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Nexus 4: USB On-The-Go (USB OTG) nachrüsten – so geht’s


25.03.2013, 16:51 Uhr

Nexus-4-USB-OTG-1

USB-Speichermedien und externe Peripherie wie Tastaturen über USB On The Go (USB OTG) direkt mit dem Smartphone oder Tablet verbinden zu können, ist eine feine Sache. Im Gegensatz zu den vorherigen Nexus-Geräten beherrscht das Nexus 4 diese Funktion von Haus aus leider nicht. Die folgende Anleitung zeigt, wie USB OTG auf dem Nexus 4 nachgerüstet werden kann.

Nachdem der Onlinehilfe für das Nexus 4 zunächst zu entnehmen war, dass es über einen Adapter mit USB-Geräten verbunden werden könne, hat Google diesen Ende November 2012 entfernt und verweist nun darauf, dass Eingabegeräte über Bluetooth verbunden werden könnten. Die Community auf XDA-Developers hat sich damit natürlich nicht abgefunden und präsentiert nun eine Lösung, wie Speichermedien und Peripherie über den USB-Anschluss an das jüngste Nexus-Phone finden.

OTG-Probleme des Nexus 4: Ursachen und Lösung

Das Nexus 4 ist im Auslieferungszustand weder von der Hardware noch betriebssystemseitig auf USB OTG vorbereitet. Zum einen lässt der Stock-Kernel diese Funktion schlicht und einfach vermissen. Zum anderen kann das Nexus 4 die von den USB-Spezifikationen geforderte Spannung von 5 Volt zur Versorgung angeschlossener Geräte an seinem Micro USB Port nicht liefern. Nur mit einer App lässt sich das Problem daher nicht lösen. Die erforderliche Installation eines angepassten Kernels funktioniert freilich nur mit gerooteten Geräten. Das Hardware-Problem wiederum kann mithilfe eines spezielles USB-Kabels und einer externen Spannungsquelle umgangen werden. Alternativ kann (muss aber nicht) auch ein aktiver USB-Hub funktionieren. In die Hardware des Nexus 4 braucht man zum Glück nicht einzugreifen.

Root und modifizierter Franco-Kernel

Fall noch nicht geschehen, muss das Nexus 4 zunächst gerootet werden (Anleitung). Dabei wird das Gerät vollständig zurückgesetzt und alle Daten werden gelöscht. Damit das Ganze später auch funktioniert, muss nun ein sogenanntes deodexed ROM geflashed werden, was auf die meisten Custom ROMs zutrifft, die etwa bei XDA-Developers angeboten werden. Gleichwohl sollte man darauf achten, dass das Wort deodexed in der Beschreibung des ROMs auftaucht. Als Beispiel können wir hier das M2-Release der bekannten CyanogenMod 10.1 anführen.

Anschließend lädt man sich bei XDA-Developers den Patch des Entwicklers ziddey herunter und installiert ihn per Custom Recovery. Dieser Patch fügt dem Kernel die USB-OTG-Fähigkeit hinzu und erweitert die Betriebssystemeinstellungen um Einträge zur Steuerung der erweiterten Funktionalität.

USB OTG Kabel mit externer Stromversorgung

Das erforderliche Kabel muss jeweils eine weibliche Micro USB-Buchse und einen männlichen Micro USB-Stecker aufweisen, die in eine weibliche USB-Buchse in Standardgröße münden. Solche Kabel kann man entweder kaufen oder selber basteln. Die zusätzliche, weibliche Micro-USB-Buchse dient dazu, eine externe Stromquelle wie ein Akkupack anzuschließen, die die Versorgung des angeschlossenen USB-Gerätes übernimmt und nebenbei das Nexus 4 lädt.

Nexus-4-USB-OTG-Kabel

Anschluss von USB-Geräten und das erweiterte Interface

Nun kann es endlich losgehen: Peripherie wie Mäuse und Keyboards werden automatisch erkannt, dem Linux-Kernel sei Dank. Zudem werden je nach Geräteart neue Konfigurationsmöglichkeiten in den Einstellungen angeboten. Schließt man einen USB-Stick als externes Speichermedium an das Nexus 4 an, muss man diesen für das Betriebssystem zunächst unter Einstellungen -> Speicher -> „Mount USB Storage“ verfügbar machen. Danach kann man das Medium unter „/storage/usbdisk0/“ mit jedem beliebigen Datei-Explorer ansteuern. In den Einstellungen wird auch angezeigt, wie viel Platz auf dem USB-Speichermedium, das übrigens mit dem alten Dateisystem FAT32 formatiert sein muss, noch zur Verfügung steht.

Nexus-4-USB-OTG-Screens

Will man das Speichermedium wieder entfernen, sollte man es zur Vermeidung von Datenverlusten zunächst per „Unmount USB Storage“ trennen, wie man es auch vom PC kennt. Beim Mounten des USB Speichers wird übrigens ein automatischer Media-Scan durchgeführt, sodass neue Medien systemweit zur Verfügung stehen.

Zusammenfassung

Die Entwickler haben hier mal wieder einen tollen Job gemacht. Die Möglichkeit, USB OTG auf dem Nexus 4 nutzen zu können, ist zwar zumindest für User, die ihr Smartphone noch nicht gerootet haben, mit einigem Aufwand und einem garantieschädlichen Eingriff in das originale Android verbunden. Aber gerade beim mit maximal 16 GB Speicher erhältlichen Nexus 4 wird so mancher User sicher dankbar von der Chance Gebrauch machen, den Speicher seines Smartphones durch einfach mitzuführende USB-Sticks erweitern zu können.

Nexus-4-USB-OTG-3

Der Anschluss an externe Tastaturen bietet sich an, wenn doch einmal längere Texte auf dem Nexus 4 verfasst werden sollen. Mit einer Maus erzielt man, wenn es darauf ankommt, eine deutlich höhere Präzision, als dies per Fingerbedienung möglich wäre. Das werden z.B. User von Apps wie Photoshop Touch zu schätzen wissen. Ein Problem könnte die Beschaffung des passenden Kabels sein, für das wir Ende März 2013 noch keine deutsche Bezugsquelle ausfindig machen konnten. Der einzige Bug, der bisher aufgefallen ist, äußert sich in einer Betriebssystemmeldung beim Trennen von USB-Speicher, die sich nur durch einen Neustart beseitigen lässt. Weiterhin wollen wohl noch nicht alle Gamepads mit dem Nexus 4 zusammenarbeiten. Dass das ganze funktioniert, beweist dieses von einem Laien erstellte YouTube-Video:

Wenn man bedenkt, dass das Projekt zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels erst etwa einen Monat alt ist und bereits jetzt schon eine alltagstaugliche Lösung angeboten werden kann, ist wohl bald mit einer finalen Version zu rechnen, mit der auch letzte Probleme beseitigt werden.

Quelle und Bilder: androidcentral.com

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