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Dead Trigger: Die Zombiekalypse im Test oder „Ich sehe (un-)tote Menschen!“


11.07.2012, 19:46 Uhr

Dead-Trigger-Screen3

Das Entwicklerstudio Madfinger Games hat im letzten Jahr mit ShadowGun eine neue Ära des mobilen Gamings eingeläutet: Grandiose Grafik, Multiplayer-Feuergefechte – ein Spiel das deutlich machte, dass der Gaming-Sektor in Zukunft nicht länger nur unter den Sonys, Microsofts und Nintendos dieser Welt aufgeteilt sein wird. Mit Dead Trigger gehen die tschechischen Entwickler nun in die zweite Runde. Ob die Erfolgsgeschichte mit dem dieser Tage erschienenen Egoshooter weiter geht oder ob es sich bei Dead Trigger um ein technisches K.o. handelt, finden wir in unserem Test heraus.

Die Story von Dead Trigger ist, wie für die meisten mobilen Games typisch, relativ generisch und nicht wirklich neu:

Wir befinden uns auch im Spiel im Jahre 2012, die Führungsspitzen der Welt sind korrupt, die Wirtschaft ist zusammengebrochen und inmitten dieses Chaos bricht ein aggressiver Virus aus, der Menschen zu Zombies macht. Die letzten Überlebenden tun natürlich alles, um überlebend zu bleiben und führen einen erbitterten Kampf gegen die blutrünstigen Hirn-Gourmets, mit denen sie unter Umständen vor ein paar Wochen noch zum Kaffee oder Squash verabredet waren. Zu eurem Charakter im Spiel wird nicht viel gesagt, aber im Grunde ist es ein Typ mit einer Knarre, der verständlicherweise einfach keine Lust hat, als Zombie-Hors d’oeuvre zu enden.

Gameplay und Steuerung

Sobald man die erste Zombie-Horde in einem Einführungs-Level endgültig von ihrem ständig hungrigen Dasein befreit hat, findet man sich in einer Übersichtskarte wieder. Die hier dargestellte fiktive Stadt bietet mehrere Missionen, die sich nach und nach freischalten lassen. Dabei gibt es neben dem Mainquest, der die Story vorantreibt, auch Sidequests zu erfüllen. In diesen muss man zum Beispiel eine bestimmte Anzahl von Zombies erledigen und Objekte oder Menschen bergen oder beschützen. Dafür gibt es während und nach den Missionen Geld (im Spiel „Cash“ genannt) und gelegentlich auch Ausrüstungsgegenstände, wie zum Beispiel Granaten, als Belohnung. Mit dem Geld kann man sich im Shop dann Waffen und zusätzliche Ausrüstungsgegenstände oder passive Fähigkeiten (Perks) kaufen, die es einem zum Beispiel ermöglichen, zu rennen (eine nützliche Fähigkeit, wenn einem ein Haufen Zombies an den Fersen klebt), oder seine Waffen upgraden und sich so für die besser nächsten Missionen wappnen.


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Sollte das Geld nicht reichen oder man „Gold Fingers“, die alternative Währung  zum „Cash“ in Dead Trigger brauchen, kann man sich für 99 Cent zweihundert „Gold Fingers“ im Play Store kaufen. Das ist zwar ein durchaus fairer Preis – allerdings wird man regelrecht zu dieser Ausgabe gezwungen, da die Steuerung von Dead Trigger nicht gerade überzeugend ist und man mit schwächeren Waffen kaum eine Chance hat, der Zombie-Horden Herr zu werden. Diese Einschränkung führt gerade in Dead Trigger zu leichter Frustration, denn das gute Sturmgewehr Colt M4, das dem Spieler in den ersten drei Missionen von Dead Trigger zur Verfügung steht, wird danach (aus welchem Grund auch immer) wieder eingezogen und man steht waffentechnisch plötzlich wieder relativ „nackig“ da.

Ich habe mich ehrlich gesagt ein bisschen verschaukelt gefühlt, als ich auf einmal nur mit einer M1911-Pistole und vierzig Schuss Munition gegen eine Horde geifernder Zombies antreten musste und kaum so schnell schießen konnte, wie diese nachkamen; das ist alles andere als motivierend. Man ist also mehr oder weniger gezwungen, gerade am Anfang doch etwas mehr als die für das Spiel veranschlagten 99 Cent zu zahlen, um sich eine anständige Waffe leisten und im Spiel einen Fortschritt erzielen zu können.

Bestimmte Waffen sind erst ab einem bestimmten Spieler-Level verfügbar. Dieser steigt wie bei einem Rollenspiel mit abgeschlossenen Missionen und Zombie-Kills. Eine andere Möglichkeit sich für bessere Waffen zu qualifizieren, wäre, sich so lange mit bereits gespielten Missionen zu quälen, bis man genügend „Cash“ für einen einigermaßen vernünftigen Schießprügel hat. Dieses kleine Waffen-Ärgernis hat bei mir die erste Euphorie über Dead Trigger gleich wieder ein wenig gedämpft.

Für den zweiten Dämpfer sorgt die mal wieder unschön gelöste Steuerung auf dem Tablet: Bei aller Liebe zur sehr guten Grafik und dem recht gelungenen Sound, wirkt diese sich so negativ auf das Gameplay aus, dass man fast sagen muss: Ohne alternative Steuermöglichkeiten (Maus/Tastatur, Gamepad) ist Dead Trigger nahezu unspielbar. Darüber hinaus hakt die Steuerung, hat Glitches und Bugs und scheint nicht wirklich Multitouch-fähig zu sein. So entleert man zum Beispiel ohne es zu wollen gerne mal ein Magazin ins nichts, während die Zombies in aller Ruhe ein zu beschützendes Objekt zerstören. Gelegentlich dreht sich der Charakter auch plötzlich mit dem Rücken zum Gegner, so dass der es noch ein wenig leichter hat, seine Zähne in euer virtuelles Fleisch zu schlagen. Einen kleinen Pluspunkt kann sich die Steuerung auf dem Smartphone holen: Hier ermöglicht die kompakte Spielfläche einen etwas flüssigeren Spielablauf.

Dead Trigger bietet zwar die Option alternativer Steuerungsmöglichkeiten per Maus und Tastatur oder Gamepad, allerdings blieben unsere Versuche, diese zu konfigurieren, erfolglos. Immerhin kann man mit dem PS3-Pad nach rechts und links laufen, aber man kann sich weder in der horizontalen noch in der vertikalen Achse drehen. Bestimmte Aktionen müssen darüber hinaus immer noch am Touchscreen durchgeführt werden, so dass der Einsatz des Controllers in diesem Fall leider keinen Sinn macht. Maus und Tastatur haben sich erst gar nicht konfigurieren lassen. Die Möglichkeit, sämtliche Touch-Kontrollelemente frei auf dem Bildschirm zu verschieben und individuell zu konfigurieren, ist eine schönes Feature, macht die Spielsteuerung aber nur bedingt erträglicher.

Grafik und Sound

Erfreulich sind wie bereits erwähnt die Grafik und der Sound. Die Unity Grafik-Engine zeigt beeindruckende Partikel- und Wasser-Effekte, auch die Kantenglättung scheint vergleichsweise gut zu funktionieren, was gerade bei mobilen Games keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Level-Design in Dead Trigger ist an sich relativ gut gelungen: Blutverschmierte Wände und Lachen auf dem Boden sorgen in Kombination mit zerstörten Objekten, die überall in den Levels verteilt sind, für das Extra-Quäntchen Endzeitstimmung. Man hat sich Mühe gegeben, durch verschiedene Schauplätze etwas Abwechslung in die Gestaltung der Level zu bringen, trotzdem wirken sie alle sehr ähnlich im Aufbau. Das kann aber unter anderem daran liegen, dass die meisten Level per Zufall generiert werden. Ein im Grunde schönes Feature, das einem das Gefühl einer größeren Missions-Vielfalt vermittelt, aber gelegentlich zu Einbußen hinsichtlich der Level-Details führt.

Trotz allem, ein bisschen Resident-Evil-Flair macht sich im Spiel durchaus breit: Ob ihr durch ein verlassenes Kaufhaus irrt, um Ausrüstung zu extrahieren oder in Hintergassen Zivilisten vor herannahenden Zombie-Horden beschützen müsst – immer sind Schauplatz und Atmosphäre stimmig. Unterstützt wird dieses Gefühl durch die überzeugenden Bewegungs-Animationen der Zombies, wenn sie stöhnend und ächzend aus sämtlichen Ecken des Levels gekrochen und geschlurft kommen.

Was den Sound angeht, will ich zwar nicht gleich Loblieder anstimmen, er kann aber auf jeden Fall überzeugen. Gerade die Zombies können durchaus für ein bisschen Gänsehaut sorgen. Ein kleiner Wermutstropfen sind allerdings die Sprüche des Hauptcharakters, die wohl an die epischen One-Liner von Duke Nukem angelehnt sind, allerdings mit fast gelangweilter Stimme vorgetragen werden und dadurch ein wenig überflüssig, in einigen Situationen nahezu lächerlich wirken. Der Sound der Waffen hätte im Übrigen auch etwas „satter“ sein können. Insgesamt kann man aber am Sound nicht viel aussetzen: Er fügt er sich sehr gut ins Spiel ein, ohne extrem negativ oder positiv aufzufallen.

Fazit

Alles in Allem ist Dead Trigger ein Spiel, dass zwei extreme Gegensätze in sich vereint: Zum einen die unglaublich gute Grafik, die einem die Freudentränen in die Augen treibt, zum anderen die hakelige Steuerung, die den Spieler vor Verzweiflung heulen lässt. Grundsätzlich stimmt aber alles: Das Konzept ist super, die Spielführung gut durchdacht und die Auswahl an Waffen, Ausrüstungsgegenständen und Missionen ist groß genug, um für langanhaltenden Spielspaß zu sorgen.

Auch wenn dieser Test auf den ersten Blick ein wenig ernüchternd wirkt, muss man Dead Trigger nicht abschreiben: Es ist seinen Preis durchaus wert. Ich hoffe allerdings, dass die Programmierer bei Madfinger Games bereits die Tasten glühen lassen, um einen Patch für die genannten (Steuerungs-)Probleme nachzuschieben. Funktioniert die Steuerung wie es gedacht war, ist auch die M1911-Pistole eine mehr oder weniger brauchbare Waffe, bis man sich eine bessere leisten kann. Und dann sollte einer erfolgreichen und auf ganzer Linie erfreulichen Zombie-Jagd nichts mehr im Wege stehen.

Habt ihr Dead Trigger bereits installiert und gespielt? Was sagt ihr zur Grafik und vor allem zur Steuerung – gelungen oder voll daneben?

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