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RunKeeper: Lauf-App im Test von Android-Pete


06.09.2012, 18:00 Uhr

runkeeper-test-android-pete

Ein Geheimtipp ist RunKeeper sicher nicht – allerdings ist der Bekanntheitsgrad der App hierzulande verglichen mit Runtastic und Endomondo eher gering. Ein Grund dafür dürfte sicher sein, dass RunKeeper lediglich auf Englisch verfügbar ist. Ob die Sport-App dennoch als guter Trainingspartner taugt, soll der folgende Test zeigen.

Erscheinungsbild

Bevor ich auf die Details eingehe, sei gesagt, dass sowohl App als auch das Portal von Runkeeper komplett auf Englisch sind. Selbst für User mit holprigen Sprachkenntnissen sollte das allerdings kein allzu großes Problem darstellen, schließlich sind die meisten Funktionen schnell übersetzt oder intuitiv klar.

Nach dem ersten Start ist zunächst eine Anmeldung und die Eingabe einiger persönlicher Daten möglich. Alternativ kann man sich direkt via Facebook einloggen oder komplett ohne Anmeldung loslegen. Mit der Anmeldung erhält man automatisch Zugriff auf das Online-Portal. Eine Pro-Version gibt es bei RunKeeper nicht, dafür aber die RunKeeper Elite Mitgliedschaft für 5 Dollar im Monat bzw. 20 Dollar im Jahr. Auf die Vorteile davon gehe ich weiter unten kurz ein.

Vor dem ersten Training empfiehlt es sich, Daten wie Größe und Gewicht einzugeben sowie einige Grundeinstellungen vorzunehmen – beispielsweise Auto-Pause, Sprachausgabe, Facebook-Privatsphäre etc.

Nach Festlegen der gewünschten Sportart kann dann – ein ausreichendes GPS-Signal vorausgesetzt – mit der Aufzeichnung begonnen werden. Ohne GPS-Signal startet die Aufzeichnung nur, wenn ein entsprechender Warnhinweis bestätigt wurde. Leider gibt es keine Auto-Start-Option, sobald die Positionierung erfolgreich war. (Bisher habe ich diese Funktion lediglich bei SportsTracker (STL) gefunden.)

Als weitere Optionen lassen sich persönliche Trainingsziele festelegen (zum Beispiel bis Ende des Jahres 10 Kilometer in einer Stunde laufen). Die App zeigt dann die Tage bis zum Stichtag an. Der praktische Nutzen blieb mir dabei allerdings verborgen, eine Auswertung des aktuellen Leistungsstandes erfolgt nämlich nicht.

Die Wiedergabe vergangener Workouts ist eher spartanisch und bleibt auf die Anzeige von Entfernung, Zeit, Pace und Kalorienverbrauch beschränkt. Das Balken-Diagramm enthält keinerlei Skalen oder Werte – sieht also nett aus, ist aber komplett nutzlos. In der Kartenansicht wurden bei mir bei einer aufgezeichneten Streckenlänge von 5 km Markierungen bis Kilometer 25 angezeigt – ein Bug, der im Portal glücklicherweise nicht auftrat.

Persönliche Ziele, Vergangene Workouts, Wiedergabe vergangener Workouts

Usability / Test im Einsatz

Der Hauptbildschirm, der während der Aufzeichnung angezeigt wird, konnte mich persönlich nicht wirklich überzeugen: Die Mitte des Bildschirm wird von einem Diagramm belegt, welches je nach Auswahl den Pace- bzw. Geschwindigkeitsverlauf protokolliert. Zusammen mit dem ebenfalls etwas überdimensionierten Start-Stop- bzw. Pause-Button bleibt so nur ein Drittel der Bildschirmfläche für die Anzeige der gemessenen Werte – also Distanz, Zeit sowie verbrannte Kalorien. Wer während des Trainings schnell einen Blick auf die aufgezeichneten Werte werfen möchte, muss demzufolge schon sehr genau hinschauen. Nimmt man die App lediglich zum Tracken und hinterher auswerten, spielt das natürlich keine große Rolle.

Bei der Kartenansicht verhält es sich ähnlich: Der aktuelle Ausschnitt nutzt den Bildschirm nicht optimal – gerade einmal die Hälfte der Fläche steht zur Verfügung. Genutzt werden die Karten von Google Maps, jedoch ohne optionale Satellitenansicht.

Ansicht des Hauptscreens und der Kartenansicht während Workout

Landscape-Modus

Weitere Ansichten gibt es im Workout-Modus nicht, ebenso wenig eine Tastensperre, die den Bildschirm eingeschaltet lässt, gleichzeitig aber dessen Touchfunktionalität sperrt. Dafür lässt sich der Bildschirm zwischen Landscape und Portrait-Modus wechseln – nützlich für eine etwas größere Kartenansicht etwa.

Die Auto-Pause-Funktion funktionierte soweit gut, allerdings kann keine Geschwindkeits- Unterschwelle festgelegt werden. Bei verlorenem GPS-Signal hat RunKeeper weiter aufgezeichnet und die aktuelle Geschwindigkeit mit 0km/h gewertet. Auch hier waren andere Apps besser.

Weiterer Minuspunkt: Während der Aufzeichnung ist das Menü nicht aufrufbar. Möchte man also die Sprachausgabe oder andere Einstellungen ändern, muss man die Aufzeichnung stoppen. Generell fehlt die Möglichkeit, den Hauptscreen hinsichtlich der dargestellten Werte den eigenen Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Einzig zwischen Pace und Geschwindigkeit bei der Diagramm-Anzeige kann gewählt werden.

Positiv aufgefallen ist mit die Tatsache, dass der Polar Wearlink+ Bluetooth Brustgurt sofort erkannt wurde, ohne das ich diese Option extra aktivieren musste. Allerdings lassen sich weder Maximalpuls noch Ruhepuls manuell festlegen, geschweige denn Herzfrequenz-Zonen anpassen. Die angezeigten Bereiche sind also höchstens als grober Richtwert zu verstehen.

Intervall

Die Intervall-Funktion hat mir insgesamt gut gefallen, in Verbindung mit Kopfhörern und Sprachausgabe ließen sich so vordefinierte Trainingseinheiten nachvollziehbar absolvieren. Jedes Intervall wird über die Sprachausgabe angekündigt, leider jedoch nicht am Bildschirm angezeigt. Im Portal sind die Intervalle dafür später einsehbar, mit der App allein ist dies nicht möglich.

Die Teil-Intervalle können aus beliebigen Zeit- oder Entfernungsvorgaben zusammengesetzt werden. Als Ziel kann aber nur langsame, mittlere oder schneller Geschwindigkeit gewählt werden (Bsp: 10 min langsam, 3 km schnell, 20 min mittel …). Eine Vorgabe der Form „2 km in 10 min“ ist somit nicht möglich.

Sprachausgabe-Funktionen, Intervall-Editor

Sprachausgabe

Die Sprachausgabe (natürlich ebenfalls nur in englisch) kann sich sehen – bzw. hören lassen: Die Klangqualität der Stimme war im Vergleich zu anderen Apps definitiv besser. Die weibliche Stimme klang klar und verständlich und zur Abwechslung wenig roboterartig. Welche Werte in welchen Abständen angesagt werden, lässt sich im vorher festlegen – insgesamt ein Pluspunkt!

Webportal / Social Networking / RunKeeper Elite

Das Webportal von Runkeeper macht auf den ersten Blick einen optisch stimmigen Eindruck. Nicht zu überladen und glücklicherweise ohne nervige Werbung sind hier alle Workouts nachvollziehbar aufgelistet. Die Routen sind später editierbar, wenn auch etwas mühselig. Herzrate, Startzeit, Dauer und Notizen lassen sich ebenfalls nachträglich verändern.

Praktisch finde ich die Option, Workouts am PC zu editieren und anschließend bei Facebook zu sharen. Bei vielen anderen Apps geht dies nur direkt nach Beendigung der Aufzeichnung per Smartphone. Ebenfalls eine gute Sache ist die so genannten Teammate-Funktion. Läuft man mit einem Trainingspartner, kann dieser markiert und das Training auf seinem Profil gespeichert werden. Genauso kann man sich mit einem Partner messen und versuchen, diesen auf eigenen Strecken zu unterbieten.

Eine genaue Trainingsanalyse mit Zwischenwerten und Diagrammen ist im Prinzip nur mit einem RunKeeper Elite Account möglich. Der kostet wie oben erwähnt 5 Dollar im Monat bzw. 20 Dollar im Jahr. Auch die Live-Tracking-Funktion gibt es nur mit Elite-Account. Insgesamt ist der Funkionsumfang in der kostenlosen Version vergleichsweise hoch, eine Pro-Variante gibt es allerdings nur als Abo – und dies ist auf Dauer natürlich um einiges teuer. Ausführlichere Informationen zum Elite-Account erhaltet ihr hier.

Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit, Strecken zu erstellen oder aus dem Streckenpool welche in der eigenen Umgebung zu finden. Ebenso sind zahlreiche Volksläufe in der Datenbank abgelegt, bei denen man sich mittels RunKeeper mit anderen Läufern messen kann. Die Möglichkeit zum Streckenimport (GPX, TCX oder Garmin) bzw. -export (GPX oder Google Earth) besteht, genau wie die Möglichkeit, ein Workout komplett manuell aufzunehmen.

Workout-Ansicht im Webportal

Fazit

Alles in allem verdient RunKeeper nur eine mittelmäßige Bewertung. Abgesehen von der guten Sprachausgabe, der Intervall-Funktion und dem für die kostenlose Version verhältnismäßig großen Funktionsumfang überzeugt die App nicht so richtig: Die Bildschirm-Aufteilung wirkt zu wenig durchdacht, die persönlichen Anpassungsmöglichkeiten halten sich in Grenzen und die Auswertungsoptionen am Smartphone sind ebenfalls recht minimal. Verglichen mit Runtastic, Endomondo und SportsTracker (STL) kann sich RunKeeper nicht hervorheben. Wer allerdings lediglich eine App zum Aufzeichnen von Basisdaten und Strecke sucht, der wird von RunKeeper nicht enttäuscht.

Pro

  • Nutzung auch ohne Anmeldung möglich
  • Auto-Pause bei Bewegungsstopp
  • Gute Sprachausgabe
  • Gute Intervall-Funktion
  • Erkennt Bluetooth-Brustgurt automatisch
  • Webportal übersichtlich und funktional
  • Vergangene Workouts editierbar
  • Streckeneditor, Streckenpool
  • Teammate-Funktion für Laufpartner
  • Kamera-Funktion für Schnappschüsse

Contra

  • Keine Pro-Version, nur Elite-Mitgliedschaft als Abo
  • Keine Unterbrechung bei schwachem GPS-Signal
  • Hauptbildschirm und Kartenansicht nicht optimal
  • Vergangene Workouts nicht detailliert nachvollziehbar am Smartphone
  • Kaum Möglichkeiten, die Anzeige zu verändern
  • Keine automatische Tastensperre bei eingeschaltetem Bildschirm
  • Während Workout keine Einstellung möglich
  • Keine Herzfrequenz-Grenzen einstellbar, keine eigene Definition von Zonen möglich

Download: RunKeeper (kostenlos)
RunKeeper (kostenlos) qr code

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