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CyanogenMod: Domain-Umzug nach Erpressungsversuch [Update #2]


15.11.2012, 01:29 Uhr

cyanogenmod-cid-entgeistert

Es gibt Trubel um die CyanogenMod. Momentan ist die Seite des Android Custom ROM-Projekts nicht mehr unter cyanogenmod.com erreichbar, sondern nur noch unter cyanogenmod.org. Hinter dieser profanen Tatsache steht eine Geschichte aus Vertrauensbruch, Enttäuschung und Erpressung – von einem eigenen Teammitglied.

[Update 09:44 Uhr:] Ein Blogposting erläutert die Situation weiter und gibt bekannt, dass man zukünftig auf der .org-Domain bleiben wolle, da diese sowieso besser zum nicht-kommerziellen Status von CM passe. Von der .com-Domain (die nun wieder zu funktionieren scheint) würden Weiterleitungen auf die neue Domain geschaltet. Man möchte nach der Beilegung des Konflikts nach vorne sehen und sich wieder auf die Kernaufgaben des CM-Teams konzentrieren. [/UPDATE]

[Update 08:41 Uhr:] Steve Kondik hat über Twitter bekannt gegeben, dass man die Kontrolle über die Domain erhalten habe und die Angelegenheit im beiderseitigen Einvernehmen aus der Welt geschafft sei.

[/Update]

Community-Projekte im Open Source-Bereich werden manchmal größer, als es der oder die Gründer jemals gedacht hätten. CyanogenMod ist dafür ein Paradebeispiel. Vor drei Jahren als Hobbyprojekt von Steve „CyanogenMod“ Kondik gestartet, der sein T-Mobile G1 dank des frei verfügbaren Android-Codes mit neuen Funktionen und mehr Performance erweitern wollte und seine Ergebnisse im Forum der XDA-Developers mit anderen teilte, ist aus CM heute eine Institution geworden. Eine Institution, die Android von Herstelleroberflächen befreit und zahlreiche nicht mehr mit Updates versorgte Tablets und Smartphones doch noch auf aktuelle Android-Versionen bringt. Aktuell ist CyanogenMod auf über 2,6 Millionen Geräten weltweit installiert.

Hinter CyanogenMod steht mittlerweile ein kaum überschaubares und lose organisiertes Team an Menschen. Da bleibt natürlich nicht aus, dass es gelegentlich auch zu Clinch kommt. Eine der Streitigkeiten eskalierte nun so weit, dass sie die Existenz des Projekts bedroht.

Die Website eines beliebigen Produkts ist heutzutage mehr als nur ein Markenzeichen. Im Falle der CyanogenMod ist sie zentrale Anlaufstelle für Kommunikation (Forum) und Information (Blog, Wiki, Gerätedatenbank). Eine Person, die auf Twitter unter dem Namen @MrADeveci bekannt ist, hatte die CyanogenMod.com-Domain bereits vor drei Jahren auf seinen Namen registriert, ließ das Projekt diese aber benutzen.

Kürzlich fand das CM-Team jedoch heraus, dass sich der Domaininhaber im Zusammenhang mit Spenden unberechtigterweise als Steve Kondik persönlich ausgegeben hatte – der entsprechende Dialog ist hier festgehalten. Ein Ausschnitt aus der Konversation:

cyanogenmod-donations

Bewusste Person wollte sich zwar offenbar nicht persönlich bereichern, sondern Spenden für das CyanogenMod-Projekt von einem Händler einsammeln, der Speicherkarten mit CM-Installationen für die in den USA erhältlichen Tablets der Nook-Reihe verkauft. Trotz der möglicherweise hehren Absichten gab sich die Person als Cyanogen aus und legte dabei auch einen äußerst fragwürdigen Ton beim „Eintreiben“ von Spenden an den Tag.

Dass ein solches Vorgehen nicht lange unentdeckt bleibt, war klar. Nach der Aufdeckung des Vorfalls stellte das CM-Team die Person zur Rede und forderte die Übergabe der Domain. Was dann passierte, ist nicht ganz klar. Aus Sicht des CM-Teams wollte der Domaininhaber die Domain an Steve Kondik verkaufen – für 10.000 Dollar.

Es liegt auf der Hand, dass das CM-Team auf diese Forderung, die mancher als Erpressung einstufen würde, nicht einging. Der Domaininhaber machte draufhin ernst und ließ die DNS-Einträge der Domain cyanogenmod.com auslaufen, wodurch die Seite per Eingabe des alten Domainnamens (und auch bei Suchmaschinen) vorerst nicht mehr auffindbar ist.

Die Person wird zitiert mit:

Hi, so you think by removing all my access across the infrastructure was going to be a great idea? We had a chat yesterday, you’ve decided to end this bitter. How about I just change the DNS entries right now. CM will practically go down.

Auf deutsch (Übersetzung von uns):

Hallo, ihr denkt also, es wäre eine tolle Idee, mir den Zugriff auf die gesamte Infrastruktur zu entziehen? Wir hatten gestern einen Chat. Ihr habt euch entschieden, das Ganze tragisch zu beenden. Wie wäre es, wenn ich jetzt sofort die DNS-Einträge lösche? CM wird dadurch praktisch baden gehen.

In einem langen Blogeintrag erzählte Abishek Devkota, Community Manager bei CyanogenMod, die Geschichte. Als Konsequenz ist die gesamte CyanogenMod-Seite auf die Domain cyanogenmod.org umgezogen. Ein Antrag zur Klärung der Besitzverhältnisse an der Domain sei bei der zuständigen Behörde ICANN eingegangen. Problem ist nun allerdings, dass nicht nur alle Links von anderen Seiten (unter anderem natürlich auch von androidnext.de) auf leere Seiten mit der .com-Endung führen, sondern auch Mails mit @cyanogenmod.com-Adressen an die Teammitglieder nicht mehr zugestellt werden, denn der Domaininhaber war auch Administrator des E-Mail-Services.

Natürlich ist man von dem Vorfall und der Tatsache betroffen, dass ausgerechnet jemand aus der eigenen Mitte das Team und dessen Ideale verraten hat. Der Domaininhaber bestreitet indes auf Twitter die Vorwürfe und behauptet, dass der Domaintransfer zu Kondik längst in die Wege geleitet sei.

Überdies stünden beide Parteien in Kontakt.

Wir maßen uns zum jetzigen Zeitpunkt noch kein finales Urteil an, wie viel Wahrheit in den jeweiligen Perspektiven der Geschichte steckt. Wir raten auch dringend von voreiligen Schlüssen oder gar Hexenjagden ab. Allgemein ist es aber als sehr traurig einzustufen, dass es auch in so großartigen philanthropischen Projekten wie CyanogenMod zu Vertrauensmissbrauch und Schlammschlachten wie der oben geschilderten kommen kann. Wir halten euch zu weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.

Quelle: CyanogenMod Blog [via Android Police]

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