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Nexus 7: Root-Anleitung


06.09.2012, 14:32 Uhr

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Googles erstes Tablet Nexus 7 ist seit einigen Tagen im Einzelhandel erhältlich, der ein oder andere Leser nennt es sicher schon sein Eigen. Für all jene, die die Möglichkeiten von Jelly Bean schon vollständig erkundet haben und die Fähigkeiten ihres Tablets nun per root-Zugriff erweitern wollen, stellen wir hier gleich zwei passende Anleitungen zur Verfügung.

Root: Voller Zugriff auf das System

Root bezeichnet bei Unix-basierten Betriebssystemen, zu welchen auch Android gehört, sowohl den Wurzelknoten der Dateistruktur („/“) als auch denjenigen Nutzer, der auf alle von diesem ausgehenden Dateien vollen Zugriff hat. Ihm entspricht in der Windows-Welt ungefähr ein Account mit Administratorrechten. Sich auf dem Smartphone oder Tablet root-Zugriff zu verschaffen, erlaubt dem Benutzer, nicht nur auf freigegebene Orte wie die interne oder externe Speicherkarte zuzugreifen, sondern auch Systemdateien verändern zu können. Das ist beispielsweise nötig, um Backups von installierten Programmen anfertigen und zurückspielen zu können, aber auch um das komplette System via CustomROM durch ein neues zu ersetzen. Möglich ist dies, indem das herstellereigene Recovery-System durch eines von Drittanbietern ausgetauscht wird, beispielsweise die ClockworkMod Recovery. Über diese kann der Benutzer Firmwarepakete auf der Systempartition installieren („ROMs flashen“), die nicht vom Hersteller signiert wurden. Speziell beim Nexus 7 bietet ein gerootetes System überdies den Vorteil, per Micro-USB-Adapter Massenspeichergeräte wie externe Festplatten und USB-Sticks nutzen zu können.

Warnhinweise: Mit großer Macht kommt große Verantwortung

Eben weil der Benutzer mit root-Rechten auch auf die Systempartition schreiben darf, kann viel schief gehen – bis hin zum unbrauchbar gewordenen Gerät. Die hier beschriebenen Wege wurden getestet und haben sich als zuverlässig erwiesen. Dennoch gilt: Wer unserer Anleitung folgt, tut dies auf eigene Gefahr. Wir übernehmen keine Verantwortung für eventuell entstandene Schäden. Durch die Manipulation auf Systemebene wird die Herstellergarantie nichtig. Lest euch also die Anleitung ein Mal komplett durch und stellt sicher, dass ihr versteht, was ihr da tut.

Übersicht

Im Folgenden präsentieren wir zwei Möglichkeiten, das Nexus 7 zu rooten. Die erste beruht auf einem Toolkit, das von XDA-Forenmitglied mskip zusammengestellt wurde und alle benötigten Dateien komfortabel zur Verfügung stellt. Während dieses Toolkit nur unter Windows funktioniert, zeigt die zweite Möglichkeit, wie man das Nexus 7 von Windows, Linux oder OSX aus rootet. Die Prozedur ist jedoch beide Male dieselbe: Zunächst wird der Bootloader entsperrt, dann eine Custom Recovery geflasht und über diese eine App zur Verwaltung der Root-Rechte installiert. Im Verlauf beider Prozeduren wird das komplette Tablet zurückgesetzt, enthaltene Daten gehen verloren.

Möglichkeit 1: Rooten unter Windows

Die einfachste Methode für Windows-User stellt sicherlich das Toolkit dar, das im XDA-Developers-Forum kostenlos zum Download angeboten wird. Nach dem Download aus dem ersten Post startet man per Doppelklick die Installation. In deren Verlauf wird man gefragt, ob man zusätzlich die benötigten USB-Treiber installieren möchte, was man bestätigt, sollten sie noch nicht vorhanden sein. Am Ende der Installation wird eine Desktop Verknüpfung zum Starten des Toolkits erstellt.

Bevor man diese doppelklickt, schaltet man das Nexus 7 zunächst aus und bootet es mit der Tastenkombination Power + Lautstärke runter in den Fastboot-Modus. Nach dem Start des Toolkits wählt man Option 1, um benötigte Treiber zu installieren, falls dies während der Installation des Toolkits noch nicht erfolgt ist. Ob die Installation geklappt hat, kann man in der Systemsteuerung über den Gerätemanager prüfen. Dort sollte ein Eintrag für „Android Debugging“ zu sehen sein. Sobald das Tablet mit dem PC verbunden ist, sollte dieses außerdem in der Kopfzeile des Tools je nach Modus unter Fastboot oder ADB angezeigt werden.

War bislang alles erfolgreich, verbindet man das Tablet im Fastboot-Modus nun per USB-Kabel mit dem Rechner. Auf dem Tablet selbst sollte ganz unten in rot “Lock State – Locked” zu lesen sein – genau das werden wir nun ändern. Den Vorgang kann man, um sicher zu gehen, nacheinander über die Optionen 3 bis 6 abarbeiten, was je nach Aktion eine Bestätigung auf dem Tablet selbst erfordert. Hierzu navigiert man mit den Tasten Lautstärke hoch/runter, mit einem kurzen Druck auf den Einschalt-Button bestätigen man. Nach Schritt 6 muss man das Nexus 7 neu starten (Option 20) und nach der Anmeldung in den Einstellungen die Entwickleroptionen aktivieren und ein Häkchen bei USB Debugging setzen. Das Tablet bleibt den ganzen Vorgang über mit dem Rechner verbunden. Wählt zum Abschluss Option 7 aus, um die Tool-Sammlung Busybox zu installieren.

Alternativ wählt man, nachdem das Tablet im Fastboot-Modus an den PC angeschlossen wurde und die Treiber mit Option 1 installiert sind, Option 8 aus. Diese führt nacheinander die oben beschriebenen Schritte aus.

Egal für welche Möglichkeit man sich entschieden hat, sollte das Nexus 7 nach einem Neustart über root-Zugriff verfügen. Um zu testen, ob die Aktion erfolgreich war, kann man eine root-App, beispielsweise Titanium Backup, installieren und starten. Bei ihrem ersten Start sollte die Anwendung um Erlaubnis fragen, root-Rechte zu erhalten. Voilà!

Möglichkeit 2: Rooten unter Windows, Linux und OSX

Wer ein System mit Linux oder OSX besitzt oder sich auch unter Windows nicht von der Kommandozeile abschrecken lässt, der lädt sich von der Seite nexus7root das gleichnamige ZIP-Paket herunter. Diese Methode hat den Vorteil, dass wirklich nur die benötigten Dateien heruntergeladen werden müssen. Hinweis: Das Paket enthält die Tools adb und fastboot für alle drei Betriebssysteme. Aus Gründen der Übersicht wird im Folgenden lediglich von den Programmen selbst die Rede sein, je nach Betriebssystem ist das Kommando aber beispielsweise durch ./fastboot-linux oder ./adb-mac zu ersetzen; unter Windows muss die Dateiendung berücksichtigt werden: fastboot.exe.

Entpackt zunächst das Archiv. Unter Windows müssen wie oben zunächst Treiber installiert werden, die im entsprechenden Ordner des Archivs gefunden werden können. Dazu verbindet man das Tablet mit dem Rechner und wartet, bis es erkannt wird. Die automatische Installation wird fehlschlagen, weshalb man in der Systemsteuerung den Gerätemanager öffnet. Hier sollte unter „Andere Geräte“ ein Eintrag für „Android“ angezeigt werden. Per Rechtsklick auf diesen wählt man die Option, manuell nach Treibern zu suchen. Nun navigiert man zu dem Ordner, der aus dem Archiv entpackt wurde und selektiert ihn. Windows sollte den Ordner durchsuchen und den passenden Treiber ordnungsgemäß installieren.

Nun öffnet man den Terminal-Emulator (unter Windows „Power Shell“) und navigiert zu dem Ordner, in den das Archiv entpackt wurde. Möglicherweise müssen die enthaltenen Programme unter OSX und Linux mit chmod 755 * noch ausführbar gemacht werden. Das Nexus 7 muss vom Rechner getrennt, ausgeschaltet und mit der Tastenkombination Power + Lautstärke runter in den Fastboot-Modus gestartet werden. Nachdem das Tablet wieder an den Rechner angeschlossen wurde, überprüft man zurück im Terminal-Fenster mit dem Kommando fastboot devices, ob das Tablet erkannt wird.

Ist unter dem letzten Kommando eine Gerätenummer zu sehen, kann die Prozedur weiter gehen. Da das Nexus 7 direkt von Google kommt, kann der Bootloader ohne große Umstände mit dem Kommando fastboot oem unlock entsperrt werden. Auf dem Tablet erscheint nun ein Warnhinweis, der kurz die Konsequenzen des Entsperrens erläutert. Mittels der Lautstärkewippe navigiert man zum entsprechenden Manüpunkt und akzeptiert mit einem kurzen Druck auf den Power-Button. Jetzt sollte sich der rote Text links unten („Lock State – Unlocked“) zeigen. Nun sucht man mittels der Lautstärketasten den Menüeintrag „Reboot“ und startet mit dem Einschaltknopf das Tablet neu. Nach der Anmeldung müssen in den Einstellungen die Entwickleroptionen aktiviert und ein Häkchen bei USB Debugging gesetzt werden.

Am Rechner kopiert man die Datei CWM-SuperSU-v0.94.zip auf die interne SD-Karte des Tablets. Sollte das Gerät nicht erkannt werden, hilft ein Trennen und Wiederverbinden mittels USB-Kabel. Insbesondere unter Linux bereitet die Tatsache, dass neuere Nexus-Geräte nicht mehr zwischen System- und Massenspeicher unterscheiden, noch Probleme. Wird das Nexus 7 nicht als MTP-Gerät („Media Transfer Protocol“) erkannt, kann die Datei aber auch über das Kommando adb push CWM-SuperSU-v0.94.zip /sdcard/ übertragen werden.

Befindet sich das Archiv auf der SD-Karte, so muss das Tablet erneut ausgeschaltet und mit der inzwischen bekannten Tastenkombination in den Fastboot-Modus gestartet werden. In der Konsole tippt man nun das Kommando fastboot flash recovery recovery-clockwork-touch-6.0.0.6-grouper.img ein, um die Custom-Recovery ClockworkMod aufzuspielen. Hiernach löscht man eventuell verbleibende Rückstände mit fastboot erase cache.

Über die Lautstärketasten am Tablet muss nun zum Eintrag „Reboot Recovery“ gewechselt und über den Power-Button bestätigt werden. Das Nexus 7 kann jetzt vom Kabel getrennt werden. In der Recovery angekommen, wählt man nacheinander die Punkte install zip from sdcard, choose zip from sdcard, CWM-SuperSU-v0.94.zip. Nach einer kurzen Installation kann das Gerät über den entsprechenden Menüpunkt neu gestartet werden. Den Dialog zum Sichern der Custom Recovery und root-App sollte man dabei bestätigen.

Nach dem Neustart ist im App-Drawer die Anwendung SuperSU zu sehen sein. Um zu überprüfen, ob alles geklappt hat, kann man sich aus dem Play Store beispielsweise Titanium Backup oder den ROM Manager herunterladen. Bei deren Start sollte sich die Superuser-App öffnen und fragen, ob root-Rechte erteilt werden dürfen. Glückwunsch, you got root!

Quellen: XDA-Developers Forum (Bild), nexus7root

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