Oberklasse, in die sich das Fairphone offenbar einreihen will. Ein besonderer Clou hebt das Fairphone von der Konkurrenz ab: Es ist Dual-SIM-fähig, wobei beide Karten gleichzeitig genutzt werden können.

Ob das Fairphone die Hoffnungen, die die technischen Eigenschaften wecken, auch erfüllen kann, müssen erste Tests zeigen. Zunächst einmal müssen bis zum 14. Juni dieses Jahres mindestens 5.000 Vorbestellungen eingehen, damit mit der Produktion begonnen werden kann. Wir sind schon ob des Designs zuversichtlich, dass das unterstützungswerte Startup auch diese nächste Hürde nehmen wird und zukünftig seinen Teil zu einem dringend erforderlichen Umdenken bei Industrie und Verbrauchern beitragen kann.

Quelle: Pressemitteilung

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