Artikel empfehlen

FairPhone: Das Fair-Trade Smartphone aus den Niederlanden


Fairphone1

So sehr wir schicke Smartphones lieben, bei der Produktion der Geräte läuft viel Schmutziges ab, was so manchem Käufer hierzulande gar nicht bewusst ist. Designer aus den Niederlanden entwickeln daher aktuell ein Fair-Trade-Smartphone, das mit Android laufen soll und vor allem unter fairen Arbeitsbedingungen entsteht, ohne dass dabei Rohstoffe aus Bürgerkriegsregionen genutzt werden.

Kaum ein Produkt steht so sinnbildlich für die globalisierte Welt, wie das Smartphone; so erstreckt sich auch deren Herstellung über die ganze Welt — und das da viel mit schmutzigen Mitteln gearbeitet wird, ist mittlerweile wahrlich keine Neuigkeit mehr. Die Produktionskette eines handelsüblichen Smartphones liest sich da stellenweise wie ein Horrorfilm: Vom notwendigen Rohstoff Coltan, der oftmals mittels Sklaven- und Kinderarbeit unter grausamen Bedingungen in Bürgerkriegsgebieten in Afrika gefördert wird, bis zu den schauerlichen Fertigungsbedingungen in chinesischen Fertigungsfabriken — Foxconn & Co. lassen grüßen. Da kann einen schon zurecht das Gefühl erschleichen, am Smartphone klebt (zumindest metaphorisches) Blut.

Falls euch euer ökologisches Gewissen bei konventionellen Smartphones zu sehr plagt, bahnt sich jetzt eine Alternative an: Die gemeinnützige „Waag Society“ entwickelt ein Smartphone, welches ohne Ausbeutung, Umweltsünden oder Verwicklungen in Kriege hergestellt werden soll. Dazu versucht man bei dem „FairPhone“ möglichst nur Materialien aus zertifizierten Unternehmen bzw. Minen zu beziehen und nur Zulieferer zu engagieren, die für faire Arbeitsbedingungen sorgen. Allerdings sei es derzeit nahezu unmöglich, ein ethisch vollkommen unbeflecktes Smartphone herzustellen, müssen auch die Entwickler des FairPhone zugeben. Doch sie bemühen sich, den Anforderungen an ihr eigenes Produkt gerecht zu werden.

Außerdem soll das FairPhone in puncto Nachhaltigkeit neue Standards setzen und wird dabei eventuell auch für Leute interessant, für die die „political correctness“ eine eher untergeordnete Rolle spielt: Das Gerät ist laut Projektleiter so konzipiert, dass jedes Bauteil eigenhändig ersetzt werden kann. So muss nicht wegen einer defekten Komponente gleich das komplette Smartphone weggeschmissen werden, was das FairPhone dann auch wieder für engagierte Bastler interessant machen könnte.

Starthilfe bekommt das Projekt von Hollands größten Mobilfunkprovider KPN, der bereits einen Kaufvertrag von 5000 Fairphones unterzeichnet hat. Laut Projektleiter Bas van Abel sei man derzeit auch mit T-Mobile und Vodafone im Gespräch. Das FairPhone soll zwischen 250 und 300 Euro kosten und mit Android-OS ausgestattet sein, designtechnisch erinnert es ein wenig an Nokias Lumia-Geräte. Im dritten Quartal 2013 soll eine erste Version auf den Markt kommen.

Fragt sich noch, wie viel Leistung und Ausstattung man von einem Smartphone zu dem Preis erwarten kann, gerade wenn es unter solch sozialgerechten Vorzeichen produziert wird. Hier muss sich noch zeigen, ob das FairPhone mehr Zielgruppen ansprechen kann, als nur die Greenpeace-Fraktion — was ohne Angabe von technischen Spezifikationen aktuell schwierig ist.

Die Problematik, die mit dem FairPhone angesprochen wird, ist aber natürlich eine enorm wichtige und ein Thema, das die Branche viel zu lange versucht hat, unter den Teppich zu kehren. Eine ernsthafte Debatte um die Bedingungen, unter denen unsere Gadgets hergestellt werden, ist längst überfällig und sowohl Hersteller, als auch Kunden sind dabei in der Pflicht. Sollte es das FairPhone schaffen, die Dinge hier in die richtige Richtung zu lenken, kann man dieses Projekt nur unterstützen.

Wie sehr ist Nachhaltigkeit und faire Produktion für euch im Bereich Mobile ein Thema? Ist das Konzept Fairphone etwas, was euch interessiert? Wie sollte man sich als „sozial gerechter“ Smartphone-Kunde verhalten? Diskutiert mit, wir freuen uns über eure Kommentare!

Quelle: FairPhone [via AndroidMag]

Bewerte diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Ø 4.80 von 5 - 35 Bewertung(en)
Loading ...
Folge androidnext auf Facebook

Verwandte Artikel