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Google Glass: Googles tragfähige Zukunftsvision

Google-Glass-photo

Google Glass ist seit der Vorstellung von Android im Jahr 2007 sicherlich das interessanteste Projekt des Unternehmens aus Mountain View. In den geheimen Labors von Google X entwickelt, wurde das Konzept der Datenbrille mit Heads-Up-Display am 4. April 2012 erstmals vorgestellt, die bis heute unvergessliche erste Live-Demo folgte auf der Google I/O im Juni des selben Jahres. Inzwischen hat Google Glass den Titel Project hinter sich gelassen und befindet sich als Explorer Edition bereits im Besitz diverser Entwickler. Mit einer öffentlichen Verfügbarkeit ist 2014 zu rechnen.

Die Anfänge von Google Glass

Als Google sein Project Glass am 4. April 2012 öffentlich machte, befand sich dieses noch in einem solch frühen Entwicklungsstadium, dass zur Präsentation lediglich ein Konzeptvideo gezeigt werden konnte. Dieses ließ aber schon erahnen, welch hohe Ziele sich Googles X-Labs gesteckt hatten:

Eine erste Live-Demo, wie sie spektakulärer nicht hätte sein können, erfolgte zwei Monate später auf der Google I/O 2012. Während Googles Senior Vice President of Engineering, Vic Gundotra über Neuerungen bei Google+ sprach, stürmte Google-Mitbegründer Sergey Brin die Bühne und kündigte an, ein Team von Extremsportlern werde aus einem Zeppelin springen, um ein Exemplar von Google Glass im Moscone Center, dem Austragungsort der I/O, abzuliefern. Das besondere: Das Publikum war während des ganzen Stunts per Hangout live dabei:

Gäste der I/O aus den USA konnten sich nach dieser Demo gegen eine Gebühr von 1500 US-Dollar für das Project Glass Explorer Program anmelden, um als erste überhaupt an eine Entwicklerversion von Glass zu gelangen.

Hardware — Die „Cyberbrille“

Google Glass kann stark vereinfacht als Smartphone in Form einer Brille beschrieben werden. Mittels eines komplexen Prismas wird ein Heads Up Display (HUD) vor das rechte Auge des Träges projiziert, welches kontextbezogene Informationen darstellt. Gesteuert wird Glass primär über Sprachkommandos, welchen es nach einem kurzen Blick nach oben und den Worten „Ok, Glass“ lauscht. Alternativ befindet sich am rechten Bügel ein Trackpad, mit dem durch die Software navigiert werden kann. Darunter wiederum liegt die komplette Hardware von Glass: Momentan der Dual Core-Prozessor OMAP 4430 von Texas Instruments, 682 MB RAM sowie ein Modul, welches Geräusche per Vibration über den Schädelknochen transportiert. Neben dem Prisma ist zudem eine Kamera integriert, welche auf Kommando Videos und Fotos aufnehmen kann — und so zum größten Kritikpunkt an Glass anvancierte; dazu unten mehr.

Auf eigene GPS- und Mobilfunkmodule verzichtet Glass, um Energie zu sparen. Eine effiziente Nutzung ist also nur in Kombination mit einem Smartphone möglich, mit welchem sich Glass per WLAN oder Bluetooth verbindet.

Software — Glassware

Auf Google Glass läuft eine einfache Version von Android 4.0.4, welche als solche aber im Normalfall nicht erkennbar ist. Stattdessen greift Google auch hier auf das bewährte Karten-Layout zurück: Zusammengehörige Informationenseinheiten werden auf einzelnen Karten präsentiert, welche in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge aufgelistet werden und durch der der Nutzer mittels Trackpad scrollen kann — die jüngste Karte ist immer zuerst sichtbar.

Die Karten stammen dabei aus verschiedenen Apps, sogenannter Glassware. Drittanbieter konnten diese ursprünglich nur in Form von HTML5-formatierter Information anbieten, welche über die Mirror-API auf dem Gerät angezeigt wurden. Google arbeitet aber außerdem an einem SDK, mit dem native Apps für Glass geschrieben werden können.

Verfügbare native Anwendungen umfassen derzeit unter anderem die Google Suche, Navigation, Wetter sowie die Foto/Video-Aufnahme. Unter den Drittanbieter-Apps diente vor allem die der New York Times als beispielhaftes Vorbild.

Kritik, Spionage, Pornografie

Es dauerte nicht lange, bis die Kombination aus einer Kamera, welche weitgehend unbemerkt Fotos und Videos erstellen kann, und einem Unternehmen, welches aus Sicht von Kritikern sowieso schon zu viel über seine Nutzer weiß, Datenschützer auf den Plan rief. Schnell avancierte Google Glass aus der Sicht von Kritikern zum Spionage-Tool schlechthin, mit dem Google ein Zeitalter der Überwachung Orwell’scher Ausmaße einleiten können. Unter den prominentesten Kritikern findet sich auch Sprachwissenschaftler und Obrigkeitskritiker Noam Chomsky.

Google versucht derweil vehement zu verhindern, dass die negativen Aspekte von Glass in der öffentlichen Wahrnehmung die Oberhand gewinnen. Dies reicht von PR-Aktionen wie dem Ausstatten von Models der New York Fashion Week mit Glass-Prototypen bis hin zu regulatorischen Nutzungsbedingungen, die den Einsatz von Gesichtserkennungssoftware verbieten — nimmt aber bisweilen auch groteske Züge an: So wurde es Mikandi, einem Produzenten von Erwachsenenunterhaltung, verboten, pornografische Inhalte mit Glass zu produzieren und zu verbreiten.

Marktreife

Trotz der bewegten Geschichte, die Glass also schon hinter sich hat, ist mit der Markteinführung einer Consumer-Version vor 2014 wohl nicht zu rechnen. Ursprünglich sollte der Verkauf 2013 beginnen, Google möchte die Veröffentlichung aber wohl nicht überstürzen und stattdessen sicher gehen, dass das finale Produkt auf ganzer Linie überzeugt.

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