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Heimdall: Cross-Plattform-Alternative zu Odin


13.08.2012, 15:22 Uhr

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Die Götter müssen verrückt sein! Samsungs Flash-Tool Odin ermöglicht das Rooten und Aufspielen von ROMs auf Geräte aus Samsungs Galaxy Serie, ohne vorher den Bootloader entsperren zu müssen – setzt aber einen Windowsrechner voraus. Die Open Source-Anwendung Heimdall bietet diese Fähigkeiten für die drei gängigen Desktop-Betriebssysteme Windows, Linux und OS X.

Odin ist ein Samsung-internes Programm, das in den Entwicklungslabors der Südkoreaner dazu verwendet wird, ohne große Umstände die Firmware verschiedener Galaxy Geräte – sowohl Smartphones als auch Tablets – direkt zu aktualisieren. So können damit zum Beispiel Updates komfortabel getestet werden. Darüber hinaus setzt es noch vor dem Bootloader des Smartphones an und kann so eigentlich schon totgeglaubten („gebrickten“) Smartphones neues Leben einhauchen, indem es das korrupte Bootimage mit einem funktionierenden austauscht. Obwohl offiziell nur firmenintern verfügbar, tauchen in einschlägigen Foren immer wieder neue Versionen der Anwendung auf, die aus obskuren Quellen leaken.

Da die Software aber erstens proprietär und zweitens nur für Windows verfügbar ist, wurde sie von findigen Entwicklern zerlegt, für mehrere Plattformen nachgebaut und Heimdall getauft. Während Odin primär darauf ausgelegt ist, komplette, tar-gepackte Images zu flashen, bietet Heimdall vor allem die Möglichkeit, einzelne Systemteile gezielt zu überschreiben. So ist es ein Leichtes, einen mit root-Rechten und Busybox ausgestatteten Kernel auf ein Gerät zu bringen, ohne etwas am ROM selbst zu modifizieren. Genau dies hat Andreas, seines Zeichens Freund der androidnext-Redaktion, im folgenden Video veranschaulicht.


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Wer sich schon beim Anblick der Konsole überfordert abwendet, sei beruhigt: Heimdall bietet auf allen drei Plattformen auch eine komfortable grafische Oberfläche, die der Odins in nichts nachsteht. Unten stehende Übersicht erklärt deren Optionen im Detail. Voraussetzung ist natürlich eine funktionierende Version von Heimdall für das jeweils verwendete System, zu finden auf der Entwicklerhomepage, und ein Firmware-Tarball bzw. die Komponente daraus, die auf dem Smartphone überschrieben werden soll, beispielsweise eine modifizierte ROM und/oder ein gerooteter-Kernel. Im Unterschied zu Odin müssen, um ein komplettes System zu flashen, dessen Komponente aus dem Tarball extrahiert werden. Hierfür bietet sich (unter Windows) ein Programm wie 7zip an.

Die folgende Auflistung erklärt zunächst die einzelnen Dateien. Danach folgt eine kurze Erläuterung, welche Dateien benötigt werden, um die gängigsten Operationen vorzunehmen – das Gerät rooten oder eine komplette ROM aufzuspielen.

  • pit – Diese Datei definiert die Partitionen auf dem internen Speicher, beispielsweise für System und cache.
  • Primary FS – Die Dateien für die primäre Partition, also das Grundsystem.
  • Kernel – Der Kernel, der vom System verwendet werden soll.
  • Param.lfs – Enthält jegliches Bildmaterial, das noch vor Systemstart gebraucht wird, beispielsweise das Hintergrundbild des Fastboot-Modus.
  • Primary Bootloader – Der erste Bootloader, der lediglich den zweiten Bootloader in den Arbeitsspeicher lädt.
  • Secondary Bootloader – Der zweite Bootloader, der für das Laden des Systems verantwortlich ist.
  • Cache – Einstellungen für die Cache-Partition.
  • Database – Die SQLite Datenbank des Systems.
  • Modem – Die Software, die für die Verbindung mit dem Mobilfunknetz verantwortlich ist.
  • Recovery – Das Recovery-System kann hier durch Alternativen, beispielsweise Amon Ra oder die inzwischen beliebteste ClockworkMod Recovery ausgetauscht werden.

Für alle Modifikationen mit Heimdall muss das Gerät in den Download-Modus versetzt werden. Hierzu schaltet man es zunächst aus und startet es neu, indem man gleichzeitig An/Aus, Home und Lautstärke Runter drückt und hält. Dann startet man Heimdall und schließt das Smartphone oder Tablet per USB-Kabel an den Rechner an. Dort sollte das Gerät nun erkannt werden.

Um eine komplette ROM zu flashen, lädt man sich die gezippten Dateien aus einem Forum oder von SamFirmware (kostenlose Anmeldung erforderlich) herunter und extrahiert sie. Die Dateien sollten entsprechend ihrer Funktion benannt sein, und so ist es ein Leichtes, sie in den entsprechenden Kategorien der Benutzeroberfläche einzufügen. Sind alle Dateien gewählt, startet man mit dem Start-Button den Vorgang. An dessen Ende sollte das Gerät rebooten und die neue Firmware präsentieren. Wichtig: ROMs, die für Custom Recoverys wie ClockworkMod erstellt wurden, lassen sich nicht mit Heimdall/Odin flashen!

Will man das aktuelle ROM beibehalten und sich lediglich Root-Rechte verschaffen, so benötigt man nur Recovery und Cache Images, die dies ermöglichen (CF-Root). Diese lädt man in einer Zip-Datei herunter. Im Unterschied zum Gebrauch mit Odin entpackt man nicht nur diese, sondern auch den enthaltenen Tarball. Die darin enthaltenen Recovery und Cache Images öffnet man nun in den entsprechenden Feldern. Mit einem Klick auf den Start-Button wird die Datei auch in diesem Fall geflasht und das Gerät startet neu. Um Anwendungen mit Root-Rechten ausstatten zu können, benötigt man noch eine App, die diese Rechte verwaltet. Am gängigsten sind SuperSU und Superuser, beide kostenlos im Play Store zu erhalten.

Auch wenn Heimdalls Vorteil darin liegt, Modifikationen am Smartphone oder Tablet möglichst sicher zu gestalten, ist hier wie immer ein Wort der Warnung angebracht: Bei unsachgemäßem Vorgehen, speziell dem Trennen von Android-Gerät und Rechner vor vollständiger Abwicklung der Änderungen, kann es zu Komplikationen bis hin zu Geräteschäden kommen. Wer Heimdall verwendet, tut dies auf eigene Gefahr!

Hinweis: Zum Zeitpunkt des Schreibens ist die offizielle Entwicklerseite schon seit Tagen nicht mehr erreichbar. Als Alternative stellt ein GitHub Repository die Dateien für alle Betriebssysteme bereit. Wir empfehlen den Download der Version 1.3.1, da die aktuelle Veröffentlichung bei einigen Geräten für Probleme sorgt.

Download: Superuser (Kostenlos)
Superuser (Kostenlos) qr code

Download: SuperSU (Kostenlos)
SuperSU (Kostenlos) qr code

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    [...] ClockworkMod Recovery in den Versionen 5 oder 6 vorausgesetzt. Aber auch für Tools wie Odin oder Heimdall stehen entsprechende Pakete [...]

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