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Öffi: Die Fahrplanauskunft für öffentliche Verkehrsmittel


21.03.2013, 16:26 Uhr

Öffi

Mit Öffi hat sich Entwickler Andreas Schildbach wirklich ein komplexes Projekt ans Bein gebunden, denn die kostenlose App hat den Anspruch, Menschen in immer mehr Städten und Ländern in Echtzeit mit allen relevanten Informationen zum öffentlichen Personennahverkehr zu versorgen. Öffi gibt über drei getrennt startbare Apps Auskunft über Haltestellen in der Nähe mit den nächsten Abfahrtszeiten, zeigt Netzpläne und berechnet Verbindungen.

Was Google Maps und Google Now zumindest in Europa bislang nicht umfassend und flächendeckend hinbekommen, das realisiert Öffi schon seit einiger Zeit auf Android. Wenn man sich mal kurz überlegt, welche Mengen an Daten zu diesem Zweck erhoben und aktuell gehalten werden müssen und mit wie vielen unterschiedlichen Verkehrsbetrieben mit unterschiedlichen Datenstrukturen der Autor beziehungsweise die App es dabei zu tun bekommt, kann man schon ins Staunen kommen. Eben diese Komplexität zeichnet wohl auch dafür verantwortlich, dass Öffi auf dem SMartphone in drei Teilen daherkommt: Die Öffi-Apps Haltestellen, Netzpläne und Verbindungen nennen wir der Einfachheit halber Module. Jedes Modul lässt sich direkt aus dem App Drawer oder auch aus den Menüs der anderen Module heraus aufrufen. Die drei Module stellen wir hier einzeln vor.

Haltestellen

Wie auf dem Screenshot unter diesem Absatz zu sehen, listet Öffi im Haltestellen-Modul in der Nähe befindliche Haltestellen auf und informiert darüber, wann dort welche Nahverkehrslinien abfahren. In der Übersicht sollten zu jeder Haltestelle die nächste Abfahrtszeit mit Linie, Richtung zur Haltestelle (Pfeil rechts) sowie die ungefähre Entfernung (Luftlinie) angezeigt werden. Tippt man auf eine Haltestelle, klappen die folgenden Abfahrtszeiten aus und die Ansicht wird aktualisiert. Wir sprechen von „sollte“, weil das hier aktuell mal wieder nur eingeschränkt funktioniert. Von den Haltestellen in der Nähe werden nicht alle immer so angezeigt wie vorgesehen. Ein häufiger Bug, den man auf dem ersten Screenshot bewundern kann, sind ohne Zutun des Users ausgegraute Haltestellen, hinter denen sich beim Antippen dann aber doch aktuelle und korrekte Informationen verbergen. (Aufgrund einiger Kommentare zu diesem Artikel wollen wir hier ergänzend klarstellen, dass wir die Haltestellen im Rahmen des Tests weder über das Kontextmenü noch über eine Wischgeste nach links auf ignorieren gestellt hatten. Die App wurde sogar vor dem Test komplett zurück gesetzt.) Eine andere schlechte Angewohnheit Öffis ist es, zuweilen statt der Zeit bis zur ächsten Abfahrt, die Zeit seit der letzten Abfahrt anzuzeigen.

Öffi-Haltestellen-Screens-1

Die Haltestellen-Liste sortiert Öffi nach örtlicher Nähe: Je näher eine Haltestelle ist, desto weiter oben wird sie angezeigt. Um den eigenen Standort bestimmen zu können, müssen die entsprechenden Android-Einstellungen unter Standortzugriff aktiviert sein.

Erfasst werden sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel wie Fernbahnen, S-Bahnen, Busse, U-Bahnen, Fähren etc.. Durch Antippen des Trichtersymbols oben kann man filtern, welche Verkehrsmittel zu sehen sind. Die Filterfunktion ist allerdings nicht optimal umgesetzt, da zunächst alle Verkehrsmittel angezeigt werden und man die, die man nicht sehen möchte, einzeln abwählen muss. Sinnvoller und allgemein üblich wäre es anders herum.

Öffi-Haltestellen-Screens-2

Lässt man den Finger länger auf einer der Haltestellen, öffnet sich ein Kontextmenü mit den auf dem Screenshot gezeigten Optionen. Während auf Tablets neben den Haltestellen noch eine Karte gezeigt wird, auf der die Haltestellen markiert sind, muss man bei Smartphones die Karte gesondert im Kontextmenü anwählen oder das Gerät quer halten.

Netzpläne

Wie unschwer zu erraten ist, finden sich hier Netzpläne, wobei wieder die örtlich nächstgelegenen Verkehrsnetze oben erscheinen. Für viele größere Städte sind mehrere, nach den jeweiligen Verkehrsmitteln getrennte Netzpläne hinterlegt, wie man auf dem Screenshot sehen kann. Die Netzpläne werden durch Antippen heruntergeladen. Danach kann man mit den üblichen Fingergesten zoomen und sich in den Plänen bewegen.

Öffi-Netzpläne-Screens

Verbindungen

Das dritte Modul im Bunde berechnet auf Grundlage der von den Verkehrsbetrieben bereit gestellten Daten eine Verbindung zwischen zwei oder drei wählbaren Orten. Definieren lassen sich Startpunkt, ein Zwischenhalt sowie der Endpunkt. Als Orte kann man den aktuellen Standort, eine Adresse aus den Kontakten oder einen vorher festgelegten Haltestellen-Favoriten festlegen. Daneben kann man natürlich auch Orte manuell per Tastatur eingeben; fällt Öffi zu dem Suchstring etwas ein, werden schon nach wenigen Zeichen Haltestellen, Adressen aus dem Adressbuch oder Straßennamen vorgeschlagen. Hat man sich für Start und Ziel entschieden, präsentiert das Verbindungs-Modul in einer, sagen wir nicht so wahnsinnig und mittelmäßig gestalteten Timeline die nächsten Verbindungen. Diese geben nach einer Berührung weitere Details preis, deren Darstellung wiederum gelungen ist.

Öffi-Route-Screens

Fazit

Würde man das immerhin kostenlose und werbefreie Öffi ausschließlich nach einem Test am Rande von Hamburg bewerten, müsste unser Fazit eher schlecht ausfallen. Denn die sich vor allem im Modul Haltestelle tummelnden Bugs nerven und erschweren die sinnvolle Benutzung der App. Zwar weist der Autor bei der Auswahl der Verkehrsnetze darauf hin, dass der Hamburger Verkehrsverbund keine Schnittstelle zur Verfügung stelle und man es mit Niedersachsen oder Schleswig-Holstein probieren könne. Das ist aber keine Entschuldigung für die oft fehlerhafte Darstellung der Daten vor allem im Haltestellen-Modul. Auch andere Schwächen der App, die wir erwähnt haben, haben mit fehlenden Daten kaum etwas zu tun.

Andererseits muss man natürlich auch unsere Feststellung vom Anfang noch einmal unterstreichen: Hinter dieser Mammut-App steht ein einzelner Entwickler, der viel Zeit und Mühe in diese Projekt investiert und von dem man natürlich nicht ein Produkt auf dem gleich Qualitätslevel erwarten kann, wie beispielsweise von Google.

Die Kollegen aus Berlin berichten indes, dass Öffi dort problemlos funktioniere. Dazu passen die insgesamt guten Bewertungen im Play Store. Das Verdikt dieses Testes kann leider trotzdem nicht nur positiv ausfallen: Öffi ist eine extrem ambitionierte App ohne vergleichbare Konkurrenz (bis Google eben nachzieht), die äußerst hilfreich sein kann — wenn sie denn richtig funktioniert.

Download: Öffi (kostenlos)
Öffi (kostenlos) qr code

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