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Chefkoch.de Rezepte: Neue App für Hobbyköche im Test


07.12.2012, 15:40 Uhr

chefkoch-app-android

Im deutschen Sprachraum gibt es eine Anlaufstelle im Internet, für alle, die gerne kochen und braten, backen und sotten, garen und schmoren, blanchieren und tranchieren — die Rede ist natürlich von Chefkoch.de, der gigantischen und gigantisch nützlichen Koch-Community aus der Erbmasse des mittlerweile insolventen Web-Urgesteins Lycos. Die hat nämlich jetzt auch eine Android-App. Im App-Test sagen wir, warum man auf deren Download guten Gewissens verzichten kann.

Wer sich sein Essen gern selber zubereitet — das Öffnen von Tiefkühlpizzapackungen zählen wir mal nicht dazu — wird die Situation kennen: Man hat ein schönes Rezept bei Chefkoch.de gefunden, möchte es aber nicht unbedingt ausdrucken, will sich aber auch nicht den Laptop in die Küche stellen. Neben der Nutzung der mobilen Webseite kann man sich für solche Fälle seit gestern auch die App von Chefkoch.de aus dem Play Store herunterladen.

chefkoch: Splascreen, Sidemenü, Sartseite

Beim Start erwartet den Nutzer, nach einem gestaucht wirkenden Splashscreen, ein übersichtlicher Startbildschirm mit einem per Button links oben hervorslidenden Seitmenü. Auf dem Startbildschirm findet man die letzten Rezepte des Tages, jeweils mit ansprechenden Bildern garniert und horizontal durchwischbar. Darunter, für Uninspirierte, ein Zufallsrezept. Wiederum darunter aktuelle Artikel aus dem Chefkoch-Magazin, eine Übersicht der neuesten Rezeptideen und der Zugriff auf die Suchfunktion.

Auf Rezeptseiten sind über eine extra Buttonleiste zusätzlich zum eigentlichen Rezept mitsamt Nutzerfotos noch Kommentare und ähnlichen Rezepte erreichbar.

chefkoch rezept

Per Sidebar erhält man Zugriff unter anderem auf gespeicherte und zuletzt aufgerufene Rezepte, das eigene Kochbuch und Einkaufslisten sowie die Einstellungen. In letzteren kann man die nette „Schütteln für ein Zufallsrezept“-Funktion aktivieren. Schade ist, dass man sich nicht mit den eigenen Nutzerdaten von der Chefkoch-Webseite in der App einloggen kann und so etwa favorisierte Rezepte und Einkauflisten synchronisieren oder eigene Fotos hochladen kann. Gemerkte Rezepte verbleiben so ausschließlich auf dem Smartphone.

Soweit zum — insgesamt annehmbaren — Funktionsumfang der App. Leider bietet die technische Umsetzung allen Anlass zur Kritik. Was zuallererst auffällt, ist die miserable Performance: Egal, ob man in der App herumscrollt, Menüs oder die Sidebar aufruft — alles ruckelt auf einem inakzeptablen Niveau vor sich hin, sogar auf High End-Geräten. Warum das so ist, darüber können wir nur spekulieren, aber es steht zu vermuten, dass dies aus der Tatsache herrührt, dass es sich in weiten Teilen um eine 1:1-Umsetzung der iPhone-Anwendung handelt, mitsamt holzvertäfelter Titelleiste und Schlagschatten-Buchstaben. Die ästhetische Problematik außen vor gelassen, existiert seit nunmehr über einem Jahr die elegante Holo-UI für Android, was den Machern der Chefkoch-App offenbar entgangen ist.

Auch die Sidebar ist extrem schlecht umgesetzt: Durch Drücken von „Zurück“ auf dem Startbildschirm schließt nicht etwa die App, stattdessen wird — exakt wie beim Druck auf „Menü“ — die Sidebar ausgefahren, ein erneuter Druck auf Zurück fährt sie wieder ein. Auch das allerdings nicht immer: Im Test kam es auch vor, dass die App nicht mehr zurückscrollte, egal was man versuchte. Die App lässt sich überdies nicht manuell beenden und frisst dazu sogar noch unverschämte Speichermengen — direkt beim Start bereits fast 50 MB. Nutzer schwachbrüstiger Geräte werden darüber gewiss nicht erbaut sein.

chefkoch-app tablet

Eine dedizierte Tablet-Version besitzt die App nicht, das Layout wird nur hochskaliert, wodurch die Inhalte grotesk klein wirken. Für Tablet-Nutzer ebenfalls nicht optimal: Die App lässt sich nur im Portrait-Modus bedienen, eine Landscape-Ansicht ist nicht vorgesehen.

All die genannten Probleme lassen die Chefkoch-App leider in keinem guten Licht erscheinen. Sie ist ein typisches Beispiel dafür, was passiert, wenn ohne Rücksicht auf Verluste eine iOS-App eins-zu-eins für Android umgesetzt wird, sämtliche Eigenheiten des und Designempfehlungen für das Android-System konsequent ignorierend. Hier herrscht ein gehobenes Maß an Nachholbedarf.

Fazit: Inhalt hui, Umsetzung pfui. Wir empfehlen Chefkoch-Nutzern, vorerst bei der mobilen Webseite zu bleiben — oder dem guten alten Rezepte-Ausdruck.

Download: Chefkoch.de für Android
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